Wirtschaft

Gebäudetyp E: Info im B&O Forschungsquartier

Über 50 Teilnehmer aus Salzburg und Bayern vor den Forschungshäusern im B&O Forschungsquartier.
Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Infoveranstaltung „Einfach bauen – Gebäudetyp E“ im B&O Forschungsquartier

Der Holzbau hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt und zählt dank des nachwachsenden Rohstoffs zu den klimaschonenden Bauweisen. Mit dem Gebäudetyp E können Bauprojekte noch einfacher umgesetzt werden. So veranstaltete der Verein „Wir bauen auf heimisches Holz e.V.“ einen Infotag für die Branche im B&O Gelände nahe Bad Aibling. Die Besichtigung der Objekte, Fachvorträge und ein Workshop transportierten Wissen und führten zu regem Austausch.

Ein Forschungshaus neben dem anderen: so präsentiert sich das B&O Bau Forschungsquartier in Mietraching bei Bad Aibling. Die ehemalige US‑Kaserne wurde in den letzten 20 Jahren zu einem Gelände umgebaut, in dem Prototypen im Holz- und Holzhybridbau umgesetzt werden. Dipl.-Ing. (FH) Thorsten Kopp (B&O Bau GmbH) erläuterte in seinem Einstiegsvortrag, wie einer der Gründungsgesellschafter, Dr. Böhm, verschiedenste Holzbau-Konstruktionen auf dem Gelände ausprobiert, um sie später zu realisieren. So findet sich das damals höchste Holzhaus an der Hochhausgrenze „Holz 8“ vor Ort, ebenso der Prototyp für Parkplatzüberbauungen in München und ein Parkhaus aus Holz.

Über 50 Architekten, Planer, Holzbauer, Kommunenvertreter, Angehörige von Bildungseinrichtungen und Studierende erhielten an dem Tag Informationen. Die Veranstaltung wurde vom Verein „Wir bauen auf heimisches Holz e.V.“ initiiert, der zusammen mit dem Rosenheim Kreis, proHolz Bayern, proHolz Salzburg und der Initiative Architektur ein grenzüberschreitendes Interreg-Projekt durchführte. Dank des durch die EU unterstützten People2People‑Projekts mit der Euregio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein konnten Interessenten von Salzburg bis München teilnehmen. „Wir investieren in unsere Region, um das Holz, das hier wächst, in der Region zu halten, die heimischen Betriebe zu stärken und die Verantwortlichen über das Netzwerk zu verknüpfen und mit neuestem Wissen zu versorgen,“ betont Jorun Klinger-Illner, 1. Vorsitzende des Vereins „Wir bauen auf heimisches Holz e.V.“.

Bei einer Führung durch das Gelände wurden den Teilnehmern verschiedene Konstruktionsdetails, vorvergraute, geflämmt oder geschindelte Fassaden sowie die Philosophie der „City of Wood“ nähergebracht. Ein Highlight sind die Forschungshäuser, die von Prof. Florian Nagler (TU München) initiiert und evaluiert wurden. Hier zeigt sich, was unter „Einfach Bauen“ verstanden werden kann: die sägeraue Fassade, wiederverwendete Ziegel in den Innenwänden, echte Holzdielen direkt auf der Bodenplatte verlegt und Fenster, die von innen an die Wandausschnitte angeschraubt sind und nicht in die Laibungen eingebracht werden. Keine Unterkellerung und physikalisch optimierte Raumhöhen tragen zur Kosteneinsparung bei.

Verschiedene Holzgebäude mit den Namen, passend zur Anzahl der Stockwerke – Holz 4, Holz 8, Holz 3 sowie Holz 5 bis zu Holz 7, dem aktuell in Bau befindlichen Projekt zum Thema „Einfach Bauen“ – zeigen unterschiedliche Umsetzungsmöglichkeiten des Holzbaus. Für die Teilnehmer war auch der Mittagsimbiss im 300 Jahre alten translozierten Holzbau „Peissnhof“ ein Highlight, denn hier beantwortet sich die Frage, wie lange ein Holzhaus Bestand haben kann.

Der Nachmittag war geprägt vom Wissenstransfer durch hochkarätige Referenten. Architektin Prof. Elisabeth Endres, Professorin für Gebäudetechnologie an der TU Braunschweig, war zugeschaltet und berichtete über Forschungsvorhaben zum Thema „Einfach Bauen“. Besonders interessant sind die 19 Modellprojekte zum Gebäudetyp E, die in der Praxis zeigen sollen, wie durch Weglassen das Bauen vereinfacht werden kann. Eines dieser Projekte ist das besichtigte Holz 7 im B&O Forschungsquartier. Anschließend zeigte Architekt David Wolfertstetter aus Dorfen, dass die Umsetzung des Gebäudetyps E auch im Einfamilienhaus Kosten und Probleme ersparen kann. Mit mehr Fokus auf das Wesentliche lassen sich Gebäude in Holz und Holzhybridweise optimal planen und kostengünstiger umsetzen.

Abschließend wurden in einem Workshop die Eindrücke des Tages in Gruppen ausgearbeitet und dieses Expertenwissen für weitere Projekte gesammelt. Niklas Koch und Alessa Heeß (Chiemgau GmbH) moderierten den Workshop und bündelten so das erworbene Wissen der Teilnehmer, die voller neuer Ideen in ihre Büros zurückkehrten. Für die Organisatoren war dieser Knowhow‑Transfer‑Tag ein voller Erfolg, da sich zeigt, wie weit die Region in Sachen „Gebäudetyp E“ ist und wie kompetent aufgestellt die Verantwortlichen sind.

Text und Bildmaterial: Wir bauen auf heimisches Holz e.V.


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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