Fertige Schreiner mit guten Noten am Gynasium – Vier neue Schreinergesellen mit bestandener Prüfung am Staatlichen Gymnasium Marquartstein
Marquartstein. Zwei junge Damen und zwei junge Männer haben die Prüfung zum Schreinergesellen erfolgreich abgelegt. Vor kurzem haben sie und ihre Ausbilder, Schreinermeister Miche Huber und sein Nachfolger, Thomas Hintereder, von der Handwerkskammer erfahren, dass sie zur Freisprechungsfeier eingeladen sind.
Seit 2004 läuft das bayernweit einzigartige Projekt „Handwerk und Schule“ am Staatlichen Gymnasium Marquartstein. Das Besondere daran ist, dass Schüler während ihrer Gymnasialzeit parallel ab der 8. Klasse die Schreinerlehre absolvieren können und danach Gesellenbrief und Abitur „in der Tasche haben“. Am Gymnasium Marquartstein haben so seit 2004 insgesamt 41 Auszubildende neben ihrer Schulzeit bis zum Abitur diese Ausbildung erfolgreich absolviert.
Aus kleinen Anfängen heraus war Miche Huber immer als Ausbilder dabei, überwachte den Neubau der Schreinerei 2007 und brachte 41 Auszubildende zum Gesellen. Heuer war es sein letzter Jahrgang, weil er zum Schuljahresende in den wohl verdienten Ruhestand geht. Im letzten Jahr hat sich sein Nachfolger, Schreinermeister Thomas Hintereder aus Übersee, bereits gut eingearbeitet, so dass es bei der Ausbildung der Lehrlinge einen fließenden Übergang gibt.
In diesem Schuljahr 2025/26 waren insgesamt 13 Lehrlinge in der Ausbildung. Wegen des Wechsels vom G8 zum G9 – werden die diesjährigen Gesellen erst im nächsten Jahr ihr Abitur schreiben, aber „die Noten sind gut, alle im Schnitt mit einem Durchschnitt von 1,8 und 2,0 erzählen sie, im Gespräch mit unserer Zeitung.
Wie alle Schreinerlehrlinge am Gymnasium Marquartstein nahmen Miranda Maier aus Oberwössen, Lilly Lorenz, Unterwössen, Maximilian Schneider und Josef Grießenböck, beide aus Grassau ab der 8. Klasse an dem Projekt teil. Fünf Jahre lang hatten sie neben dem regulären Schulunterricht nachmittags und am Wochenende praktischen Unterricht in der schuleigenen, modernst ausgestatteten Schreinerei. Daneben gab es auch in den Ferien Betriebspraktika und Fachkundeunterricht von Lehrern aus den umliegenden Berufsschulen.
Verantwortlich für die Ausbildung im Gymnasium Marqurtstein waren neben Miche Huber und Thomas Hintereder die Lehrer Tobias Leineweber für die Theorie und CAD (Computer Aided Design, computerunterstütztes Konstruieren) Karsten Schopf.
„Lehre aus Spaß an der Freud“
Stolz zeigen die vier Lehrlinge ihre Gesellenstücke kurz bevor sie zur Begutachtung zum Prüfungskomitee abgeholt werden. Diesmal waren es ganz unterschiedlich gearbeitete Schreibtische aus Eichenholz, Nussholz oder Eschenholz aus dem Wald des Landschulheims, das „hart und billig“ ist, wie Josef erklärt.
Keiner der frisch gebackenen Gesellen kommt heuer aus einer Schreinerei oder einem sonst Holz verarbeitenden Betrieb, alle haben sie die duale Ausbildung aus „schierem Spaß an der Freud“ gemacht und es nie bereut. Lilly Lorenz hat schon in der 5. Klasse ein Praktikum im Wahlfach Schreinerei gemacht und gemerkt, wie viel Spaß es ihr machte, auch mit den Händen zu arbeiten, nicht nur mit dem Kopf. Lernpsychologisch ist es seit Jahrzehnten bewiesen, dass sich die Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten bei Einbeziehung der praktischen Arbeit – zum Beispiel auch dem Erlernen eines Musikinstruments – positiv auf die „Kopfarbeit“ auswirkt. Natürlich verlangt die fünfjährige zweigleisige Ausbildung Motivation, Disziplin und Durchhaltevermögen. Auch gute schulische Leistungen sind die Voraussetzung für die Schreinerlehre am Gymnasium, denn „die Schule hat immer Vorrang“, sagt Miche Huber. Deshalb brechen einige Schüler die Lehre auch manchmal wieder ab.
„Studieren – aber weiter schreinern“
Obwohl die Vier für ihren Berufswunsch mindestens noch ein Jahr Zeit haben, will die Berichterstatterin wissen, was sie nach dem Abitur machen wollen. Alle können sich vorstellen, eine Zeitlang als Schreiner zu arbeiten, zum Beispiel für ein Jahr lang durch die Welt zu reisen, also ein Auslandsjahr mit work and travel“ zu machen und so ihren Unterhalt auf Wanderschaft zu verdienen. Letztlich aber wollen sie alle studieren. Lilly kann sich gut Innenarchitektur und Architektur vorstellen, aber eventuell auch ein Jurastudium. Um das genauer beurteilen zu können, absolviert sie im Sommer ein Praktikum in einer Kanzlei in Stuttgart. Auch Miranda liebt das Schreinern, möchte aber eventuell Politik studieren.
Max Schneider will das Schreinern als Hobby auf jeden Fall beibehalten. Auch er kann sich Architektur vorstellen, „auf jeden Fall etwas Physisches, wo man nicht nur vor dem Computer sitzt“. Bei Josef Grießenböck ist es ähnlich, „eventuell Bauingenieur“. Er sagt, seit er die Schreinerlehre am Gymnasium begonnen habe, sei er „viel lieber in die Schule gegangen“.
Im neuen Schuljahr ab September 2026 werden drei auszubildende Schreiner im Landschulheim neu beginnen Inzwischen gibt es zunehmend Anfragen zu diesem bayernweit einzigartigen Ausbildungsgang am Gymnasium Marquartstein. .
Bericht und Bild: Chrisitan Giesen – Die Ausbilder Schreinermeister Miche Huber und Thomas Hintereder (von links) Miranda Maier, Maximilian Schneider, Lilly Lorenz und Josef Grießenböck mit ihren geschreinerten Prüfungsstücken in der schuleigenen Schreinerei am Gymnasium Marquartstein.



