Kultur

Saiten-Wirbel in der Sawallisch-Villa

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Dass in der Sawallisch-Villa Hinterm Bichl in Grassau nicht nur klassische Musik auf höchstem Niveau zuhause ist, sondern Intendant Andreas Hérm Baumgartner auch viel Neues und Überraschendes auf die Bühne bringt, bewies das Konzert „Wirbel der Saiten“. Im ausverkauften großen Kammermusiksaal der Villa musizierten Matthias Well auf der Violine, der Kontrabassist und Komponist Dominik Wagner sowie mit sensibler, einfühlsamer Begleitung am Klavier Professorin Dunja Robotti.

Ein buntes Programm mit kurzen Stücken quer durch die Musikgeschichte begeisterte die Zuhörer. Den Anfang machten die „Danses bacchanale“ für Kontrabass und Klavier von Camille Saint-Saëns (1835–1921), für die beiden Instrumente arrangiert von Dominik Wagner. Auch er, Jahrgang 1997, ist bereits seit 2024 Professor an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien und gibt regelmäßige Meisterkurse in Europa und den USA. Sein Anliegen ist es, den Kontrabass aus seinem Schattendasein zu befreien und durch Umarbeitungen und eigene Kompositionen neue Facetten und Möglichkeiten seines Instruments zu präsentieren. Mit großer Verve, Kraft und Virtuosität beherrscht er sein riesiges Instrument, was sich auch bei den Acht Duos für Violine und Kontrabass (eigentlich für Violoncello) von Reinhold Glière (1875–1956) bewies.

Matthias Well aus der bekannten bayerischen Musikerfamilie Well ist mit seinen 33 Jahren ein kongenialer Partner für Dominik Wagner auf der Violine, die er virtuos beherrscht. Matthias Well wurde bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet. Die berühmte Geigerin Julia Fischer hat seine musikalische Patenschaft übernommen. Er tritt als Solist mit vielen Orchestern auf, regelmäßig in der Hamburger Elbphilharmonie, unter anderem mit Igor Levit und Helge Schneider. Begeisternd und mitreißend war die überschäumende Spielfreude der beiden Musiker, deren scheinbare Leichtigkeit, mit der die schwierigsten Passagen gemeistert wurden, das Publikum mitriss. Das Duo concertante für Violine und Kontrabass von Krzysztof Penderecki (1933–2020) folgte vor der „Gershwin-Fantasie“ des zeitgenössischen österreichischen Komponisten Wolfram Wagner, Jahrgang 1962.

Viel zu kurz, um alle Eindrücke zu verarbeiten, war die Pause. Mit zeitgenössischen, jeweils für die Instrumente arrangierten Bearbeitungen ging es weiter. Zuerst ein innovatives „Bogenstück“ für Violinsolo des Jazzgeigers Joe Venuti (1903–1978) aus Pennsylvania. Venuti entwickelte eine Technik, um alle vier Saiten der Violine gleichzeitig spielen zu können. Bei dieser „Loose-Bow-Fiddle-Technik“ löste er die Halterung vom Frosch des Bogens, legte Bogenhaar über die vier Saiten und führte den Bogenstab unter dem Instrument durch. So war die Geige zwischen Bogenhaar und Stab eingeklemmt, sodass sie bis zu vierstimmige Klänge erzeugen konnte. Matthias Well beherrschte diese Technik hervorragend, was das staunende Publikum begeistert quittierte.

Die beiden Musiker verstanden es darüber hinaus wunderbar, die jeweiligen Stücke zu erklären und mit Anekdoten über die Komponisten oder eigene Erlebnisse zu bereichern. Zu dritt mit Pianistin Dunja Robotti erwiesen sie sich als wunderbar aufeinander eingestimmtes Team, das sich lediglich durch Blicke und kleine Gesten bestens verständigte.

In Hochstimmung versetzt wurden viele Zuhörer auch durch „My man’s gone now“ für Violine und Klavier von George Gershwin, arrangiert von Jascha Heifetz. Dann wurde es immer wilder und atonaler: „Libertango“ für alle drei Instrumente, bearbeitet von Dominik Wagner, ebenso wie „Die 4 Jahreszeiten von Buenos Aires“, die eine sehr eigene, neuartige Auffassung der Jahreszeiten darstellten. Der Beifall der Zuhörer war groß, sodass schließlich noch eine Zugabe, „Oblivion“, arrangiert nach Astor Piazzolla, folgte. Ein begeisternder Abend ging zu Ende, der noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Text und Foto: Christiane Giesen 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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