Unterwössen – Manchmal braucht es kein Wort, um Vertrauen zu schaffen. Ein Pferd kann Nähe zulassen, Mut machen und Menschen auf eine ganz besondere Weise erreichen. Genau hier setzt die Arbeit des Vereins Pferdegestützte Therapie e. V. an. Sein Motto bringt die Idee auf den Punkt: „Pferde helfen Menschen.“
Seit 26 Jahren engagiert sich der Förderverein regional im Chiemgau dafür, möglichst vielen Menschen mit Beeinträchtigungen eine pferdegestützte Therapie zu ermöglichen. Die Nachfrage nach den Therapieplätzen ist groß – doch die Finanzierung wird zunehmend schwieriger. Umso willkommener ist die Spende von 1.000 Euro der „Staudhammer-Schallmoser Stiftung für Mensch und Tier“ aus Altötting, die damit die wertvolle Arbeit des Vereins unterstützt. Die Therapiemöglichkeiten finden in idyllischer Umgebung in Litzelau statt. Auf dem gepflegten Gelände gibt es Auslauf für die Pferde und auch für Esel. Hier arbeiten Menschen und Tiere eng zusammen – und genau diese Begegnung kann therapeutisch viel bewirken.
Gesine Herzog von der Heilpädagogischen Praxis Pusteblume erklärt, warum das Pferd dabei eine so besondere Rolle einnimmt: „Das Pferd spricht den Menschen anders an.“ Es wirke auf verschiedenen Ebenen als Motivator und eröffne Möglichkeiten, die andere Therapieformen nicht bieten könnten. Der Kontakt zum Tier könne körperliche, emotionale und soziale Entwicklungsziele fördern.
Unter dem Begriff „Therapeutisches Reiten“ werden dabei verschiedene Fachbereiche zusammengefasst. Beim heilpädagogischen Reiten und Begleiten stehen pädagogische, psychologische und sozio-integrative Ziele im Mittelpunkt. Die Hippotherapie ist dagegen eine physiotherapeutische Behandlung auf neurophysiologischer Grundlage, bei der das Pferd als Co-Therapeut eingesetzt wird. Sie wird ärztlich verordnet und von speziell ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt. Darüber hinaus bietet der Behindertenreitsport Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit, gemeinsam Pferdesport zu betreiben – mit entsprechend geschulten Pferden und speziellen Hilfsmitteln sogar in Schritt, Trab und Galopp.
Dass diese Angebote gebraucht werden, zeigt die große Nachfrage. Gleichzeitig steht der Förderverein vor einer schwierigen Situation: Seit rund 20 Jahren beteiligen sich die Krankenkassen nicht mehr an der Finanzierung. Damit ist der Verein auf private Spenden angewiesen. Doch gerade die Spendenbereitschaft von Unternehmen ist aufgrund der wirtschaftlich angespannten Lage in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Rücklagen und finanzielle Polster werden deshalb dringend benötigt – und dennoch können längst nicht alle Anfragen nach Therapieplätzen erfüllt werden.
„Obwohl bekannt ist, wie wirksam diese Art der Therapie ist, wird sie ausschließlich durch private Spenden unterstützt“, sagt Karin Lorenz-Hallé. Für die Betroffenen und ihre Familien bedeutet das häufig, dass eine gewünschte Therapie nicht ohne Weiteres ermöglicht werden kann. Die nun überreichte Spende ist deshalb weit mehr als ein symbolischer Betrag. Sie hilft ganz konkret dabei, Therapieangebote aufrechtzuerhalten und Menschen die wertvolle Begegnung mit dem Pferd zu ermöglichen. Überreicht wurde der symbolische Scheck von Monika Staudhammer, Stiftungsratsvorsitzende der „Staudhammer-Schallmoser Stiftung für Mensch und Tier“, und Rainer Schallmoser, stellvertretender Vorsitzender. Die Stiftung aus Altötting steht unter dem Dach der VR Bank Rosenheim-Chiemsee Stiftung. Von der Spende profitieren unter anderem Sarah mit dem Huzule-Pferd Camillo und Therapeutin Gesine Herzog. Für Sarah ist Camillo dabei nicht einfach nur ein Pferd: Er ist Partner, Motivator und Teil ihrer Therapie.
Damit die besondere Arbeit auch künftig möglichst vielen Menschen zugutekommen kann, freut sich der Förderverein über weitere Unterstützung. Helfen kann man mit einer Spende oder einer Mitgliedschaft.
Weitere Informationen gibt es unter www.pferdehelfenmenschen.de und www.pferdegestuetzte-therapie.com.
Text und Bilder: Sybilla Wunderlich




