Kultur

Musiksommer-Freuden in Ruhpolding

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Ruhpolding. Die feinen Klangfarben schienen sich im Kirchenraum zu lösen und ließen die Musik geradezu schweben. Ein Klang wie aus einem Guss erfüllte die Pfarrkirche St. Georg: transparent und kammermusikalisch fein, immer wieder von geradezu gesanglicher Leichtigkeit und zugleich von orchestraler Fülle. Beim letzten Konzert der Kulturinitiative Ruhpolding im Rahmen des Musiksommers trafen mit dem Ensemble „Péridot“ unter der Leitung von Peter Peinstingl nicht nur Musik und Kirchenraum in einer herrlichen Landschaft aufeinander. Das Programm „Alte Formen, neue Klänge“ machte hörbar, wie unterschiedlich Komponisten mit überlieferten musikalischen Formen umgingen und sie mit ihrer eigenen Klangsprache füllten.

In seiner Begrüßung erläuterte Simon Nagl von der Kulturinitiative das Programm des Abends. Hinter den Formen der Werke verbargen sich zugleich ihre Botschaft und ihre Geschichten: musikalische Entwicklungen wurden ebenso hörbar wie die unterschiedlichen Epochen und stilistischen Vorstellungen ihrer Schöpfer. Auch der Name des Ensembles „Péridot“ trägt eine kleine Geschichte in sich. Péridot bezeichnet einen hellgrünen Edelstein, dem in der Edelsteintherapie eine lebensbejahende Wirkung zugeschrieben wird. Eine positive Wirkung auf die Stimmung dürfte die Musik an diesem Abend tatsächlich entfaltet haben.

Den Auftakt bildete Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquartett KV 160. „Péridot“ spielte das Werk mit chorisch besetzten Streichern und Kontrabass – fast wie ein intimes Quartett, aber auch im Stil eines Divertimentos. Unter den eleganten, klaren Bewegungen Peinstingls entstand eine bemerkenswerte kammermusikalische Transparenz. Eine ungewöhnliche Besetzung bot Michael Haydns Konzert in C-Dur für Viola, Orgel und Orchester. Simon Nagl verwies darauf, dass eine solche Kombination von Soloinstrumenten in der Musikliteratur kaum ihresgleichen findet. Bratschist Manuel Friedrich Dörsch, Mitglied des Mozarteumorchesters Salzburg, und Organist Michael Greifeneder, österreichischer Bundessieger bei „Prima la Musica“ und derzeit am Mozarteum Salzburg Student des Konzertfachs Orgel, begegneten sich in den ausgedehnten Solopassagen der Ecksätze „Allegro moderato“ und „Prestissimo“ mit großer Virtuosität.

Dabei entstand ein reizvoller Gegensatz: Die beiden Solisten ließen gemeinsam mit den Streichern orchestralen Glanz entstehen, während ihre musikalischen Dialoge zugleich etwas ausgesprochen Intimes behielten. Gerade in diesen Wechselwirkungen zeigte sich die besondere Klangidee des Abends. Auch Giacomo Puccinis „Crisantemi“ geht auf ein Streichquartett zurück. In der Interpretation von „Péridot“ blieb der kammermusikalische Charakter des Originals trotz der größeren Besetzung erstaunlich unmittelbar erhalten. Besonders die chromatische Aufwärtsbewegung zu Beginn ließ an das langsame Aufblühen einer Chrysantheme denken. Die Musik schien dabei zwischen Trauer und Verklärung zu schweben, ganz wie in Puccinis Oper „Manon Lescaut“, in deren viertem Akt dieses Andante die Sterbeszene der Titelheldin begleitet.

Mit Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“ rückte schließlich der historische Formgedanke selbst ins Zentrum. Prélude, Sarabande, Gavotte, Air und Rigaudon greifen barocke Satz- und Tanzformen auf, sprechen jedoch in der romantischen Tonsprache des 19. Jahrhunderts. „Péridot“ machte diesen Gegensatz eindrucksvoll hörbar: Die alten Formen blieben klar erkennbar, erhielten aber eine warme, romantisch leuchtende Klangfarbe.

Und dann noch einmal ein radikaler Stilwechsel: Mit Astor Piazzollas „Libertango“ verabschiedete sich das Ensemble temperamentvoll vom Publikum. Der Tango setzte einen rhythmisch pointierten Schlusspunkt unter einen Konzertabend, der sein Motto nicht nur erklärte, sondern hörbar machte: Alte Formen können immer wieder neue Klänge und neue Ausdruckswelten hervorbringen.

Text und Bildmaterial: Brigitte Janoschka


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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