Es ist kaum zu fassen, wie nach dem verlorenen Spiel gegen Paraguay auf die ohnehin enttäuschten Spieler und den Trainer eingedroschen wird. Ein im Elfmeterschießen verlorenes K.-o.-Spiel, das nach einer fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung nicht gewonnen werden konnte – und dennoch wird im Nachhinein alles schlechtgeredet.
Den Spielern wird vieles vorgeworfen: Ideenlosigkeit, fehlender Mut, mangelnde Form. Doch dass auch der Gegner – „nur“ Paraguay, das man angeblich mühelos hätte besiegen müssen – Fußball spielen kann, bleibt unerwähnt. Ebenso wenig wird berücksichtigt, dass selbst Top-Nationen wie England (gegen Ghana 0:0) oder Spanien (gegen Kapverde 0:0) gegen defensivstarke Gegner große Probleme hatten. Manche Teams erzielten entscheidende Treffer erst in letzter Minute, teils mit erheblichem Glück – man denke nur an Österreich.
Genau dieses Quäntchen Glück, das man in K.-o.-Spielen zwingend braucht, hat Deutschland diesmal gefehlt. Stattdessen wird das Ausscheiden gleich zur nationalen Katastrophe stilisiert – passend zur allgemein angespannten politischen und wirtschaftlichen Lage.
Eine wohltuende Ausnahme bildete Bundeskanzler Friedrich Merz. Er lobte Einsatz und Teamgeist der Mannschaft und zeigte sich trotz des schmerzhaften Ausscheidens stolz auf die Spieler. In den sozialen Medien erntete er dafür jedoch überwiegend Spott.
Dieses Verhalten wirkt einmal mehr typisch deutsch: schnell in der Kritik, wenig differenziert in der Betrachtung. Dabei hat – mit Ausnahme Frankreichs – kaum eine Mannschaft im Turnier überzeugender gespielt als Deutschland. Dennoch scheint bereits festzustehen, wie die öffentliche Debatte weitergeht: Trainer Julian Nagelsmann wird infrage gestellt, und schon werden Forderungen nach einem prominenten Nachfolger laut: Kloppo steht ja bereit!



