Trockenheit wird zur Daueraufgabe – Bayern forscht längst an den Lösungen – Ministerin Kaniber: „Wir bringen Forschung vom Versuchsfeld direkt auf die Höfe, in die Weinberge und in die Wälder“
Weniger Niederschlag, längere Hitzeperioden und immer häufigere Wetterextreme verändern die Land- und Forstwirtschaft in Bayern nachhaltig. Während Trockenheit vielerorts bereits zur Daueraufgabe geworden ist, arbeitet der Freistaat längst an den Lösungen. Im Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus entwickeln die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, das Amt für Waldgenetik sowie die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau gemeinsam mit Betrieben aus der Praxis neue Wege für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser und die Anpassung an den Klimawandel.
„Wir können es nicht regnen lassen. Aber wir können dafür sorgen, dass unsere Landwirtschaft, unsere Wälder und unsere Kulturlandschaft mit Trockenheit besser zurechtkommen. Genau deshalb forschen wir in Bayern nicht erst seit diesem Sommer: an Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen, an Böden, die Wasser länger halten, an einer klugen Bewässerung und an Wäldern, die Hitze und Dürre besser verkraften. Unser Anspruch ist klar: Was unsere Forscher entwickeln, muss draußen auf dem Acker, im Weinberg und im Wald helfen“, sagte Bayerns Landwirtschafts- und Forstministerin Michaela Kaniber.
Forschung dort, wo Trockenheit besonders spürbar ist
Wie diese Forschung aussieht, zeigt beispielhaft das Forschungszentrum für Landwirtschaft in Trockenlagen in Schwarzenau im Landkreis Kitzingen. An einem der trockensten und wärmsten Standorte Bayerns untersucht die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, wie sich Erträge trotz knapper werdender Wasserressourcen sichern lassen. Im Mittelpunkt stehen neue Kulturarten und Sorten, wassersparende Anbauverfahren, angepasste Fruchtfolgen sowie moderne digitale Technologien. Drohnen, Satellitendaten und Sensortechnik liefern dabei wertvolle Erkenntnisse für eine präzisere Bewirtschaftung.
So erprobt die Landesanstalt neue Kulturen wie Erdnuss, Augenbohne, Kichererbse oder Schwarzkümmel. Zudem werden Agroforstsysteme getestet, die Wasser länger in der Landschaft halten, den Boden schützen und die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Flächen erhöhen. Gemeinsam mit Praxisbetrieben werden die Verfahren unter realen Bedingungen getestet und anschließend in die Beratung übernommen. Schwarzenau steht dabei beispielhaft für den bayerischen Weg. Hier werden keine Lösungen am Reißbrett entwickelt, sondern gemeinsam mit den Betrieben. Was sich in der Praxis bewährt, soll dann den Landwirtinnen und Landwirten möglichst schnell zugutekommen.
Jeder Tropfen Wasser soll optimal genutzt werden
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), im Hitze- und Trockenheitshotspot Unterfranken angesiedelt, arbeitet seit vielen Jahren an innovativen Lösungen für zunehmend trockene und heiße Vegetationsperioden. So werden Kulturpflanzen wie zum Beispiel neue Silvanerklone mit hoher Wassernutzungseffizienz in fränkischen Weinbergen geprüft. Leistungsfähige Wurzelsysteme, welche die geringen Wasservorräte im Boden erschließen sowie Anbauverfahren, die wenig Wasser verbrauchen, stehen im Mittelpunkt.
Ergänzt werden die Entwicklungen durch moderne digitale Mess-, Steuerungs- und Prognosesysteme, um Wassergaben gezielt und sparsam am tatsächlichen Wasserbedarf der Kulturpflanzen im Obst- und Weinbau auszurichten. Jeder Aspekt des Themas Wasser gilt es zu bearbeiten. So werden Alternative Wasserquellen wie kommunales Grauwasser für die Bewässerung von urbanen Grünanlagen geprüft. Ebenso kommen Agri-Photovoltaik-Systemen zum Einsatz, die eine kombinierte Erzeugung erneuerbarer Energie und die Beschattung hitzeexponierter Kulturpflanzen ermöglichen.
Den Wald der Zukunft heute entwickeln
Auch Bayerns Wälder müssen sich an veränderte Klimabedingungen anpassen. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und das Amt für Waldgenetik untersuchen daher, welche Baumarten künftig besonders geeignet sind. Sie liefern wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse zum Anbau neuer Baumarten, wie z. B. Baumhasel oder Atlaszeder. Zusätzlich können Waldbesitzer neue Baumarten über Praxisanbauversuche testen, hierfür erhalten sie neun Euro pro Pflanze und die Aussicht auf einen neuen, klimastabilen Wald. Die Anbauversuche werden wissenschaftlich begleitet und die Forschungsergebnisse fließen unmittelbar in den klimaangepassten Waldumbau ein. Digitale Werkzeuge wie der WaldDürreMonitor Bayern unterstützen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer dabei, die Wasserversorgung ihrer Wälder besser einzuschätzen und Maßnahmen wie die Bewässerung von Forstkulturen oder den Einsatz von Forstmaschinen gezielt zu planen.
Der Freistaat Bayern richtet seine Ressortforschung konsequent auf die Herausforderungen des Klimawandels aus. Der aktuelle Ressortforschungsrahmen setzt Schwerpunkte bei Klimaanpassung, Ressourceneffizienz, Biodiversität und Wettbewerbsfähigkeit. Neue Forschungsvorhaben werden gezielt gefördert und eng mit Beratung und Bildung verzahnt. So gelangen neue Erkenntnisse schneller in die land- und forstwirtschaftliche Praxis.
Bericht und Fotos: Bayerisches Landwirtschaftsministerium / Johannes Beyer/LfL / Daniel Heßdörfer/LWG – 1. Foto zeigt Versuchsflächen am Forschungszentrum für Landwirtschaft in Trockenlagen in Schwarzenau. Dort testet die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft gemeinsam mit Praxisbetrieben neue Kulturarten und angepasste Anbauverfahren. 2. Foto zeigt Trockenstress im fränkischen Weinbau.



