Tourismus

Freyung: GewölbeHof bleibt lebendig

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Eiskeller-Ausstellung begeisterte – Gitarrenwerkstatt und Forest Café bleiben bis zum Ende der Bayerischen Landesausstellung

Freyung. Ein Schritt durch die Tür, den Gang entlang, ein paar schmale gewundene Stufen hinunter – und plötzlich ist man mitten in einer anderen Welt: 54 Meter lang, sieben Meter breit, dunkles Gewölbe, ungewöhnliche Klänge und überraschende Klangmaschinen. Der historische Eiskeller des ehemaligen Passauer Hofes hat sich in den vergangenen Monaten zu einem außergewöhnlichen Erlebnisraum verwandelt. Mit „Fake Noise“ haben Gerald „Greulix“ Schrank und Christian „Taison“ Heiß vom Künstlerduo „Portmanteau“ dem alten Gemäuer neues Leben eingehaucht. Am 18. September endet die Ausstellung. Doch der GewölbeHof bleibt bis zum Ende der Bayerischen Landesausstellung 2026 „Musik in Bayern“ ein lebendiger Treffpunkt: Das Forest Café und die Gitarrenwerkstatt von Libor Pražan haben bis 8. November geöffnet.

Ein alter Keller wird zum Erlebnisraum

Die Reaktionen auf „Fake Noise“ zeigen, wie sehr der ungewöhnliche Ort die Menschen erreicht hat.  Viele Besucherinnen und Besucher waren nicht nur davon fasziniert, was das Künstlerduo „Portmanteau” im Gewölbekeller geschaffen hat, sondern vor allem vom Eiskeller selbst. „Ich hätte nicht erwartet, dass dieser alte Keller so beeindruckend ist. Allein die Größe und die Atmosphäre sind etwas ganz Besonderes“, war eine häufige Reaktion. Andere schätzten besonders das Überraschungsmoment der Installation: „Man weiß gar nicht, was als Nächstes passiert. Das ist spannend für Kinder genauso wie für Erwachsene.“ Wundersame Klangmaschinen und Installationen machten aus dem historischen Lagerraum eine Erlebniswelt für Jung und Alt. Möglich wurde die Ausstellung „Fake Noise” durch das Engagement des Vereins „Heimat Freyung e.V.” und mit finanzieller Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung Niederbayern.

Kaffee, Kuchen und Gitarrenbau

Auch über den Eiskeller hinaus hat sich im GewölbeHof während der Landesausstellung neues Leben entwickelt. Im Erdgeschoss lädt das Forest Café von Sonja und Thomas Petermaier zum Verweilen ein. Hausgemachte Kuchen, Kaffee aus der eigenen Rösterei und ein Kinderbereich sorgen für eine entspannte Stimmung. An den Wänden hängen Bilder der Fotografen Christof Anolick, Erwin Deininger und Fritz Haselbeck, die Musik thematisieren. Ein Ort, an dem schon die Details zeigen: Hier ist nichts von der Stange – weder die Kaffeebohne noch die Atmosphäre.

Auf der anderen Seite des Hauses arbeitet Gitarrenbauer Libor Pražan. In seiner Werkstatt können Interessierte Einblicke in traditionelles Handwerk gewinnen und erleben, wie aus Holz, Saiten und viel handwerklichem Können ein Musikinstrument entsteht. Das Besondere: Während der Landesausstellung baut er zusammen mit Besucherinnen und Besuchern eine Gitarre. Nach dem Ende der Landesausstellung wird diese an die Volksmusikakademie in Bayern in Freyung übergeben – als Gebrauchsinstrument, Erinnerungsstück und Zeichen der Begegnung von Handwerk, Musik und Menschen.

 Der GewölbeHof – ein Ort der Begegnung

„Der Passauer Hof ist ein Stück Freyunger Geschichte. Wir wollen diesen besonderen Ort aber nicht nur bewahren, sondern mit neuem Leben füllen. Die Ausstellung im Eiskeller zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn historische Substanz, kreative Ideen und engagierte Menschen zusammenkommen. Das ist genau der Weg, den wir auch für die Zukunft des GewölbeHofs weiterverfolgen wollen“, betonen Freyungs Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich und Roland Pongratz, die als Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Heimat Freyung e.V.” die Revitalisierung des Hauses vorantreiben. Das Zusammenspiel von Café, Werkstatt und Ausstellung habe gezeigt, welche Möglichkeiten in dem historischen Gebäude stecken. „Das Forest Café, die Gitarrenwerkstatt, die Klanginstallationen im Eiskeller – all das macht erlebbar, wie viel Leben und Kreativität in diesem traditionsreichen Gebäude stecken. Der GewölbeHof ist ein Ort der Begegnung geworden. Das bestärkt uns darin, diesen Weg weiterzugehen.“

Geschichte bewahren – Zukunft gestalten

In den nächsten Jahren soll das historische Gebäude – einst die erste Kommunbrauerei der Stadt Freyung – behutsam saniert und einer dauerhaften besonderen Nutzung zugeführt werden. Die Vision: ein lebendiger Ort regionaler Spezialitäten, des Handwerks und der Produktion, des Entdeckens und der Begegnung. Kunsthandwerker, Lebensmittelproduzenten und Hersteller besonderer Produkte könnten hier arbeiten, ihre Erzeugnisse präsentieren und direkt anbieten. Eine besondere Rolle soll auch künftig der historische Eiskeller spielen. Seine außergewöhnliche Größe und Atmosphäre bieten ideale Voraussetzungen für Veranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen und besondere Formate. Aus dem früheren Lagerraum der Kommunbrauerei könnte so eine ungewöhnliche Veranstaltungsstätte werden, die Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet.

Vom Kommunbrauhaus zum GewölbeHof

Die Geschichte des Gebäudes reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Als das Bier den Wein als Volksgetränk ablöste, beantragten die Freyunger beim Passauer Fürstbischof die Genehmigung für ein Kommunbrauhaus. 1578 erhielten sie die Erlaubnis, ein „gemain Preyhaus” zu betreiben. Mehr als 300 Jahre lang wurde gemeinschaftlich gebraut. 1918 übernahm die Passauer Löwenbrauerei das Anwesen. Bis 2021 war der „Passauer Hof” Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Freyung – für Vereinsfeste, Hochzeiten, Taufen, Tagungen und zahllosen geselligen Zusammenkünften. Seit 2022 ist die Stadt Freyung Eigentümerin des Gebäudes. Der gemeinnützige Verein „Heimat Freyung e.V.” mit Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich als 1. Vorsitzenden und Roland Pongratz als 2. Vorsitzenden hat ein klares Ziel: denkmalgeschützte, ortsbildprägende Gebäude im Stadtgebiet langfristig zu erhalten und sinnvoll mit neuem Leben zu füllen. Die Nutzung des GewölbeHofs in den letzten Monaten zeigt eindrucksvoll, wie das aussehen kann.

Noch bis 8. November: Forest Café und Gitarrenwerkstatt

„Fake Noise“ ist noch bis 18. September im historischen Eiskeller zu erleben. Doch der GewölbeHof bleibt auch danach geöffnet. Das Forest Café und die Gitarrenwerkstatt von Libor Pražan laden noch bis zum 8. November 2026, dem Ende der Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern“, zum Besuch ein. Damit endet im September zwar ein ungewöhnliches Kunstprojekt im Eiskeller – die Geschichte des wiedererwachten GewölbeHofs geht jedoch weiter.

Bericht und Bilder: ©Stadt Freyung Veranstaltungs gGmbH_Dietmar Manzenberger

-Die besondere Atmosphäre des Eiskellers im GewölbeHof begeistert viele Besucherinnen und Besucher.

-Das Künstlerduo Portmanteau mit Gerald „Greulix“ Schrank und Christian „Taison“ Heiß (v.li.) haben im Eiskeller des GewölbeHofs außergewöhnliche Klanginstallationen ausgestellt.


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!