Der Klosterhof wird 525 Jahre alt – Die Musik seiner Entstehungszeit führt zu dessen Anfängen zurück
Bad Reichenhall. Vom 19. bis zum 21. Juni findet im Zusammenhang mit der 525-Jahr-Feier des Klosterhofs in Bayerisch Gmain ein Musikfest statt. Unter dem Motto „Zeitklang“ und im Zusammenwirken historischer Instrumente mit Musik aus der Entstehungszeit der Renaissance ist am Freitag um 16 Uhr die Capella dell’halla in der Spitalkirche St. Johannes zu hören, am Samstag um 19:30 Uhr in der Ägidikirche und am Sonntag um 18 Uhr das Alpenbaroque-Orchester gemeinsam mit dem Vokalensemble „Designing Voices“ mit der Messe in c-Moll von Wolfgang A. Mozart in der Kirche St. Zeno. Die jeweiligen Leiter der Instrumental- und Chorensembles, Robert Schlegl und Professor Jörn Andresen sprachen mit der Pressevertreterin über die ganzheitliche Konzeption des Festivals und darüber, was die Aspekte Kirche, Wirtschaft und Musik miteinander verbindet.
Presse: War der zeitliche Zusammenhang zwischen der Musik auf den historischen Instrumenten und der Entstehungszeit des Klosterhofs der einzige Auslöser für eine Zusammenarbeit mit dem Klosterhof?
Robert Schlegl: Zentral steht das Chorherrenstift St. Zeno mit seinem wichtigen Impuls für die Entwicklung der Stadt und Region im 16. Jahrhundert. Durch die Gründung des Klosterhofs wurde ein erneuter Impuls gesetzt. Hinzu kommt, dass der heutige Klosterhof ein intensives Interesse an qualitativer Kulturarbeit hat. So war eine Zusammenarbeit automatisch gegeben. Außerdem gibt es viele historische und regionaltypische Bezüge, die sich in ein musikalisches Programm einbinden lassen: die Lage in den Alpen (vertont von Ludwig Senfl: „Zwischen Berg und tiefem Tal“), sowie regionale Komponisten (Joseph J. B. Münster, Andreas Hofer) und Reichenhalls Einbindung in das damalige und heutige Europa. So kompakt an drei Tagen ist das eine einmalige Gelegenheit, exzellente Musik zu erleben.
In das Festival-Programm eingebunden sind zwei Themen-Führungen – eine Stadtführung „Vom Salz zum Klang“ am 20.06. um 18 Uhr und die Kirchenführung „Zwischen Gebet, Kultur und Ökonomie – St. Zeno neu entdecken“ am 21.06. um 16:30 Uhr. Welche Zusammenhänge mit der Musik und dem Klosterhof gibt es hier?
RS: Ohne das Salz und die daraus resultierende wirtschaftliche und politische Power wäre diese Entwicklung in der Vergangenheit nicht möglich gewesen, und weder eine gute Schulbildung im Chorherrenstift St. Zeno, noch die Notwendigkeit für einen Notar Mitte des 18. Jahrhunderts. Beides hat direkten Einfluss auf die beiden Komponisten Andreas Hofer und J.J.B. Münster und ihre Werke im Programm am 21. Juni.
Beim dritten Konzert am Sonntag um 18 Uhr wird nach den beiden Konzerten mit der Capella dell’halla das Alpenbaroque-Orchester mit der c-Moll-Messe von Mozart zu hören sein. Wie ordnet sich die Musik Mozarts aus dem 18. Jahrhundert in die Geschichte des Klosterhofs ein? Welchen Stellenwert hat das Konzept von „Designing Voices“, Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen europäischen Ländern in einem Chor zu vereinen?
RS: Die ‚große‘ Messe in c-moll ist eines der herausragenden und dem Anlass angemessenen Vokalwerke von Mozart. Zudem verleihen die SängerInnen von „Designing Voices“ dem Projekt eine europaweit vernetzende Dimension.
Jörn Andresen:
Bei aller Beschaulichkeit des Rupertiwinkels: Die internationale Bedeutung der Region ist nicht erst heute entstanden, sondern hatte zu Zeiten der Salzburger Fürstbischöfe eine europaweite Strahlkraft als Glaubens-, Wirtschafts- und Kulturzentrum. In Fortsetzung dieser kulturellen Tradition und mit modernen Kunstformaten banden wir mit „Designing Voices“ ein internationales Ensemble in das Festival „Zeitklang“ ein. Die Studierenden des Kammerchors kommen aus 14 Nationen und verschiedensten europäischen Musik-Hochschulen und Universitäten.
RS: Das Besondere: Nach der jahrelangen Renovierung von St. Zeno wird solche Musik dort zum ersten Mal wieder erklingen und zusätzlich in den kirchlichen Segen eingebettet sein. Um daher möglichst vielen den Genuss dieser Musik zu bieten, ist der Eintritt frei. Zur Deckung der Kosten wurde ein Crowdfunding erstellt – freigeschaltet ab 15. Juni 2026: https://www.viele-schaffen-mehr.de/projekte/wiedererklingen-in-st-zeno .
Und welche Bedeutung hat der musikalische Umzug von der Spitalkirche zum Klosterhof?
RS: Jedenfalls nicht als ‚Marching Band‘, das kann ich gar nicht ‚derschnaufen‘ bergauf! Aber es gibt einzelne Klangpunkte, die dann zum Jubiläumsfest am Klosterhof führen. Wir wollen den verbindenden Aspekt der Kultur deutlich machten und zeigen, dass die historische Verbindung St. Zeno – Klosterhof nicht an kommunalen Grenzen halt macht.
Weiter Info und Programm im Detail: www.kultur-gut.org
Das Interview führte Brigitte Janoschka



