Gute Nachrichten für Bayerns Rotwild: Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung bestätig den guten genetischen Zustand der meisten bayerischen Rotwildgebiete. Staatsministerin Michaela Kaniber hat am 9. Juni den Abschlussbericht zur „Erhebung der genetischen Populationsstruktur und des Zustandes der bayerischen Rotwildvorkommen“ entgegengenommen.
Überreicht wurde das Ergebnis der mehrjährigen Forschungsarbeit von Professor Andreas König von der Technischen Universität München und dem Präsidenten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Dr. Peter Pröbstle. „Die Sorge der Jägerschaft, dass die bestehenden Rotwildgebiete die genetische Vielfalt und damit die körperliche Fitness unserer Rotwildbestände beeinträchtigen könnten, habe ich sehr ernst genommen. Deshalb haben wir diese Frage mit modernsten wissenschaftlich Methoden untersuchen lassen“, sagte Staatsministerin Kaniber. Die Ergebnisse seien nun eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Rotwildmanagements in Bayern.
Die Untersuchung analysierte die Populationsstruktur, den genetischen Zustand und die Vernetzung zwischen den zehn bayerischen Rotwildgebieten. Das Ergebnis fällt überwiegend positiv aus: Sieben der zehn untersuchten Rotwildgebiete weisen einen guten bis sehr guten genetischen Zustand auf. Dazu zählen die Rotwildgebiete Oberbayern/Hochgebirge, Schwaben, Bayerischer Wald, Oberpfalz Süd, Oberpfalz Nord/Veldensteiner Forst, Fichtelgebirge sowie Spessart/Rhön.
„Die Forschung bescheinigt dem Großteil unserer Rotwildvorkommen eine hohe genetische Vielfalt. Das zeigt: unsere Rotwildpopulationen sind überwiegend genetisch gut aufgestellt und ausreichend vernetzt. Für diese Gebiete besteht derzeit kein Handlungsbedarf“, betonte die Ministerin. Besonders bedeutsam sei dabei, dass die positiv bewerteten Gebiete den überwiegenden Teil der bayerischen Rotwildvorkommen sowohl hinsichtlich ihrer Fläche als auch der Anzahl der Tiere umfassen.
Bei drei sehr kleinen Rotwildgebieten sehen die Wissenschaftler dagegen weiteren Hinweise auf Untersuchungs- und Handlungsbedarf. Für die Haßberge und den Odenwald empfiehlt die TUM zusätzliche Analysen zur Vernetzung der Landschaft und zu Möglichkeiten, den genetischen Austausch weiter zu fördern. Für die Isarauen identifizierten die Wissenschaftler aufgrund der starken räumlichen Isolation eine besondere Situation. Hier hat die TUM die Option genannt, geeignete Individuen aus anderen Gebieten unter wissenschaftlicher Begleitung einzubringen, um die genetische Vielfalt zu stärken.
Auch beim körperlichen Zustand der Tiere liefert die Studie eine wichtige Entwarnung: Hinweise auf Inzuchtprobleme konnten bei den untersuchten Rotwildbeständen in Bayern nicht festgestellt werden. „Mit diesem Abschlussbericht liefern wir nun die fundierte Grundlage für eine wissensbasierte Diskussion zwischen den zuständigen Ministerien und den betroffenen Verbänden. Neben den Bedürfnissen des Rotwilds sind dabei auch die berechtigten Belange der Land- und Forstwirtschaft sowie des Waldumbaus zu berücksichtigen“, sagte Kaniber abschließend.
Der Abschussbericht ist auf der Internetseite der Technischen Universität München veröffentlicht: https://www.mls.ls.tum.de/anm/arbeitsgruppe-wildbiologie-und-wildtiermanagement/forschung/rotwildgenetik-in-bayern/
Bericht und Foto: Bayerisches Landwirtschaftsministerium / Pia Regnet – Bild zeigt Staatsministerin Michaela Kaniber bei der Übergabe des Abschlussberichts im Bayerischen Landtag zusammen mit (v.l.n.r.) Dr. Peter Pröbstle, Präsident der LWF, Prof. Dr. habil. Dr. Andreas König, Projektleiter und Dr. Susanne Jacobs, Projektmitarbeiterin.



