Pfingsten – „..und ein großes Rauschen erfüllte die Luft…“ Arbeiten von F. S. Gebhardt Westerbuchberg im Atelierfenster in Staudach
Vier großformatige schwarz-weiße Monotypien schuf der Maler Franz Sales Gebhardt-Westerbuchberg (1895 bis 1969) zum Pfingstgeschehen im Zusammenhang mit seinem Zyklus zur Passion. Eine neue Ausstellung zu dem seinerzeit viel beachteten Künstler ist derzeit bis Ende Mai in der „kleinsten Galerie Deutschlands“, das heißt im Atelierfenster von Bildhauer Carsten Lewerentz an der Hauptstraße 31 in Staudach-Egerndach, zu sehen. Die Pfingst-Monotypien verdeutlichen das Ringen des Künstlers um eine Bildfindung, die der biblischen Erzählung vom Pfingstwunder in der Apostelgeschichte gerecht wird. Erst seine vierte Version fand er gelungen genug, um sie zu signieren und mit dem Titel „… und eine großes Rauschen erfüllte die Luft…“ zu unterschreiben.
Das Leben des Künstlers – auch gekennzeichnet durch zwei Weltkriege – steht beispielhaft für seine Suche nach Ruhe und Geborgenheit im Leben und der Realität im Kleinen wie im Großen. Der Weg zum renommierten Künstlervon Franz-Sales Gebhardt-Westerbuchberg, der sich als Mitglied der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft ab 1948 ständig an den Ausstellungen im Münchner Haus der Kunst beteiligte und mehrere Preise erhielt, war dem im Januar 1895 geborenen Jungen keineswegs vorherbestimmt. Sein Leben war durch den frühen Tod der Mutter und dem Einzug einer alles andere als liebevollen Stiefmutter gezeichnet. Schon als 13jähriger musste er das elterliche Haus verlassen, um eine hart geführte Hotelfachlehre aufzunehmen und selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Danach zog es ihn hinaus in die Welt nach Südfrankreich, Spanien und England, wo er seine neue Freiheit genießen konnte.
Freundschaft mit dem Maler Willi Geiger
Bei einem Aufenthalt in London überraschte ihn der Krieg, weswegen er und 40 000 Leidensgenossen in ein Internierungslager auf der Isle of Man inhaftiert wurden. Unter Anleitung des ebenfalls dort gefangenen Bildhauers Gustav A. Bredow fand Gebhardt-Westerbuchberg zur Kunst. Nach seiner Freilassung 1919 trat er in die Münchner Kunstgewerbeschule ein und zwei Jahre später in die Münchner Akademie. Anders als viele Studienkollegen wollte er nicht in Italien studieren, sondern entschied sich für Spanien und die alten Meister Goya, Velazquez und El Greco. Das geschah auch auf Anraten des Münchner (und Überseer!) Professors Willi Geiger. Die Spanienreise dauerte nicht wie geplant zwei Wochen, sondern ein ganzes Jahr.
„Diese Spanienreise war künstlerisch wie menschlich mein größtes Erlebnis“, schrieb er später. „Spanien schläft! Ich, der Maler, fand es herrlich, dieses schlafende Spanien. Wie einfach, beinahe primitiv war noch alles.“ Auch in Toledo hielt er sich längere Zeit malend und zeichnend bei einer ehemaligen Freundin von Willi Geiger auf und genoss das einfache Malerleben. Das im Atelierfenster gezeigte, düstere Bild „Bergraum“, ein Bild auf die Stadt Toledo, entstand aus der Erinnerung 38 Jahre später auf dem Westerbuchberg.
Zurück in Deutschland endete Gebhardt-Westerbuchbergs spartanisches Malerleben 1929, als er die Kaufmannstochter Käthe Seele aus Braunschweig heiratete. Um seiner Familie ein dauerhaftes Einkommen zu sichern, trat er nach einer kaufmännischen Lehre in die Eisengroßhandlung seines Schwiegervaters ein. Nach fünf Jahren aber fehlte ihm die Kunst so sehr, dass er 1934 dem Dasein als Kaufmann den Rücken kehrte und ein Bauerhaus am Westerbuchberg bei Übersee kaufte. Hier lebte er von da an als Landwirt, aber mit genügend Zeit für das Malen. Von da ab zog es ihn jedes Jahr nach erledigter Heuernte auf die Fraueninsel, wo er sich einem seiner Lieblingsmotive – den zum Trocknen aufgehängten Fischernetzen – widmen konnte. Mit zunehmendem Alter wendete er sich vielfach religiösen, oft düster-dramatischen Motiven zu, was wohl auf seine Erlebnisse als Bildberichterstatter während des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen ist.
Nachdem Gebhardt-Westerbuchberg 1952 seine Felder verpachtet hatte, konnte er sich bis zu seinem Tod im Februar 1969 ausschließlich seiner Lieblingsbeschäftigung widmen. „In den mehr als 40 Blättern zur Passion Jesu und den Pfingstbildern lässt sich eine existentielle Betroffenheit des Malers wahrnehmen, dem es um wesentlich mehr ging als biblische Texte zu illustrieren. In den Gesichtern der dargestellten Pfingstgemeinde lassen sich Betroffenheit, Erstaunen, Ergriffenheit und Unverständnis spüren…“ schreibt der Initiator und Organisator des „Atelierfensters“, Carsten Lewerentz und damit die Lebenswirklichkeit von F. S. Gebhardt-Westerbuchberg und die einer Generation zwischen Krieg und Frieden.
Die kleine sehenswerte Schau ist noch bis 31. Mai zu sehen. Das Atelierfenster ist in den Abendstunden ab 17 Uhr beleuchtet. Es liegt ein Heft für die gern gesehenen Gedanken dazu und Kommentare der Betrachter aus.
Bericht und Repro: Christiane Giesen – „…und ein großes Rauschen erfüllte die Luft…“ zum Pfingstwunder Monotypie im Atelierfenster von Carsten Lewerentz in Staudach.




