Leitartikel

Priener erinnert an Kreuz-Weihe Kampenwand

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Wenn sich heuer am 26. August zum 75. Male die Einweihung des Chiemgauer Gedenkkreuzes auf der Kampenwand jährt, dann wird dies mit vielen Erinnerungen behaftet sein. Die Erbauung des größten Gipfelkreuzes in den Bayerischen Alpen war nicht nur ein Kraftakt im Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges, es war und bleibt auch ein vielfaches, persönliches Wahrzeichen. So auch für den 82jährigen Priener Hans-Dieter Dummert. Er war als Siebenjähriger mit seinem Vater dabei, als der Hohenaschauer Schlosskaplan Monsignore Dr. Alois Röck im Beisein von rund 3.000 Gläubigen das Chiemgaukreuz weihte

Hans-Dieter Dummert erinnert sich: „Am 26. August 1951 machten wir uns um sechs Uhr morgens von Kraimoos auf den Weg zur Kampenwand – bei traumhaft schönem Wetter. Nach etwa zweieinhalb Stunden hatten wir unser Ziel erreicht. Für meinen Vater war es ein großes Anliegen, bei der Einweihung des Kreuzes dabei zu sein. Er hatte den Zweiten Weltkrieg als Soldat von 1940 bis 1945 miterlebt. Als ich 1944 geboren wurde, war mein Vater auf der Krim und in Sewastopol. Viele seiner Kameraden kamen vom Feld nicht mehr heim, er überlebte.  Beim Aufstieg waren auch Georg Scheck sowie Anton, Resi und Paula Auer aus Bernau dabei. Meiner Erinnerung nach waren es Hunderte von Menschen, die am Gottesdienst teilnahmen. Am Gipfelkreuz war ich dann so müde, dass ich beinahe eingeschlafen wäre. Nach einer gemütlichen Brotzeit auf der Steinlingalm ging der Abstieg über Gschwendt zurück nach Bernau. Jedes Jahr, wenn es meinem Vater gesundheitlich möglich war, besuchte er den Gedenkgottesdienst. Mein Vater ist 2007 verstorben. Dass heute statt eines Freialtars eine Kapelle steht, ist unter anderem dem früheren Mesner aus Bernau, Peter Bichl, zu verdanken. Er war der Initiator einer Sammlung für diese Kapelle, für dessen Bau sich viele weitere Bernauer und Chiemgauer eingesetzt hatten.“

Hans-Dieter Dummert war bereits in jungen Jahren Ministrant im damaligen Wohnort Bernau, später lange Zeit in der Pfarrgemeinde „Mariä Himmelfahrt“ in Prien Vorsitzender des Pfarrgemeinderates und ist bis heute im christlichen Glauben mit dem Chiemgaukreuz persönlich verbunden. Bei einem Gespräch in seiner Priener Wohnung kann er mit Bildern von Toni Auer aus Bernau die damaligen Geschehnisse auf der Kampenwand bestens dokumentieren. Von Erzählungen seines Vaters weiß er zudem, welch schrecklichen Erlebnisse dieser in der gesamten Kriegszeit aushalten musste. „Mein Vater war ganze fünf Jahre im Krieg, nur wenige Male bekam er Fronturlaub. Abenteuerlich war seine Rückkehr aus amerikanischer Gefangenschaft. Auf dem Heimtransport von Saalfelden gelang ihm der Sprung in einen Graben bei Grabenstätt und von dort zu Fuß heim zu seiner Familie und zu Freunden in Bernau“ – so Hans-Dieter Dummert. Der Neubeginn in Friedenszeiten war geprägt von beruflichen Veränderungen. Konrad Dummert wechselte als Bäcker- und Konditor-Meister in den Bernauer Post-Dienst. Unter anderem mit seinen Freunden Toni Auer und Engelbert Haumayer wurde das Bernauer Theater wiederbelebt, bei den ersten Vorstellungen durfte Hans-Dieter Dummert an der Kasse mit dabei sein.

Jubiläums-Gedenken am Sonntag, 30. August mit Kardinal Marx

Hinweis: Das Jubiläum „75 Jahre Chiemgauer Kampenwand-Gedenkkreuz“ wird traditionell am letzten Sonntag im August gefeiert, heuer am Sonntag, 30. August. Beginn ist um 10.30 Uhr vor der Steinling-Kapelle „Maria, Königin des Friedens“ mit Kardinal Reinhard Marx als Zelebrant. Mit dabei sein werden unter anderem die Veteranen- und Kriegervereine der Landkreise Rosenheim und Traunstein sowie Alphornbläser, Gebirgsschützen und Musikanten aus dem Chiemgau. Die Kampenwandbahn wird an diesem Tag bereits ab 7 Uhr fahren und bis 9 Uhr für die Gottesdienstbesucher einen ermäßigten Preis anbieten.

Foto: Hötzelsperger – Hans-Dieter Dummert mit seinem Foto-Erinnerungs-Album

Repros: Hötzelsperger – Erinnerungen an die Weihe des Chiemgau-Kreuzes auf der Kampenwand am 26. August 1951 mit Aufnahmen mit Konrad und Hans-Dieter Dummert.


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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