Prall gefüllter Filmsaal im Hans-Eisenmann-Haus bei der Vernissage zur Ausstellung „Verlassene Wunder“
Trotz bestem Sommerwetter war der Filmsaal im Hans-Eisenmann-Haus prall gefüllt. Verantwortlich dafür waren der Passauer Fotograf Klaus Ditté und der aus Vimperk in Tschechien stammende Schriftsteller Martin Sichinger. Denn es galt die Ausstellung des Duos unter dem Titel „Verlassene Wunder“ zu eröffnen. Die Kombination aus ästhetischen Schwarz-weiß-Bildern und stimmungsvollen Texten beleuchtet die Grenzregion auf besonders kunstvolle Weise.
„Über drei Jahre wanderten sie durch die Landschaft, hielten Lost Places in Wort und Bild fest“, erklärte Laudatorin Gabi Hanner die Entstehung des Projekts, aus dem auch ein Buch entstanden ist. Die Ergebnisse seien von Freundschaft, Naturliebe und Kunstgespür geprägt. Als „Kompositionen wie die eines Malers“, huldigte Hanner Dittés Fotos, „zeitlose Momentaufnahmen, die den Zauber der großartigen Landschaft einfangen.“ Und die Details: Einen Baum, der aus dem Fenster wächst, ein Riss, der sich filigran über eine Häuserfassade zieht, ein Feldkreuz, dessen Umgebung von einem Telefonmasten dominiert wird.
Begleitet werden die Fotografien „vom Mann der besonderen Worte“, so Hanner über Martin Sichinger. „Als ich die Texte las, war ich sofort von ihrer Schönheit beeindruckt.“ Kunstvoll untermale der Schriftsteller jedes Bild mit der passenden Beschreibung, vergesse dabei auch nicht eine Prise Humor beizufügen.
Eine „Hommage an die Vergänglichkeit“ ist das Wirken der Künstler für Christian Binder, Leiter des Hans-Eisenmann-Hauses. „Das Duo nimmt uns mit auf eine Reise in eine Welt, die von der Natur Stück für Stück zurückerobert wird.“ Dabei spüre man die tiefe Ruhe und die Energie, die von der Landschaft des Šumava ausgeht. „Es ist ein faszinierender Tanz zwischen von Menschenhand Geschaffenem und der ungezügelten Kraft der Natur.“
Klaus Ditté selbst brachte noch eine ganz persönliche Geschichte zum Ausstellungsort vor: „In den frühen 1980er Jahren habe ich hier im Hans-Eisenmann-Haus das erste Mal von Wildnis erfahren. Das hat mich zutiefst beeindruckt und mein späteres Leben nachhaltig geprägt.“ Er sei dann stets ein Suchender nach von Menschen unbeeinflussten Gegenden gewesen – und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in den Böhmerwald verliebt. Durch einen glücklichen Zufall habe er 2019 Martin Sichinger kennengelernt. Nach vielen gemeinsamen Wanderungen begannen sie ihre künstlerische Zusammenarbeit. „Und die ist wirklich etwas anderes“, ergänzte Sichinger. „Es war alles dabei, von euphorischer Begeisterung bis zur totalen Verzweiflung.“ Erschöpft ist das Duo deswegen aber nicht, ist doch bereits ein zweites Buch in Planung.
Die Vernissage im Hans-Eisenmann-Haus wurde von der dreiköpfigen Band „Die Teufelsimker“ aus Budweis mit experimentellen Industrial-Tönen umrahmt. Als Instrumente der mit Imker-Kleidung auftretenden Musiker diensten etwa halbvolle Wassergläser, rostige Sägen oder alte Alufelgen. Der laue Sommerabend endete dann bei einem kleinen Imbiss – bevorzugt auf der Terrasse.
Besucher haben derweil noch bis 14. Februar die Chance die Ausstellung „Verlassene Wunder“ bei freiem Eintritt zu bestaunen.


