Natur & Umwelt

Am Hans-Eisenmann-Haus entsteht ein Moorbeet

Veröffentlicht von Günther Freund

Baumaßnahmen für neue Erlebnis- und Lernstation dauern acht Wochen

Das Pflanzen-Freigelände am Nationalparkzentrum Lusen wird um eine Erlebnis- und Lernstation reicher. In dieser Woche haben neben dem Hans-Eisenmann-Haus die Bauarbeiten für die Errichtung einer Mooranlage begonnen. Dort können Besucher dann typische Pflanzen-, Pilz- und Tierarten eines Moores, wie Sonnentau, Torfmoose, Sumpfhäublinge oder Libellen, aus nächster Nähe betrachten und beobachten.

„Diese neue Einrichtung soll nicht nur ein weiteres Informationsangebot für unsere Tagesbesucher sein, sondern auch im Rahmen der Umweltbildung genutzt werden“, erklärt Nationalparkleiterin Ursula Schuster. „Bei unseren Kindergarten- und Schulklassenprogrammen legen wir großen Wert darauf, dass alle Lebensräume unseres Schutzgebietes entdeckt und erkundet werden können – und dazu gehören auch die Moore.“

In dem Bereich nördlich vom Hans-Eisenmann-Haus gab es bereits vor Jahrzehnten ein künstlich angelegtes Moor. „Leider haben die trockenen und heißen Sommer der vergangenen Jahre dazu geführt, dass der Moorkörper zu häufig ausgetrocknet ist“, berichtet Schuster. Nachdem Moore aber wichtige Lebensräume im Schutzgebiet sind und ihnen eine große Bedeutung im Ökosystem zukommt, hat sich die Nationalparkverwaltung dazu entschieden, ein neues kleines Hochmoor zu gestalten.

Und dieses Mal ist die Technik ausgefeilt. Auf einer Fläche von knapp 150 Quadratmetern wird zunächst eine zirka ein Meter tiefe Wanne ausgehoben. „Diese wird anschließend mit einer Folie abgedichtet, wie bei einem Teich“, erklärt Nationalpark-Mitarbeiter Peter Karasch, der die Maßnahme koordiniert. Nur so ist sichergestellt, dass der Moorkörper ständig nassgehalten werden kann. Die Bewässerung erfolgt über eine unterirdisch eingebaute Zisterne, die 18 000 Liter Regenwasser, das vom Dach des Hans-Eisenmann-Hauses kommt, speichern kann. „In der Mitte des Beetes ist ein Moorauge, also eine Art kleiner Teich, geplant.“ Sensoren geben ein Signal, sobald sich der Wasserstand absenkt – „und dann wird mit einer Pumpe automatisch Regenwasser aus der Zisterne eingespeist“. Befüllt wird das Beet 30 Zentimeter hoch mit echtem, zertifiziertem Moorsubstrat, zum Abschluss werden typische Moorpflanzen gesetzt. Damit das neue Moor für Besucher auch erlebbar wird, ist ein barrierearmer Bohlensteg samt zwölf Quadratmeter großer Plattform geplant.

Und natürlich wird es auch Informationen rund um Moore geben. Diese spielen im Ökosystem eine wichtige Rolle, speichern Kohlenstoff und regulieren den Wasserhaushalt. „Darüber hinaus sind sie Hotspots der Biodiversität und bieten einzigartige Lebensräume für viele spezialisierte Pflanzen-, Pilz- und Tierarten, die an die nassen, nährstoffarmen Bedingungen angepasst sind“, so die Nationalparkleiterin. Seit den 1980er Jahren hat der Nationalpark schon mehr als 75 Hektar Moor- und 125 Hektar Moorwaldfläche ökologisch aufgewertet und damit auch vielen einst zurückgedrängten Arten wieder eine neue Heimat gegeben. „Dieses Wissen können wir Kindern und Jugendlichen nun bald auch bei einem Besuch im Nationalparkzentrum Lusen anschaulich vermitteln“, freut sich Ursula Schuster über den neuen Lernort.

Während der zirka acht Wochen dauernden Baumaßnahme ist der Bereich entlang der Nordwestseite vom Hans-Eisenmann-Haus inklusive Zugang zur Café-Terrasse und zum Bergsee abgesperrt. Die Terrasse ist für Besucher während der Baumaßnahme nur vom Café aus erreichbar. Mit Lärmbelästigungen durch Maschineneinsatz ist ebenfalls zu rechnen.


Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!