Natur & Umwelt

Wasserbeschaffungsverband im Achental

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Verbandsversammlung des WBV Ettenhausen im Alpenhotel Dahoam  – Der Wassercent kommt ab 1. Juli   –   Schleching – Die Verbandsversammlung des WBV (Wasserbeschaffungsverband) Ettenhausen zeigte, dass für die Bereitstellung von Trinkwasser viel Fachwissen und Zeit nötig ist, um den gesetzlichen Regularien Rechnung zu tragen. Allerdings drängte sich bei dem ausführlichen Bericht vom Vorstand, Andreas Müllinger auch der Gedanke an einige Bürokratie-Monster auf, die die Vorstandschaft -in ihrer Freizeit- erfüllen musste.

Allein die regelmäßig wiederkehrenden Arbeiten nehmen viel Zeit in Anspruch. So werden viermal jährlich im Beisein ein Vorstandsmitgliedes Wasserproben entnommen und durch Agrolab nach der Trinkwasserverordnung und verschiedenen Parametern untersucht, sowie einmal jährlich mit erweiterten Parametern. Ebenso die Wartungsarbeiten an den UV- und UF-Anlagen. Nach Bedarf muss die Reinigung des Hochbehälters (Sammelbecken) durchgeführt werden, 2025 gab es keine Notwendigkeit.

Weitere Arbeiten sind die jährlichen Mäharbeiten rund um den Hochbehälter und den Quellsammlern, der Unterhalt der Straße zum Hochbehälter und Zuwege zu den insgesamt drei Quellsammlern und die Zaunreparatur um die die enge Schutzzone. Hier helfen alle zusammen in dem sehr steilen Gelände, erklärte Andreas Müllinger. Reihum werden der wöchentliche Bereitschaftsdienst und die Kontrolle der Versorgungsanlagen für alle Vorstandsmitglieder nötig.

Wichtige Lecksuche

Um Wasserverluste so gering wie möglich zu halten, wird vom Vorstand großes Augenmerk auf den Tagesverbrauch gelegt, um ein mögliches Leck schnellstmöglich zu entdecken und zu beseitigen. In dem Berichtsjahr gab es deutlich mehr Lecks, sechs Mal ging es erfolgreich auf Lecksuche. Die laufenden Verwaltungsarbeiten nehmen auch immer mehr Zeit in Anspruch. Bei jeder Baugenehmigung muss auch der WBV eine Stellungnahme abgeben. Bei den Jahresberichten an das Wasserwirtschaftsamt Traunstein sind viele Seiten Formulare auszufüllen. Auch der Schriftverkehr mit anderen Behörden (Landesamt für Umwelt, Berufsgenossenschaft, Bayerisches Landesamt für Statistik) wird immer umfangreicher, es werden diverse Informationen doppelt abgefragt, was reduziert werden könnte, wenn die Behörden die Daten untereinander austauschen würden.

Wasserverbrauch in Ettenhausen

Einmal im Monat wird die Quellschüttung (Quelle 1-5, Quelle 6 und 7) in Liter pro Sekunde gemessen. Die Zahl war im Jahresverlauf 2025 schwankend zwischen 4,70 bis 7,10 Ltr./sec. Das ist abhängig von den Niederschlägen. Im Jahr 2025 lagen die Erträge zwei Liter drunter, im Vergleich zu den letzten drei Jahren. Der Vorstand will diesen Umstand im Auge behalten und die Entwicklung der Quellen genau beobachten. Der Tagesbedarf liegt zwischen 100 bis 180 Kubikmeter. Die gesamt entnommene Wassermenge betrug 38 631 Kubikmeter im Jahr 2025 für 199 Haushalte. Der Wasserverlust war mit 0,6 Prozent sehr gering.

Neue Verordnung der EU

Andreas Müllinger erklärte die neue Trinkwassereinzugsgebieteverordnung (TrinkwEGV) der EU. Diese beinhaltet diverse administrative Aufgaben für den WBV Ettenhausen. Gefordert wurde eine Dokumentation über die Bewertung des Trinkwassereinzugsgebietes, diese wurde gemeinsam mit einem Diplom Geologen auf 41 (!) Seiten erstellt. Weitere Dokumentationen müssen ausgearbeitet werden. Auf Nachfrage des Vorstandes, was mit den Berichten passiert, da die meisten Prüfberichte ja schon bei den Behörden bekannt sind, gab es keine befriedigende Antwort!

Der Wassercent kommt ab 1. Juli

Das Thema „Wassercent“ wurde bisher in Bayern nicht umgesetzt, bis im November 2025 die Novelle des Bayerischen Wassergesetzes verabschiedet wurde. Die Einführung beginnt ab 1. Juli. Der Wassercent wird auf alle Nutzer, die Grundwasser entnehmen, umgelegt für zehn Cent pro Kubikmeter. Es gibt eine Freigrenze von  5 000 Kubikmeter. Das bringt geschätzt jährliche Einnahmen von 80 Millionen Euro für den Staat. Die Verwendung soll zweckgebunden sein für den Wasserschutz, Trinkwasserversorgung, nachhaltiger Wasserbewirtschaftung und Hochwasserschutz. Es gibt viele Ausnahmeregelungen für bestimmte Industriebereiche und die Landwirtschaft. Der WBV Ettenhausen wird einen Kostenbescheid vom LRA Traunstein für den Wassercent erhalten.

Durch das „Kostendeckungsprinzip“ der Wasserversorger sind die Kosten des Wassercents bei der Gebührenkalkulation zu berücksichtigen und auf den Wasserpreises umzulegen. Dem WBV entstehen knapp 4 000 Euro an Mehrkosten pro Jahr. Der WBV Ettenhausen wird den Wasserpreis von 40 Cent auf 50 Cent pro Kubikmeter erhöhen. Aber für 96 Prozent der Haushalte werden keine Mehrkosten entstehen, da im Rahmen der Bereitstellungsgebühr 150 Kubikmeter pro Wohneinheit enthalten sind. Für jeden weiteren Kubikmeter über 150 Kubikmeter werden zirka vier Prozent Mehrkosten entstehen. Der Bruttopreis beträgt inklusive 7 Prozent Mehrwertsteuer 50 Cent.

Der WBV ist doch Umsatzsteuerpflichtig

Das Thema „Umsatzsteuerpflichtig oder nicht?“ beschäftigt den WBV schon längere Zeit. Nach mehreren unterschiedlichen Auffassungen von verschiedenen Steuerberatern und der Meinung des Finanzamtes, gab es jetzt die finale Entscheidung, dass der WBV bei Rechnungsstellung die Umsatzsteuer ausweisen muss. Das Finanzamt besteht nun auf rückwirkende Veranlagung. Sobald das Ergebnis vorliegt, wird eine Information bekanntgegeben. Kassier Christian Summerer verlas einen ausgeglichenen Kassenbericht, Entlastung konnte erteilt werden. Kassenprüfer Hartmut Rihl vermerkte, dass die Bürger in Ettenhausen froh sein können, eine neue und junge Vorstandschaft beim WBV zu haben, die die große Expertise und das Pflichtbewusstsein des „alten“ Vorstandes weiterführen und die ihre Freizeit für die vielen oben beschriebenen Aufgaben einsetzen. wun

Foto: Sybilla Wunderlich  – Andreas Müllinger bei seinem Vortrag

 

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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