Land- & Forstwirtschaft

Hitze: Bayern setzt auf Waldumbau

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der aktuelle Waldbrand in der Nähe des Chiemsees und die anhaltende Hitze machen deutlich, wie herausfordernd die derzeitige Trockenheit für Bayerns Wälder und die landwirtschaftlichen Betriebe ist. Während der Klimawandel immer deutlicher spürbar wird und viele Kulturen unter Trockenstress leiden, investiert der Freistaat seit Jahren gezielt in Forschung und Klimaanpassung, um Land- und Forstwirtschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen.

Anlässlich des Brandes steht Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber ständig im Kontakt mit dem in den Einsatz einbezogenen örtlichen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein. „Mein herzlicher Dank gilt allen Einsatzkräften, die den Waldbrand mit großem Engagement und hoher Professionalität bekämpfen. Sie leisten unter schwierigen Bedingungen Außergewöhnliches und schützen Menschen, Natur und Infrastruktur. Ich wünsche allen Beteiligten einen sicheren Einsatz und hoffe, dass der Brand rasch vollständig unter Kontrolle gebracht werden kann. Alle Bürgerinnen und Bürger kann ich nur erneut um höchste Vorsicht in der Natur bitten. Kein Feuer im Wald oder in Waldnähe machen, dort auch nicht grillen und erst recht nicht im Wald rauchen“, sagte Kaniber.

Die anhaltende Trockenheit belastet derzeit auch zahlreiche landwirtschaftliche Kulturen. Ob Getreide, Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben – hohe Temperaturen und fehlende Niederschläge können das Wachstum der Pflanzen beeinträchtigen. Umso wichtiger sind widerstandsfähige Anbausysteme und eine konsequente Anpassung an die Folgen des Klimawandels. „Unsere Bäuerinnen und Bauern sowie unsere Waldbesitzer spüren den Klimawandel jeden Tag – auf ihren Feldern und in ihren Wäldern. Deshalb investieren wir nicht erst, wenn Schäden entstehen, sondern handeln vorausschauend. Forschung, Innovation und der enge Schulterschluss mit der Praxis sind der Schlüssel, damit unsere Land- und Forstwirtschaft auch morgen stark bleibt“, betonte Kaniber.

Ein neues digitales Hilfsmittel ist der „WaldDürreMonitor Bayern“ der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Das kostenlose Online-Angebot zeigt tagesaktuell die Bodenfeuchte und Wasserverfügbarkeit in Bayerns Wäldern und hilft Waldbesitzern sowie allen Interessierten, die Trockenheit vor Ort besser einzuschätzen. Der WaldDürreMonitor ist unter www.waldduerremonitor.de abrufbar.

Auch in der Landwirtschaft treibt Bayern die Entwicklung trockenheitsangepasster Anbausysteme konsequent voran. Ein bundesweit einzigartiger Schwerpunkt ist der Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsschwerpunkt „Landwirtschaft in Trockenlagen“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Schwarzenau. Gemeinsam mit Praxisbetrieben werden dort Strategien für den Ackerbau unter Trockenheitsbedingungen entwickelt und direkt in die landwirtschaftliche Praxis übertragen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Der Forschungsschwerpunkt hat sich etabliert und liefert bereits heute konkrete Lösungen, mit denen sich landwirtschaftliche Betriebe besser auf längere Trockenphasen einstellen können. Ergänzend forschen die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sowie die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft gemeinsam mit Hochschulen an trockenheitsangepassten Kulturarten, wassersparenden Bewirtschaftungssystemen, klimaresilienten Baumarten sowie innovativen Ansätzen wie der Agri-Photovoltaik. Ziel ist es, Land- und Forstwirtschaft bestmöglich auf längere Trockenperioden vorzubereiten.

Eine zentrale Rolle spielt dabei auch der Waldumbau. Ziel ist der Aufbau klimastabiler Mischwälder, die den Folgen von Trockenheit und Hitze besser standhalten. „Seit 2020 sind mit Unterstützung des Freistaats rund 90 Millionen Bäume gepflanzt worden – das sind etwa 7 Bäume für jeden Menschen in Bayern. Das zeigt, mit welchem Engagement wir den Wald von morgen gestalten. Klimastabile Mischwälder sind unsere beste Vorsorge gegen Trockenheit, Hitze und Waldbrände. Deshalb unterstützen wir den Waldumbau mit aller Kraft“, sagte Kaniber.

Damit dieser erfolgreiche Weg fortgesetzt werden kann, braucht es aus Sicht der Ministerin auch auf europäischer Ebene die richtigen Rahmenbedingungen. Kritisch bewertet Kaniber deshalb die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. „Der Waldumbau in Bayern läuft auf Hochtouren. Doch ausgerechnet jetzt droht die Wiederherstellungsverordnung den notwendigen Handlungsspielraum einzuschränken. Die Verordnung schränkt das Einbringen von neuen Baumarten ein und zielt auf starre Waldtypen ab, die oftmals bereits heute nicht mehr überlebensfähig sind. Wir brauchen im Klimawandel mehr Flexibilität statt starrer Vorgaben. Nur so können wir unsere Wälder wirksam schützen und für kommende Generationen erhalten.“

Bericht: Bayerisches Landwirtschafts- und Forstministerium – Foto: Hötzelsperger 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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