Kultur

Marie Antoinette“ im Schauspielhaus Salzburg

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Französische Revolution als tragikomisches Spiel   – Witzig aufbereitete Bühnenfassung von Stefan Zweigs „Marie Antoinette“ im Schauspielhaus  –  von Helmut Rieger

Seiner 1932 veröffentlichten Monumental-Biografie „Marie Antoinette“ gibt Stefan Zweig den Untertitel „Bildnis eines mittleren Charakters“. Genau damit steigt die Bühnenfassung am Schauspielhaus ein.

Ein Museumsaufseher liest in Zweigs Buch und fragt ins Publikum hinein, wer von den Anwesenden sich als „mittleren Charakter“ einschätze. Einige Ehrliche heben die Hand, etwas mehr melden sich bei der Frage, wer sich denn als „außergewöhnlich“ einstufe. Das Eis ist nach diesen ersten Sätzen gebrochen, die Zuschauer verfolgen aktiv das über drei Stunden dauernde „Musikalische Schauspiel“ von Nils Strunk, Lukas Schrenk und Klara Wördemann. Die witzig aufbereitete Bühnenfassung driftet nie ins Historiendrama ab, denn auf Schritt und Tritt werden die Dramaturgie-Mittel Illusionsbrechung und Verfremdungseffekt eingesetzt. Fünf von sechs Darstellern schlüpfen laufend in Dutzende von Figuren.

So ist der vielseitige Theo Helm nicht nur ein launig kommentierender Museumsdiener, sondern ein gewiefter Ludwig XV., ein intrigant-devoter Kardinal Rohan und – nicht zuletzt – ein revolutionärer Bänkelsänger, der sich selbst auf der Gitarre begleitet. Nicht minder wandelbar, mimt Elisabeth Nelhiebel sowohl die resolute Kaiserin Maria Theresia als auch die Gräfin de La Motte oder Madame de Lamballe. Die einflussreiche Maitresse Dubarry wird überzeugend von Christine Tzatzaraki dargestellt, die u.a. auch als Madame de Polignac und Museumsaufseherin auftritt. Alex Kapl verkörpert mit glaubhaftem Gestus einen weltfremden und stoisch seinem Ende entgegengehenden König Ludwig XVI. Blitzschnell schlüpft Kapl in weitere Rollen. Ebenso beweglich zeigt sich Fabian Cabak, dem man Marie Antoinettes Liebhaber, den Schweden Hans Axel von Fersen, genauso „abkauft“ wie den Habsburger Kaiser Franz Joseph II.

In dieser Rolle hat Cabak ein komödiantisches „Duett“ mit Kapl als Ludwig XVI., dem er in einer Suada voll Freud‘scher Versprecher eine Lösung für dessen sexuelles Problem suggeriert. „Ratschläge“ kommen auch von anderer Seite: Als Marie Antoinette und der künftige König im Ehebett nicht weiterwissen, tauchen plötzlich Louis‘ Großvater (Ludwig XV.) und Maria-Theresia auf, um dem Paar auf die Sprünge zu helfen. Immer wieder lockern Szenen voller Komik die Handlung auf, deren Hintergrund von tragischem Ernst ist.

Dieser zeigt sich vor allem am Werdegang der Titelfigur. Das facettenreiche, brillante Spiel von Elisabeth Kanettis macht die Entwicklung der Persönlichkeit Marie Antoinettes spürbar: Vom verspielten Teenager und einer verschwenderischen Jung-Monarchin mutiert sie – als Opfer der Revolution – zur reifen Frau, die sich noch in der finalen Erniedrigung ihre Würde bewahrt. Kanettis verkörpert glaubhaft und grandios die Tragik dieser Frauenfigur.

Das funktionale Bühnenbild von Max Lindner trägt zum Gelingen dieser Produktion ebenso bei, wie die aufs Wesentliche reduzierten Kostüme von Lara Regula und Anne Buffetrille. Die Musik von Nils Strunk – mal barock-klassisch, mal mit jazzigen Chansons, mal als Live-Begleitung (Klavier: Alex Kapl), mal mit Piano vom Band – verleiht dem Geschehen eine ironische Meta-Ebene. Insgesamt eine überaus empfehlenswerte Bühnenfassung, die noch bis 30. Juni läuft.

Infos: www.schauspielhaus-salzburg.at

Text: Helmut Rieger  /   Fotos: Daniella Rieger-Böhm (1), Erika Mayer, Schauspielhaus Salzburg (2-3)

  • Schluss-Applaus für ein wandelbares Ensemble (v.l.n.r.): Fabian Cabak (Axel von Fersen u.a.), Elisabeth Nelhiebel (Maria-Theresia u.a.), Alex Kapl (Louis XVI. u.a.), Elisabeth Kanettis (Marie Antoinette) und Theo Helm (Louis XV u.a.). Fehlt auf dem Foto: Christine Tzatzaraki (Dubarry u.a.).(Foto: Daniella Rieger-Böhm)
  • Elisabeth Kanettis als verschwenderische Jung-Monarchin Marie Antoinette, mit A. Kapl, Ch. Tzatzaraki, F. Cabak, Th. Helm (Foto: Erika Mayer)
  • Marie Antoinette (Elisabeth Kanettis) trifft Ludwig XVI. (Alex Kapl, 1.v.r.) und dessen Großvater, Ludwig XV. (Theo Helm, Mitte) (Foto: Erika Mayer)

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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