Hat die Bachmuschel an der Ischler Ache eine Zukunft? – Vortragsveranstaltung des BUND Naturschutz mit Dr. Melanie Müller in Eggstätt zur Umsetzung hochpriorisierter Schutzmaßnahmen und Ursachenforschung zum dramatischen Bestandsrückgang der streng geschützten Bachmuschel am 19.05.2026 um 19 Uhr im Gasthaus Unterwirt / Eggstätt
Die Bachmuschel (Unio crassus), einst die häufigste Süßwassermuschel Europas, zählt heute zu den am stärksten gefährdeten Arten unserer Fließgewässer (Rote Liste Deutschland: vom Aussterben bedroht). Auch in der Ischler Ache in der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte (Landkreis Rosenheim und Traunstein) ist ihr Bestand dramatisch zurückgegangen: Während dort vor rund 25 Jahren noch über 10.000 Tiere nachgewiesen wurden, liegen aktuelle Bestände bei unter 200 Individuen.
Die Bachmuschel ist nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt. In der Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Deutschlands und Bayerns ist sie als „vom Aussterben bedroht“ gelistet. Auf internationaler Ebene ist sie und ihre Lebensräume durch die europäische Fauna-Flora-HabitatRichtlinie (Anhang II und IV) geschützt.
Besonders ihr Fortpflanzungszyklus ist komplex: Die Larven (Glochidien) sind zwingend auf geeignete Wirtsfische wie beispielsweise Döbel, Nase, Stichling oder Elritze angewiesen. Nach der Aufnahme über die Kiemen heften sich die Larven dort für einige Wochen an und entwickeln sich parasitisch weiter. Erst anschließend lösen sie sich als Jungmuscheln und leben mehrere Jahre eingegraben im Sediment. Die Überlebensrate ist äußerst gering – nur etwa 0,01 % der Larven erreichen das Erwachsenenstadium. Intakte und artenreiche Fischbestände sind daher eine Grundvoraussetzung für den Fortbestand der Art.
Gleichzeitig erfüllt die Bachmuschel eine wichtige Funktion im Gewässerökosystem: Als Filtrierer verbessert sie die Wasserqualität, indem sie Schwebstoffe und Nährstoffe aus dem Wasser entfernt. Als sogenannte Schirmart trägt ihr Schutz zur Stabilisierung ganzer Lebensgemeinschaften in Fließgewässern bei.
Im Rahmen des Biodiversitätsprojektes „Die Bachmuschel in Traunstein“, welches landkreisübergreifend auch im Landkreis Rosenheim stattfindet, sollen die Ursachen für den Bestandseinbruch der Bachmuschel in der Ischler Achen analysiert werden, der Rückgang der Bachmuschel verhindert und der Erhaltungszustand mittelfristig verbessert und langfristig gesichert werden. Innerhalb des vierjährigen Projektzeitraums (2024-2028) arbeitet ein interdisziplinäres Projektteam aus Biologinnen, Naturschutzgenetikern und Fischzüchtern an den zentralen Fragestellungen. Projektinhalte sind unter anderem das Monitoring der Muschelbestände, Problemanalyse, Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes, Nachzucht von Bachmuscheln und Öffentlichkeitsarbeit.
Zu diesem Zweck hält die Projektleiterin, die Biologin Melanie Müller, am 19.05.2026 um 19 Uhr im Gasthaus Unterwirt einen Vortrag auf Einladung des BUND Naturschutz Ortsgruppe Bad Endorf / Eggstätt. Alle interessierten Bürger sind herzlich eingeladen, der Veranstaltung beizuwohnen und sich zu diesem wichtigen Thema zu informieren.
Weitere Infos: (https://rosenheim.bund-naturschutz.de/ortsgruppen/bad-endorf-eggstaett/themenschwerpunkt-bachmuschelschutz)
Bericht und Foto: BUND Naturschutz, Ortsgruppe Bad Endorf / Eggstätt




