Geschichte wird lebendig, wenn sie Orte, Menschen, Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Das zeigte eindrucksvoll eine Veranstaltung des Vereins für Heimatkunde und Tourismus Ainring gemeinsam mit der Pfarrpfründestiftung Ainring und dem Kulturverein der Gemeinde in der Kirche St. Ulrich auf dem Ulrichshögl. Im Mittelpunkt stand eine außergewöhnliche Frau aus dem Mittelalter: Diemut vom Högl, die vor rund 800 Jahren als Burggräfin auf der Festung Hohensalzburg gewirkt hat – und die heutige Burgverwalterin Iris Hafner, die seit 2024 als Frau an der Spitze der Salzburger Festung steht.
Altbürgermeister und Vereinsvorsitzender Hans Eschlberger machte bereits zur Begrüßung deutlich, wie eng Ainring und Salzburg historisch verbunden sind. Ein sichtbares Zeichen dafür ist das Gemeindewappen: Es zeige nicht den bayerischen, sondern den Salzburger Löwen. Hammer und Schlägel erinnern zudem an das Hammerauer Eisenwerk, das 1537 durch den Salzburger Erzbischof Matthäus Lang gegründet wurde. „So verbindet uns mit Salzburg nicht nur Geschichte, sondern solides und haltbares Eisen“, betonte Eschlberger. Sein Anliegen sei es, gerade in der heutigen Zeit Brücken für Frieden, Zusammenarbeit, Respekt und Wertschätzung zu bauen.
Pfarrpfründestiftungsrat und Kirchenpfleger Sepp Huber nahm die Besucher mit auf eine Reise durch die Geschichte der Kirche St. Ulrich. Die ehemalige Mutterkirche der Region blickt auf eine über tausendjährige Vergangenheit zurück. Eine Urkunde aus dem Jahr 1850 verweist auf ihre lange Geschichte. Demnach besteht der Kirchenstandort heute seit 1176 Jahren. Ursprünglich als Schutzkirche in unruhigen Zeiten errichtet, erhielt St. Ulrich bereits im 13. Jahrhundert Tauf- und Begräbnisrechte. Der Taufstein aus dem 12. Jahrhundert zeugt noch heute davon.
Auch architektonisch hat das Gotteshaus viele Epochen erlebt: Reste einer romanischen Balkendecke, die Erweiterung im Zuge der Gotisierung im 15. Jahrhundert sowie die Barockisierung im 18. Jahrhundert spiegeln die wechselvolle Geschichte wider. Sorgen bereitet derzeit allerdings der Zustand des Dachstuhls. Schäden, Risse und eine sich nach außen bewegende Nordwand machen eine Sanierungen erforderlich. Da die Finanzierung noch nicht gesichert ist, wird um Unterstützung und Spenden gebeten.
Für den festlichen Rahmen der Veranstaltung sorgten die Familienmusik Emans und Sepp Ramstetter an der „Mesei-Orgel“, die in verschiedenen Besetzungen mit Werken von Vivaldi, Mozart, Susato und Tartini beeindruckten. Besonders erwähnenswert sind die Leistungen der Kinder Monika an der Violine, Thomas an der Klarinette und Johannes an der Trompete. An der Kugelmühle am Mühlstätter Graben sorgte anschließend die Kugelmühlmusi mit heimischer Volksmusik für eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Dort wurde auch eine neue Informationsstele enthüllt, die sich auf die Diemut-Steinfigur in der Staumauer bezieht und an die historische Diemut erinnert. Die Figur war im vergangenen Jahr eingesetzt worden und nimmt Bezug auf die mittelalterliche Edle vom Högl. Dr. Wolfram Noreisch erläuterte ihre Geschichte: Diemut lebte von 1145 bis 1213 und stammte aus einer wohlhabenden Adelsfamilie. Nach mehreren frühen Todesfällen ihrer vier Ehemänner verwaltete sie ein großes Erbe und nahm eine bedeutende gesellschaftliche Stellung ein. In einer Schrift des Salzburger Domkapitels wird sie zwischen 1193 und 1196 tatsächlich als „Castellana“ – also Burggräfin – erwähnt (mehr zur Verbindung Ainring-Salzburg durch Diemut siehe Kasten).
Die Kugelmühle selbst wurde 2018 von Hans Höglauer, Dr. Wolfram Noreisch, Stefan Götzinger und Hans Eschlberger an einem historischen Standort neu errichtet. Die Idee zur Diemut-Figur entstand nach dem Vorbild der „Frau im Fels“ in Salzburg. Steinmetzmeister Stefan Wimmer schenkte die anmutige Figur und gab damit der alten Verbindung zwischen Högl und Salzburg ein neues Symbol.
Diese Verbindung soll nun weiter vertieft werden. Altbürgermeister Eschlberger hatte gemeinsam mit den Kugelmüllern ein Treffen mit Iris Hafner auf der Festung Hohensalzburg organisiert. Hafner, die heutige Leiterin der Burgverwaltung, zeigte sich begeistert von der historischen Spurensuche und vermittelt bei ihren Führungen bereits die Geschichte der Diemut vom Högl, verbunden mit einem Hinweis, dass es auch in Ainring – ebenso wie im Burghof in Salzburg – eine Diemut-Figur gibt.
Als Zeichen der Verbundenheit überreichte Eschlberger ihr das Ainringer Gemeindewappen sowie das Heimatbuch mit dem Kapitel über die Brüder Hagenauer, die das Salzburger Stadtbild entscheidend geprägt haben. So schließt sich ein Kreis: Zwei Frauen, zwei Jahrhunderte – und eine Geschichte, die Ainring und Salzburg bis heute verbindet.
Wie Besitztümer aus Ainring nach Salzburg kamen
Schon während ihrer zweiten Ehe 1170 erneuerte Diemut von Högl das Erbversprechen ihres Vaters Heinrich und erweiterte es auf ihre Person. Es sagte aus, dass bei ihrer Kinderlosigkeit ein Großteil des Besitzes an die Augustiner Chorherren des Domkapitels, sowie an die Benediktinermönche von St. Peter und die Benediktinerinnen von Kloster Nonntal gehen solle. 1204 erneuerte sie ein weiteres Mal ihr Erbversprechen. Nach ihrem Tod löste das einen Rechtsstreit zwischen ihrem vierten Ehemann Konrad, Burggraf von Hohensalzburg, und dem Domkapitel aus, der 1217 durch einen Schiedsspruch von Papst Honorius III. sein Ende fand. Das Domkapitel, die Klöster St. Peter und Nonntal erhielten Teile der Erbmasse. Der „Kapitelwald“ unterhalb der Schießstätte am Fuße des Ulrichshögl, zeugt noch heute von Diemuts Erbmasse, die dem Domkapitel zufiel.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
4581: Concerto für zwei Violinen, Bass und Orgel von Antonio Vivaldi mit Sepp Ramstetter an der Orgel, Max Emans am Kontrabass, Erika Emans und Tochter Monika, Violinen
- 71: Die Familienmusik Emans mit (von rechts) Monika, Mutter Erika, Thomas, Johannes und Vater Max
4604: Altbürgermeister Hans Eschlberger überreicht das Gemeindewappen an die Leiterin der Festungsverwaltung, Iris Hafner.
4610: Die Referenten der Veranstaltung zu Ehren der Diemut von Högl (von links): Sepp Huber, Hans “Mesei” Höglauer, Hans Eschlberger, Iris Hafner und Dr. wolfram Noreisch
9459: Viele Gäste fanden sich zur feierlichen Enthüllung der Stele ein.
9458: Für den passenden Rahmen an der Kugelmühle sorgte die Kugelmühlmusi mit zünftiger Volksmusik mit (von rechts) Hermann Schönsmaul und Gebhard Götzinger, Klarinetten, Max Huber, Ziach, Helmut Fürle, Gitarre und Manfred Perchermeier, Kontrabass.
6460: Applaus von Burgverwaltungsleiterin Iris Hafner, Hans Höglauer, Dr. Wolfram Noreisch und Hans Eschlberger für die neue Stelle aus Högler Sandstein mit Blumenschmuck von Resi Plößl und Informationen zur Diemut von Högl
6463: Die Stele mit QR-Code (unten nach Frage 4). Den festlichen Blumenschmuck hatte Resi Plößl vom Kulturverein angefertigt.












