Im Landkreis Rosenheim sind erstmals Bürgerinnen und Bürger gezielt auf die verantwortungsvolle Aufgabe einer ehrenamtlichen Vormundschaft vorbereitet worden. Das Kreisjugendamt organisierte dazu ein vierteiliges Vorbereitungsseminar, das vom 28. Februar bis 19. März 2026 stattfand. Insgesamt 13 Teilnehmende – sieben Frauen und sechs Männer – absolvierten die Fortbildung.
Das Seminar richtete sich an Interessierte, die sich ehrenamtlich für Kinder und Jugendliche engagieren möchten, die einen Vormund benötigen. Nach einer ersten Kontaktaufnahme durchliefen die Bewerberinnen und Bewerber persönliche Gespräche, in denen Motivation, Voraussetzungen und die Eignung für das Ehrenamt geklärt wurden.
„Mit dem Seminar wollten wir den Teilnehmenden nicht nur fachliches Wissen vermitteln, sondern sie auch in ihrer Rolle stärken und auf die vielfältigen Herausforderungen vorbereiten“, erklärt Organisatorin Rahel Wacker vom Kreisjugendamt. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie groß das Engagement und die Bereitschaft sind, Verantwortung für junge Menschen zu übernehmen.“
Inhaltlich umfasste das Seminar fünf Module: Neben den gesetzlichen Grundlagen und der Rolle als Vormund standen die Zusammenarbeit mit dem Familiengericht, Einblicke in die Kinder- und Jugendhilfe sowie der Umgang mit belasteten Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen im Fokus. Auch das Thema unbegleitete minderjährige Geflüchtete wurde intensiv behandelt. Als Referentinnen und Referenten wirkten Fachkräfte aus Justiz, Jugendhilfe und Beratung mit. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden die fachliche Kompetenz der Referierenden sowie die praxisnahen Inhalte. Viele fühlen sich nun gut vorbereitet auf ihre zukünftige Aufgabe und möchten sich weiterhin engagieren.
Im Anschluss an das Seminar folgen individuelle Gespräche sowie die Vermittlung passender Vormundschaften in enger Zusammenarbeit mit den Amtsvormündern. Eine Neuauflage des Vorbereitungsseminars ist bereits geplant: Der nächste Durchgang soll im Oktober 2026 stattfinden, erste Interessierte haben sich bereits gemeldet. Mit dem Angebot stärkt der Landkreis Rosenheim gezielt das ehrenamtliche Engagement im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zur Unterstützung junger Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Eine Gesetzesänderung von 2023 stärkt das Ehrenamt und die Rechte der Kinder. Während berufliche Vormünder viele Fälle betreuen, kümmern sich Ehrenamtliche meist nur um ein oder zwei Kinder – und können so eine enge, tragfähige Beziehung aufbauen, die oft über die Volljährigkeit hinausgeht.
Bericht und Foto: LRA Rosenheim – Rahel Wacker (5.v.re.) mit den erfolgreichen Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern.




