Berchtesgadener Land. Die Kreuzotter ist im äußeren Landkreis vom Aussterben bedroht. Nur wenige kleine Restbestände sind erhalten geblieben. Die Gründe sind Vielfältig – die Situation aber nicht aussichtslos. Das Landratsamt ruft dazu auf, Beobachtungen zu melden, um mehr über die Verbreitung der Tiere zu erfahren.
Der Kreuzotter geht es schlecht im Landkreis. Dieser Umstand mag sich beruhigend für alle anhören, die gern barfuß durch Wiesen laufen oder an Ophidiophobie leiden – so wird die weitverbreitete Angst vor Schlangen wissenschaftlich bezeichnet. In Mitteleuropa sind das mit gut einem Viertel der Bevölkerung vermutlich ähnlich viele Menschen, wie es Personen gibt, die diesen Zungenbrecher auf Anhieb fehlerfrei aussprechen können. Sie gehört damit zu den am weitesten verbreiteten Phobien überhaupt.
Immerhin: Die Kreuzotter kann als einzige heimische Giftschlange durchaus als das „gefährlichste Reptil Deutschlands“ durchgehen. Ein Biss kann jedenfalls ziemlich schmerzhaft und medizinisch relevant sein, ist jedoch nur in Ausnahmefällen lebensbedrohlich – etwa bei geschwächtem Immunsystem, einer allergischen Reaktion oder einer Infektion der Bisswunde.
Bisse bei Menschen sind jedoch ziemlich selten. Je nach Quelle kann von einigen dutzend Zwischenfällen pro Jahr bundesweit ausgegangen werden, die zweifelsfrei der Kreuzotter zuzuordnen sind. Die Zahlen und Bestandstrends belegen deutlich, dass man sich eher freuen sollte, wenn man eines der seltenen Tiere zu Gesicht bekommt. Für das Berchtesgadener Land zeigt sich in den vergangenen Jahrzehnten ein zweigeteiltes Bild: Während es in den Berggebieten im südlichen Landkreis noch stabile und teils individuenreiche Populationen gibt, so ist die Art etwa nördlich der Autobahn innerhalb der vergangenen 30 Jahre mehr oder weniger völlig verschwunden. Abgesehen von den großflächigen, zusammenhängenden Mooren des Salzach-Hügellandes, wo es noch halbwegs regelmäßig Beobachtungen gab, scheinen die Bestände erloschen. Im Ramsautal, am Högl, im Ainringer Moos oder an den Surwiesen: In den Gebieten, in denen es noch vor 50 Jahren vor Kreuzottern gewimmelt haben soll, fehlt seit Jahrzehnten jede Spur der Art.
Die Gründe sind vielfältig und nicht eindeutig zu benennen. Die Zerschneidung der Landschaft durch Infrastruktur, Intensivierung der Landwirtschaft, Entwässerung von Moorgebieten oder die gezielte Jagd auf die Tiere waren sicher nicht förderlich. Ein wesentlicher Faktor dürften auch die klimatischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte sein. Als „boreo-alpine“, also kälteliebende Art ist die Kreuzotter auf feucht-frische Lebensraumbedingungen spezialisiert, wie sie sich in Moorgebieten oder im Gebirge finden. Zunehmend trockenere Verhältnisse in Mooren und Wälder führen zu einem Schwund geeigneter Lebensräume. Auch Amphibien, die eine Hauptnahrungsquelle gerade von jüngeren Schlangen darstellen, sind vielerorts im starken Rückgang. Extrem heiße Sommer und milde Winter stören zudem die Überwinterungsstrategien und den Stoffwechsel der Reptilien. Weibchen bringen ihre Jungen oft viel früher zur Welt, was die Überlebenschancen der Jungen verringern kann.
Was kann man tun um die Tiere zu schützen?
Trotzdem lässt sich durch gezieltes Management viel erreichen, um die bestehenden Restpopulationen zu erhalten. Die Maßnahmen zielen üblicherweise darauf ab, den Wasserhaushalt zu sichern, Verbuschung zurückzudrängen, Unterschlupf- und Sonnenplätze zu schaffen und Nahrungsgrundlagen zu sichern zum Beispiel durch Anlage von Gewässern. Außerdem ist ein wichtiger Aspekt, die verbliebenen Lebensräume zu vernetzen, um Verinselung und Inzucht zu vermeiden. Um mehr über die faszinierenden Tiere und ihre Verbreitung im Landkreis zu erfahren und so eine Grundlage für zukünftige Erhaltungsmaßnahmen zu schaffen, ruft das Landratsamt dazu auf, Beobachtungen – insbesondere im äußeren Landkreis – zu melden. Am besten wäre eine Belegung mit Foto, denn die Art kann leicht mit den noch weiter verbreiteten Schlingnattern oder ungewöhnlich gefärbten Ringelnattern verwechselt werden.
Auf Bildern im Internet oder in Bestimmungsbüchern wirken die Unterschiede meist eindeutig. In der Natur hat man jedoch oft nur einen kurzen Moment, um ein Tier zu beobachten und die Färbung ist bei allen heimischen Schlangenarten erstaunlich variabel. Sichere Merkmale, die für eine Kreuzotter sprechen, sind gekielte Schuppen, vertikal-schlitzförmige Pupillen sowie eine charakteristische Ausprägung der Kopfschilde – allesamt keine Ausprägungen, die sich als Laie in wenigen Augenblicken erfassen lassen.
Auch anhand des Lebensraums lässt sich eine Voreinschätzung treffen: In trocken-warmen Bereichen, an Mauern, auf Steinhaufen oder in Gärten ist eher nicht mit Kreuzottern zu rechnen. Moore, Wälder und die höheren Lagen der Berge sind hingegen vielversprechendere Lebensräume.
Wer Beobachtungen oder Fragen rund um das Thema „Kreuzotter“ hat, kann sich gerne per E-Mail an naturschutz@lra-bgl.de wenden.
Bericht: LRA BGL – Ein Schwarz-Grau gefärbtes Exemplar (Foto: Henrik Klar-Weiß, uNB BGL) / Ein rein schwarz gefärbtes, sogenanntes „Melanistisches Exemplar“, im Volksmund auch „Höllennatter“ genannt (Foto: Henrik Klar-Weiß, uNB BGL)





