Kirche

Kardinal zur KI und Papst-Enzyklika

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Künstliche Intelligenz ist nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx „eine Wirklichkeit, in der wir leben und die nicht wieder weggeht“, in der zahlreiche Chancen liegen, die aber zugleich nach einem „Commons Sense, wie wir damit umgehen“, verlangt.

So könne KI das Leben zwar gesünder und sicherer machen, die Arbeitswelt erleichtern oder Bereiche wie die Pflege entlasten, am Ende stehe aber die Frage, wer darüber entscheide, wem diese Entwicklungen zugutekämen und wer davon profitiere, erklärte der Erzbischof von München und Freising am Montagabend, 6. Juli, in München in der Katholischen Akademie in Bayern bei einem Podiumsgespräch mit dem Titel „Leo XIV. und die KI-Enzyklika. Künstliche Intelligenz, ethische Leitlinie und Internationale Ordnung“. Bei der Veranstaltung diskutierte Marx über die Papst-Enzyklika „Magnifica Humanitas“ mit dem Informatiker und KI-Experten Björn Ommer und Jeanne Rubner, Vizepräsidentin Globale Kommunikation und Public Engagement der Technischen Universität München.

KI sei „eine Technologie wie keine zuvor“, so der Kardinal. Sie ermögliche viele Fortschritte und große Produktivitätszuwächse. Die Frage sei aber: „Wie wird der Produktivitätszuwachs durch die neue Technologie verteilt? Wir wird sichergestellt, dass nicht nur einige wenige profitieren?“ Für Marx braucht es eine „Gegenmacht“ zur wirtschaftlichen und politischen Machtkonzentration bei einigen wenigen Tech-Unternehmen und reichen Staaten sowie auf einem ungeregelten Markt, der allein keine Gerechtigkeit und Beteiligung aller gewährleiste. Kardinal Marx plädierte für eine Rückbesinnung auf eine multilaterale Ordnung und eine Welt, „wo man die Armen nicht einfach wegdrückt“ und der Globale Süden nicht in einer neuen Weise kolonialisiert werde, etwa bei der Ausbeutung Seltener Erden oder dem Outsourcing gering qualifizierter Tätigkeiten im Rahmen des KI-Trainings. „Wir brauchen Verlässlichkeit, Transparenz und klare Regeln auf globaler Ebene“, betonte Marx.

Der Kardinal verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Sehnsucht nach einer „weltweiten Bewegung – es gibt bei vielen Menschen den Wunsch nach einer Stimme, die für die Menschheit spricht jenseits wirtschaftlicher oder politischer Interessen“. Mit Verweis auf die große weltweite Resonanz der beiden Papst-Enzykliken „Laudato Si“ und „Magnifica Humanitas“ sieht der Erzbischof für die katholischen Kirche die Chance, Agens einer solchen Bewegung zu sein: „Der christliche Glaube bleibt eine große Ressource für einen gemeinsamen Wertehorizont.“

Zugleich forderte Marx, dass sich Gesellschaften vor allem im Bildungsbereich auf die Herausforderungen durch die neue Technologie einstellten: „Es ist überlebensnotwendig, dass wir in Bildung investieren. Ich bezweifle, dass unser Bildungssystem auf diese neue Wirklichkeit vorbereitet ist“. Es bestünde die Gefahr, dass Eliten, die über die finanziellen Mittel und die entsprechende Bildung verfügten, sich absonderten und ganze Gesellschaftsgruppen wiederum abgehängt werden würden. Entscheidend sei eine partizipative demokratische Gesellschaft, die die Einbeziehung aller garantiere und in der „die Kapitalverwertungsinteressen nicht der einzige bestimmende Aspekt sind“, unterstrich der Erzbischof.

Schließlich müsse „die KI so geregelt werden, dass sie den Menschen dient“, sagte Marx. Am Ende seien „Vertrauen, Wahrhaftigkeit und Authentizität“ entscheidend, denn der Mensch sei „kein Datensatz, der optimiert wird, bei dem der Aspekt der Krankheit, des Todes, der Zerbrechlichkeit, der Veränderung, des Wachsens ausgeblendet wird.“ (ck)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat – Archiv-Foto: Thomas Schwitteck (Altar in Neubeuern)


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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