Kultur

REI: 2 Interviews zu “La Voce”

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Im Rahmen des Gesangsfestivals „La Voce“ laden die Bad Reichenhaller Philharmoniker dazu ein, die eigene Stimme auszuprobieren und zu trainieren. Alle Sangesfreudige im Alter von 10 bis 100 von Amateur bis Profi sind eingeladen, am Chorworkshop am Freitag, den 11. September von 15 bis 18 Uhr und am Samstag den 12. September von 13 bis 16:30 Uhr unter dem Motto „Körper-Atem-Stimme“ in Bad Reichenhall teilzunehmen.

Unter der Leitung der international renommierten Opern- und Konzertsängerin Daniella Böhm werden im Königlichen Kurhaus die „Geheimnisse der Atemtechnik“ gelüftet, verspricht sie. Neben der Körperarbeit werden Gesangsübungen und ein Stück erlernt, das in der Konzertpause im Festkonzert am Samstagabend, 13. September um 18 Uhr im Königlichen Kurhaus aufgeführt wird.

Pressevertreterin: Der Chorworkshop findet heuer zum dritten Mal statt. Worauf dürfen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Mal freuen? 

Ich freue mich sehr, dass dieses Projekt mit 50-70 Teilnehmerinnen jeglichen Alters und unterschiedlicher gesanglicher Möglichkeiten bislang so erfolgreich lief, dass es zum 3.Mal angeboten wird. Wir werden in relativ kurzer Zeit soviel wie möglich mitnehmen, was das eigene körperliche Bewusstsein von dem von mir kreierten Motto „Körper-Atem-Stimme“ innehat. Von der leisesten Atmung bis hin zum lautesten Ton, gesprochen und gesungen.

PV: Aus welchem Genre werden die Lieder sein?

Ich folge dem mehrfachen Wunsch von TeilnehmerInnen, dieses Jahr etwas aus der Opernwelt einzustudieren. Ein Meisterwerk der Chorliteratur der italienischen Oper, das aber auch auf Deutsch gesungen werden kann.

PV: Wie schaffen Sie es, aus dem intuitiven Singen im Alltag ein erfahrbares Körperbewusstsein mit bewusstem Einsatz der Stimme zu bilden?

Wie bei vielem, sollte man zuerst ins kleinste Detail gehen. Wenn man ein Loch im Fahrradschlauch hat, klebt man auch nicht einfach drüber, sondern schaut sich den Reifen erst einmal genauer an. So erkläre ich mit einfachen Übungen, wie die Tongebung in unserem Körper funktioniert, und wir bauen gemeinsam, vom kleinsten Teil bis zum Gesamtempfinden, die Stimmfunktionen zusammen.

PV: Quasi on top hat sich ja bisher immer eine Chorgemeinschaft mit daraus folgenden Freundschaften gebildet. Wie fördern Sie die menschliche Seite des Singens, damit dieser positive Effekt entsteht?

Gemeinsames Singen verbindet. Durch die Erfahrung, dass es ganz normal ist, Fragen über das noch zu Erreichende oder gerade Erlebte zu stellen, sitzen wir alle im selben Boot. Mich fasziniert, neben der Gesangstechnik, die menschliche Entwicklung, die in dieser relativ kurzen Zeit entsteht. Dazu kommt das Glücksempfinden, für sich selber etwas erreicht zu haben in einer Gemeinschaft, in der sich alle gegenseitig unterstützen. Ich sage gerne: „Alleine singen ist schön, gemeinsam zu singen ist noch schöner!“

Die Fragen stellte Brigitte Janoschka  /  Fotos: Brigitte Janoschka –   Viel Applaus gab es bei der Premiere des La Voce-Chorworkshops 2024 unter der Leitung von Daniella Rieger-Böhm.      

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II. Interview

La Voce – englischer Witz, amerikanische Nostalgie  – Zwei Welten beim Festkonzert im  Königlichen Kurhaus

Bad Reichenhall. Das Festkonzert des La Voce Gesangsfestivals findet am Samstag, den 12. September um 18 Uhr im Königlichen Kurhaus statt. Englischen Witz und amerikanische Nostalgie legen die Sopranistin Anne Elizabeth Sorbara und die Bad Reichenhaller Philharmoniker unter der Leitung von Daniel Spaw in ihr Programm, das die Kraft und Schönheit der menschlichen Stimme feiert. Im Gespräch mit der Heimatzeitung erzählt die lyrische Koloratursopranistin davon, was ein Fest der Stimme für sie bedeutet.

Pressevertreterin: Guten Tag, Frau Sorbara, was bedeutet ein Fest der Stimme für Sie?

Die menschliche Stimme ist kann so vieles ausdrücken – gerade auch Gefühle, die so unmittelbar sind, dass sie gesungen werden müssen. Uns sie ist zutiefst persönlich. Eine Sängerin trägt ihr Instrument immer bei sich. Es ist untrennbar mit der eigenen Lebenserfahrung verbunden. Für mich bedeutet ein Fest der Stimme deshalb, genau diese Verbindung von Technik und Menschlichkeit zu feiern.

PV: Sie arbeiten für dieses Konzert erneut mit dem Dirigenten Daniel Spaw und den Bad

Reichenhaller Philharmonikern zusammen. Wie hat sich Ihre gemeinsame musikalische Arbeit seit Ihrem ersten Auftritt entwickelt?

Ich freue mich wieder sehr auf Bad Reichenhall! Schon bei der ersten Begegnung mit Daniel Spaw und den Philharmonikern letztes Jahr mit Arien von Mozart und Haydn spürte ich, dass Daniel und das Orchester sehr offen dafür sind, gemeinsam etwas zu entwickeln. Seitdem haben Daniel und ich mit den Münchner Symphonikern und der Jenaer Philharmonie nochmal zusammengearbeitet. Dabei ist ein großes Maß an gegenseitigem Vertrauen entstanden, was für mich sehr wertvoll ist. Man muss nicht jedes Detail erklären, sondern kann gegenseitig auf musikalische Ideen reagieren. Mit Daniels besonderer Verbindung zu Barbers Knoxville freue ich mich umso mehr auf dieses gemeinsame Werk.

PV: hlt sich dieses rein britisch-amerikanische Programm für Sie wie ein musikalisches Heimspiel an?

Es ist für mich eine Freude, auf Englisch zu singen. Ich bin in Kanada mit englischsprachiger nordamerikanischer Kultur aufgewachsen und habe später in Großbritannien studiert. Dadurch habe ich zu beiden Seiten des Atlantiks eine persönliche Verbindung. Gleichzeitig sind die beiden Seiten des Programms sehr unterschiedlich, und genau dieser Kontrast ist für mich spannend. Für mich ist es daher weniger ein musikalisches Heimspiel als vielmehr eine Begegnung zweier Welten, in denen ich mich auf unterschiedliche Weise zu Hause fühle.

PV: Die erste Konzerthälfte ist geprägt von britischem Humor und Operetten-Leichtigkeit, während die zweite Hälfte tiefgründige amerikanische Nostalgie bereithält. Wie balancieren Sie diesen drastischen Stimmungswechsel stimmlich und darstellerisch?

Für mich liegt der Schlüssel darin, mich auf die emotionale Welt eines jeden Stückes einzulassen. Bei der Komik geht es viel um Timing und um Mut zum Absurden. Bei den emotionaleren Stücken helfen mir persönliche Erinnerungen. „Knoxville: Summer of 1915“ versetzte mich beim ersten Hören sofort in meine eigene Kindheit zurück – in dieses Gefühl von Geborgenheit und von langen Sommerabenden mit meinen Cousins. Bei „Tiny’s Song“ aus Brittens Paul Bunyan geht es um den Verlust ihrer Mutter. Da muss ich meine eigenen Emotionen ein wenig im Zaum halten – der schmerzliche Verlust meiner Großmutter ist mir bis heute präsent. Ich versuche dabei, mehr an die Liebe zu ihr zu denken als an den Verlust. Durch diese persönlichen Verbindungen kann ich innerhalb eines Abends ganz unterschiedliche Stimmungen durchleben.

PV: Mabel aus The Pirates of Penzance“ gilt als Paraderolle für Koloratursopranistinnen. Was ist die größte technische Herausforderung bei dieser rasanten Arie?

Diese Arie macht wirklich Spaß zu singen! Bei „Poor Wand’ring One“ geht es vor allem um Präzision, besonders bei den Staccati. Alles muss leicht klingen und zur pfiffigen Figur passen. Die größte technische Herausforderung des Abends wird für mich allerdings „Knoxville: Summer of 1915“ sein. Das Stück ist mit seinen ständig wechselnden Metren, dem chromatischen Mittelteil und den hohen Pianissimi musikalisch anspruchsvoll. Die traumartige, schwebende Atmosphäre zu bewahren und die Konzentration auf die Technik im Klang niemals hörbar werden zu lassen, das ist eine ganz andere Art von Herausforderung.

Bericht und Fragen: Brigitte Janoschka.

Fotos: Die lyrische Koloratursopranistin Anne Elizabeth Sorbara (rote Jacke: https://www.theatersommer-wismar.de/besetzung.html)   /   Die lyrische Koloratursopranistin Anne Elizabeth Sorbara (türkises Kleid, auf Hand liegend: Regina Behm)

 

 

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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