Wirtschaft

LKZ zum Kombinierten Verkehr

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Die Projektpartner Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien (LKZ) und CONROO haben gemeinsam mit dem Terminalbetreiber Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene – Straße (DUSS) mbH und der Kombiverkehr KG eine Lösung entwickelt, mit der ein großer Teil der Gefahrgutsendungen bereits heute digital und teilautomatisiert in einem Terminal des Kombinierten Verkehrs (KV) abgewickelt werden kann. Im Rahmen des Projekts wurden insbesondere die digitale Fahrerkontrolle, die Übermittlung und Verarbeitung von Gefahrgutdaten sowie die kamerabasierte Erkennung von Fahrzeugen, Ladeeinheiten und Gefahrgut­kennzeichnungen untersucht und im Demonstrator erprobt. Gefördert wurde das 18-monatige Projekt durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen des Bundesprogramms Zukunft Schienengüterverkehr (Z-SGV).

Gefahrguttransporte stellen aufgrund der erhöhten Sicherheitsanforderungen besondere Anforderungen an Dokumentation, Kontrolle und Nachverfolgbarkeit. Gerade im Kombinierten Verkehr sind dabei zahlreiche Beteiligte und unterschiedliche Systeme miteinander zu verbinden. Ziel des Projekts war es, die bisher größtenteils manuell durchgeführten Prozesse im Rahmen der Kontrollen von Fahrern und Ladeeinheiten bei der straßenseitigen Anlieferung und Abholung von Gefahrgut zu digitalisieren und unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften schneller, effizienter und ohne Schalterabfertigung zu gestalten.

Für die Digitalisierung und Automatisierung des Prozesses im KV-Terminal galt es, folgende Leitfragen zu beantworten:

  • Welche Aufgaben der Fahrzeug- und Ladeeinheitskontrolle können durch kamerabasierte Systeme übernommen werden und welche Informationsgrundlagen sind hierfür erforderlich?
  • Unter welchen Voraussetzungen kann die Fahrerkontrolle bereits im Rahmen der digitalen Voranmeldung erfolgen?
  • Inwieweit lassen sich Begleitdokumente und deren Inhalte standardisiert digital übertragen?
  • Welche Prozessschritte erfordern aus rechtlichen oder sicherheitsrelevanten Gründen weiterhin die Aufsicht durch Mitarbeitende?

Die Projektergebnisse zeigen: Die technischen Voraussetzungen für eine weitgehend digitale Gefahrgutabwicklung sind vorhanden. Insbesondere die Fahrerkontrolle kann nun bereits im Rahmen der digitalen Voranmeldung automatisiert erfolgen. Der Fahrer meldet sich digital an, seine Identität sowie Führerschein und ADR-Schein werden geprüft. Die im ADR-Schein hinterlegten Gefahrgutklassen können mit den Daten der Ladeeinheit abgeglichen werden. Die Prüfung kann sowohl bei der Buchung als auch bei der Ankunft im Terminal erfolgen.

Kamerabasierte Systeme können die Terminalprozesse unterstützen. KFZ-Kennzeichen, Ladeeinheiten und Gefahrgutkennzeichnungen lassen sich automatisch erkennen und mit den vorab übermittelten Transportdaten abgleichen. Voraussetzung hierfür ist ein aktueller und vollständiger Datensatz, der Kennzeichen, Ladeeinheit, UN-Nummer und erforderliche Gefahrgutkennzeichnungen enthält. Im Projekt wurde gleichzeitig deutlich, wo die Automatisierung an ihre Grenzen stößt. Physische Schäden an Ladeeinheiten, verschmutzte Prüfplaketten, sich lösende Gefahrgutkennzeichnungen oder mögliche Austritte von Gefahrgut können durch Kameras nicht zuverlässig erfasst werden. Die manuelle Kontrolle durch geschulte Terminalmitarbeiter bleibt deshalb bei sicherheitsrelevanten Prüfungen unverzichtbar. Die Digitalisierung ermöglicht jedoch, diese Kontrollen gezielter einzusetzen und die Mitarbeitenden bei standardisierbaren Prüfungen zu entlasten.

„Das Projekt hat gezeigt, dass heute bereits ein großer Teil der Gefahrgutabwicklung digital unterstützt und automatisiert werden kann. Entscheidend ist dabei die richtige Kombination aus digitaler Prüfung, automatisierter Datenerfassung und menschlicher Kontrolle dort, wo sie aus Sicherheitsgründen erforderlich bleibt“, erklärt Dr. Petra Seebauer, Geschäftsführerin des Logistik-Kompetenz-Zentrums Prien. „Genauso wichtig wie die technische Lösung ist ein gemeinsames Verständnis aller Beteiligten für die Qualität und Aktualität der Daten.“ „Das Smartphone des Fahrers wird zum digitalen Terminalausweis. Identität, ADR-Berechtigung und relevante Transportdaten sind bereits vor der Ankunft geprüft und mit den Terminaldaten abgeglichen. So läuft der Fahrerprozess sicher und effizient – ganz ohne zusätzliche Hardware im Terminal. Das ist die Grundlage für eine skalierbare Lösung, die sich nahtlos in bestehende Terminalprozesse integriert“, sagt Felix Paul Czerny, Co-Founder und CEO der CONROO GmbH.

Auch für den Terminalbetrieb ergeben sich Vorteile. „Entscheidend ist, dass die Digitalisierung nicht nur einzelne Prozesse verbessert, sondern der gesamte Terminaldurchlauf effizienter wird. Die schalterlose Gefahrgutabwicklung ist dabei ein weiterer wichtiger Baustein einer durchgängig digitalen und kontaktlosen Lkw-Abfertigung“, betont Andreas Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene – Straße (DUSS) mbH. Eine zentrale Herausforderung bleibt die unternehmensübergreifende Standardisierung der Daten. Die Projektarbeiten haben gezeigt, dass Gefahrgut- und Transport­informationen grundsätzlich bereits heute digital zwischen den Beteiligten übertragen werden können. Für eine durchgängige automatisierte Verarbeitung müssen jedoch Dateninhalte, Datenqualität und Verantwortlichkeiten bei Änderungen eindeutig definiert sein.

„Die technische Übertragung der Daten ist heute nicht mehr das größte Hindernis. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten mit einheitlichen Datenstrukturen arbeiten und Informationen zuverlässig aktuell halten. Bestehende B2B-Schnittstellen und Plattformlösungen wie KV4.0 können dabei eine wichtige Rolle spielen, um die Daten entlang der Transportkette effizient verfügbar zu machen“, erklärt Heiko Krebs, Geschäftsführer der Kombiverkehr GmbH & Co. KG. Die Projektpartner sehen deshalb gute Voraussetzungen für eine schrittweise Überführung der entwickelten Lösung in die Praxis. Speditions- und Industrieunternehmen können zunächst gezielt für den digitalen Prozess freigeschaltet und die Systemintegration kontrolliert getestet werden. Voraussetzung für eine breitere Anwendung sind weitere Fortschritte bei der Digitalisierung der beteiligten Unternehmen sowie bei der Standardisierung und Qualität der auszutauschenden Daten. DUSS wird ab 2027 an allen Standorten die digitale Abfertigung von Gefahrgut ermöglichen, so dass Kunden, die die Voraussetzungen erfüllen, deutschlandweit die Vorteile nutzen können.

Mit dem Projekt ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer durchgängig digitalen Gefahrgutabwicklung im Kombinierten Verkehr gelungen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich digitale Fahrerkontrolle, automatisierte Datenerfassung und bestehende Terminalsysteme bereits heute so miteinander verbinden lassen, dass Sicherheit und Effizienz gleichermaßen verbessert werden. Möglich wurde diese praxisnahe Lösung durch die Förderung im Rahmen des Bundesprogramms Zukunft Schienengüterverkehr (Z-SGV) und die enge Zusammenarbeit von LKZ Prien, CONROO, DUSS und Kombiverkehr. Sie schafft damit eine wichtige Grundlage, um Gefahrguttransporte an der Schnittstelle zwischen Straße und Schiene künftig schneller, transparenter und effizienter abzuwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs zu stärken.

Bericht: LKZ Prien GmbH

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