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Mit Fingerspitzengefühl durchs Labyrinth

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Marquartstein – Das Mysterium „Labyrinth“ stand diesmal im Mittelpunkt des Ferienprogramms von Uta Grabmüller und Frederike Brandl. Auf spielerische und spannende Weise brachten die beiden den Kindern das faszinierende Thema näher – mit Holz, Farbe, viel Fingerspitzengefühl und natürlich einem echten Labyrinth zum Ausprobieren.

Den Anfang machte der junge Vitus. Auf verschiedenen Labyrinth-Platten aus Holz, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufwiesen, sollte er mit dem Finger einer vertieften Linie bis zur Mitte folgen. Mit offenen Augen gelang ihm das problemlos. Doch dann wurde es kniffliger: Mit geschlossenen Augen waren Konzentration und Fingerspitzengefühl gefragt. Vitus meisterte auch diese Herausforderung mit Bravour. Nun wollten es natürlich auch die anderen Kinder ausprobieren. Es war schön anzusehen, wie sie mit ihren kleinen Fingern ganz vorsichtig den Linien in den Holzplatten folgten, bis sie die Mitte erreichten. Dort angekommen, ging es wieder zurück – immer aufmerksam darauf bedacht, nicht vom Weg abzukommen.

Doch was genau unterscheidet eigentlich ein Labyrinth von einem Irrgarten? Ein Labyrinth besteht aus einem einzigen, verschlungenen Weg, der durch zahlreiche Richtungsänderungen zur Mitte und wieder hinausführt. Anders als beim Irrgarten gibt es keine Verzweigungen und keine Sackgassen, in denen man sich verirren kann. Wer dem Weg folgt, erreicht unweigerlich sein Ziel. Gerade diese besondere Struktur macht das Labyrinth seit jeher zu einem Symbol, das ganz unterschiedliche Deutungen zulässt – etwa für den Lebensweg, die Suche nach dem eigenen Weg oder das Ankommen in der eigenen Mitte.

Nach dem Tast-Erlebnis wurde es kreativ. Beim Holzdruck konnten die Kinder ihr eigenes Labyrinth gestalten. Weil dabei ordentlich Farbe zum Einsatz kam, schlüpften alle zunächst in alte Hemden von Uta Grabmüller. Mit einem Abroller wurde Farbe auf ein Holzbrett aufgetragen, in das ein Labyrinth eingeritzt war. Anschließend wurde vorsichtig ein weißes Blatt Papier daraufgelegt. Es musste genau ausgerichtet werden, damit der Druck später auch wirklich passte. Gut andrücken, kurz warten – und dann kam der spannende Moment: das Abziehen des Papiers.

Die Freude war groß, als auf der Rückseite tatsächlich das eigene Labyrinth zum Vorschein kam. Zum Trocknen wurden die fertigen Kunstwerke auf einem Wäscheständer aufgehängt. Am Ende durfte jedes Kind seinen ganz persönlichen Labyrinth-Druck mit nach Hause nehmen.

Dass gerade Marquartstein eine besondere Verbindung zum Thema Labyrinth hat, passte dabei besonders gut. Bereits vor mehr als zwanzig Jahren legte Helga Finsterle auf dem Rathausplatz ein klassisches Labyrinth an. Sieben Pfade führen dort zur Mitte und auch wieder hinaus. Ihre Idee dahinter: „Man geht immer in die Zukunft, wie im richtigen Leben.“

Ein Labyrinth braucht allerdings Pflege. Nachdem sich längere Zeit niemand darum gekümmert hatte, wuchs die Anlage immer mehr zu und drohte schließlich, wieder zu einer gewöhnlichen Grünfläche zu werden. Bis Frederike Brandl gemeinsam mit einem engagierten Team dafür sorgte, dass das Labyrinth wiederbelebt wurde. Heute lädt die Anlage Besucher wieder dazu ein, die verschlungenen Wege zu erkunden. Und genau das durften auch die Kinder des Ferienprogramms. Gemeinsam mit Frederike Brandl machten sie sich auf den Weg zum Rathausplatz. Dort gab es nicht nur viel Bewegung, sondern auch jede Menge zu entdecken. Zwischen den zahlreichen Pflanzen suchten die Kinder nach Schmetterlingen und Bienen. Dabei zeigten sie erstaunliches Wissen und entdeckten sogar den Ameisenbläuling, der als Schmetterling des Jahres ausgezeichnet wurde.

So wurde aus einem zunächst geheimnisvollen Thema ein abwechslungsreicher Ferientag: Die Kinder tasteten sich mit geschlossenen Augen durch Holzlabyrinthe, experimentierten mit Farbe, erkundeten das große Labyrinth am Rathausplatz und nahmen am Ende einen selbst gefertigten Schatz mit nach Hause. Vielleicht hat der Tag bei dem einen oder anderen Kind auch die Neugier geweckt, sich noch näher mit dem faszinierenden Thema Labyrinth und seinen vielfältigen Bedeutungen zu beschäftigen.

Text und Fotos: Sybilla Wunderlich


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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