Der Heimat- und Geschichtsverein Aschau i. Ch. und der Verein Lebendiges Sachrang e. V. lädt zum zweiten Male zu einem besonderen Film-Erlbnis ein. Das Werner Herzog Open Air-Kino am 19. und 20. Juni 2026 gastiert im Bergsteigerdorf Sachrang.
Bergsteigerdorf Sachrang würdigt Werner Herzog zum zweiten Mal mit Open Air-Kino
Nosferatu in Sachrang
Am 19. und 20. Juni 2026 findet im Bergsteigerdorf Sachrang das zweite Werner Herzog Open Air-Kino statt. Nach dem erfolgreichen Auftakt letztes Jahr werden die Filme und Bühnengespräche um einen Spaziergang zu „Werner-Herzog-Orten“ in Sachrang mit Lesungen aus dessen Memoiren ergänzt. Ein weiteres Highlight ist die Weltpremiere von „Herzog dahoam“, ein Zusammenschnitt von bisher nicht veröffentlichtem Drehmaterial des Werner Herzog-Portraits „Radical Dreamer“.
Werner Herzog, einer der angesehensten Regisseure unserer Zeit, verbrachte prägende Jahre seiner Kindheit und Jugend im heutigen Bergsteigerdorf Sachrang, damals ein bettelarmes, abgelegenes Nest. Herzog selbst betont immer wieder, dass sein Aufwachsen dort maßgeblichen Einfluss auf seine Entwicklung nahm. Da passt es, dass sich ein paar rührige Sachranger zusammentun, um die Filmkunst des Ausnahme-Regisseurs zu würdigen – und zwar auf ebenso ungewöhnliche Art, wie es auch Herzogs Vita ist: mit einem Open Air-Kino an einem Skilift (bei schlechtem Wetter wird in die Priental-Halle in Aschau ausgewichen).
Das Programm
Neu im Programm ist der an beiden Tagen stattfindende Spaziergang zu „Werner Herzog-Orten“ in Sachrang (5,4 km, 2 h; Teilnahme auf eigene Gefahr). Unterwegs wird an symbolträchtigen Plätzen aus Herzogs Memoiren „Jeder für sich und Gott gegen alle“ gelesen. Start ist jeweils um 16.30 Uhr am Skilift Kaiserblick bei jedem Wetter – auch dann, wenn die Filme wegen schlechten Wetters in der Priental-Halle gezeigt werden.
Beim Bühnengespräch gegen 19.30 Uhr am Freitag unterhält sich Georg Antretter (Bayerischer Rundfunk) mit Regisseur Thomas von Steinaecker und Cutter Volker Schaner. Nach Einbruch der Dunkelheit wird „Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner“ gezeigt, ein Dokumentarfilm (1974) über den Schweizer Bildschnitzer und Skispringer Walter Steiner. Es geht die Grenze zwischen menschlicher Faszination fürs Fliegen und der lebensgefährlichen Unmenschlichkeit des Extremsports. Werner Herzog hält diesen für einen seiner wichtigsten Filme. Kein Wunder, versuchte er sich als Kind doch selbst im Skispringen, wollte fliegen und Weltmeister werden. Bis zu einem traumatischen Erlebnis…
Anschließend folgt eine Weltpremiere: Thomas von Steinaecker und Volker Schaner präsentieren „Herzog dahoam“ – bislang unveröffentlichtes Drehmaterial vom Werner Herzog-Portrait „Radical Dreamer“ mit speziellem Bezug zu Sachrang und zum Priental.
Am Samstag findet die Wanderung ebenfalls statt (16.30 Uhr, Skilift Kaiserblick). Die Auszüge aus Herzogs Memoiren liest Hans Steinbichler, ebenfalls preisgekrönter Regisseur mit sehr enger Beziehung zum Priental: sein Vater war einer der Aktivisten, die sich für das Naturschutzgebiet Geigelstein engagierten. Hans Steinbichler ist auch Moderator der Gesprächsrunde (gegen 19.30 Uhr) mit Lucki Stipetić und Gisela Storch-Pestalozza (Bruder von Werner Herzog, Produzent bzw. Kostümbildnerin).
Als Hauptfilm folgt „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (1979; 107 Minuten). In seiner ersten großen Kinoproduktion greift Werner Herzog das Sujet „Graf Dracula“ auf: Jonathan Harker (Bruno Ganz) reist im 19. Jahrhundert von Wismar nach Transsilvanien, um mit Dracula (Klaus Kinski) einen Hausverkauf zu verhandeln, wird dort jedoch von ihm gebissen. Dracula reist daraufhin versteckt in einem Sarg per Schiff nach Wismar. Dort bricht nach seiner Ankunft die Pest aus. Harkers Frau Lucy (Isabelle Adjani) erkennt, dass Dracula die Ursache der Seuche ist. Sie hält ihn bis zum Morgengrauen auf…
Besonderer Ort – besondere Umstände
Die Veranstalter weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Besucher sich möglichst eigene Sitzgelegenheiten sowie warme Decken und eventuell einen Regenponcho mitbringen sollten. In Sachrang können auch im Sommer die Nächte kalt werden. Für Speis und Trank sorgt das Team von der Kaiserblickstub‘n. Der Eintritt ist kostenlos, aber die Veranstalter, „Lebendiges Sachrang e.V.“ und der „Heimat- und Geschichtsverein Aschau e.V.“, freuen sich über Spenden zur Deckung der Kosten. Um ungefähr zu wissen, wie viele Besucher kommen, bitten die Veranstalter um eine formlose und nicht verbindliche Anmeldung an info@lebendiges-sachrang.de.
Im Fall von schlechtem Wetter findet das Open Air-Kino drinnen statt, in der Priental-Halle in Aschau i. Ch. Dort passen allerdings nicht mehr als knapp 200 Personen rein. Am 16. Juni wird auf www.lebendiges-sachrang.de der endgültige Veranstaltungsort angekündigt. Hier findet sich auch ausführliche Informationen über die zweitägige Veranstaltung.
Werner Herzog – weltberühmt und heimatverbunden
Der weltbekannte Filmregisseur und Autor Werner Herzog verbrachte seine Kindheit und frühe Jugend in heutigen Bergsteigerdorf Sachrang. Während der Kriegsjahre hatte sich seine Mutter aus München mit ihm und seinen beiden Brüdern in den Ortsteil Berg zurückgezogen. Aus dem engen Priental zog es Herzog in die Welt. Seit über 50 Jahren sucht er sich seine Themen in den abgelegensten Winkeln der Erde. Insgesamt 80 Filme hat er bislang fertiggestellt, zuletzt den Dokumentarfilm „Ghost Elephants” in Afrika und in Irland den Spielfilm „Bucking Fastard”. Werner Herzogs Bedeutung reicht weit über die Welt des Films hinaus. Die Zeitschrift „Time“ zählte ihn im Jahr 2009 zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt. Im September 2025 erhielt der bis heute unermüdliche Regisseur bei den Filmfestspielen von Venedig den „Goldenen Löwen” für sein Lebenswerk. Obwohl er seit langem in Los Angeles lebt, fehlt Sachrang in keinem biografischen Interview Herzogs. Für das Master-Interview zum Filmporträt „Radical Dreamer” anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 2022 wünschte sich Werner Herzog die Oberkaseralm im Geigelsteingebiet.
Über: Lebendiges Sachrang e.V.
Den Verein „Lebendiges Sachrang e. V“. gibt es seit 2009. Er sieht sich als „Zukunftsverein“ und will Impulse für eine lebendige Dorfkultur geben. Das Bewusstsein für das Naturschutzgebiet Geigelstein sowie die Inhalte des Bergsteigerdorfs Sachrang zu stärken, sind ihm ein großes Anliegen. www.lebendiges-sachrang.de
Über: Heimat- und Geschichtsverein Aschau i.Ch. e.V.
Der HGV Aschau wurde schon 1984 gegründet und gehört mit fast 500 Mitgliedern zu den größten Vereinen von Aschau im Chiemgau. Er hat in seiner Arbeit wichtige Meilensteine in der regionalen Kulturarbeit gesetzt, mit Projekten vom Auferstehungsspiel über die Bayerische Landesausstellung bis zur einzigartigen 25-bändigen Ortschronik. www.geschichtsverein-aschau.de, www.facebook.com/profile.php?id=100068832828223
Bericht und Bilder: Verein Lebendiges Sachrang e.V. / Heimat- und Geschichtsverein Aschau i. Chiemgau






