Kultur

TS: Abschluss der Sommerkonzerte

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Bewegung, tiefe Inspiration und virtuoses Musizieren  – Mit Bravour gingen die 47. Traunsteiner Sommerkonzerte im Kulturforum Klosterkirche zu Ende.

Dass die Traunsteiner Sommerkonzerte ein unschätzbarer Gewinn für die Stadt Traunstein sind und besonders für das Publikum, das regelmäßig von weit her anreist, bewies das Abschlusskonzert nach sechs fast ausverkauften Konzerten auch am Schluss. Zwei anspruchsvolle Streichquintette von Anton Bruckner (1824 bis 1896) und Johannes Brahms (1833 bis 1897) standen auf dem Programm. Bruckners Spätwerk, das Streichquintett F-Dur WAB 112, hielt der Komponist lange selbst für sein letztes Werk; geschrieben Ende 1878 bis Sommer 1879, ist es Herzog Max Emanuel von Bayern gewidmet, einem großen Förderer der Kultur. Der österreichische Bruckner, tief katholisch, kam aus der Kirchenmusik, was auch in diesem Quintett zu spüren ist; an dem er lange arbeitete und immer wieder neue Fassungen entstehen ließ.

Fünf Meistervirtuosen spielten auf ihren Instrumenten dieses auch technisch sehr anspruchsvolle Stück, bei dem nicht nur die Tonarten, sondern auch der musikalische Charakter beständig wechseln. Maria Ioudenitch und Johannes Strake auf den Geigen, Sylvia Zucker und Jano Lisboa auf den Bratschen sowie Maximilian Hornung am Cello gelang es glänzend, mit völliger Hingabe, Konzentration und Einfühlungsvermögen die teils sehr schweren, emotionalen Tiefen der Musik wiederzugeben. Dazwischen wurden sie immer wieder abgelöst von munter-fröhlichen Passagen, die reinstes Glück zu vermitteln schienen.

Tief beeindruckt ging das Publikum an dem schwülheißen Spätsommerabend in die Pause, um in kleinerem Kreis das Gehörte zu diskutieren. Wegen so vieler über die Jahrzehnte treuer Besucher der Sommerkonzerte kommen auch leicht einander eigentlich Fremde ins Gespräch, die man gefühlt „schon ewig kennt“. Viel zu schnell ging die Pause zu Ende, bevor es befreiend, „leichter“ mit dem Streichquintett G-Dur Opus 111 von Johannes Brahms weiterging.

Obwohl von den Jahrgängen her ähnlich, schrieben die beiden Komponisten ganz unterschiedliche Musik, wobei jeder von ihnen sehr überzeugte Anhänger hatte. Nicht nur die Anhänger von Wagner und Liszt lehnten häufig den „konservativen“ Brahms ab, weil er angeblich die klassisch-romantische Tradition einfach weiterführte, ohne Neues zu bringen. Bei Uraufführungen und Konzerten sowohl von Bruckner als auch von Brahms lieferten sich deren geradezu militante Fans regelrechte Gefechte und störten bei und nach den Aufführungen mit faulen Eiern, Tomaten, Buh-Rufen und mehr. Das alles, obwohl die beiden Komponisten einander durchaus schätzten und die Arbeit des anderen verstanden, wie aus Briefen eindeutig hervorgeht.

Johannes Brahms hatte sein G-Dur-Streichquartett 1890 in Bad Ischl komponiert. Es stellt den fulminanten Schlusspunkt seines kompositorischen Schaffens dar. Im ersten Satz, Allegro non troppo, ma con brio, eröffnet ein weit ausgreifendes Cellothema mit dichter Begleitung der übrigen Streicher das Quintett, woraufhin ausgelassene Walzermotive mit Anklängen an Johann Strauß folgen. Das in d-Moll stehende Adagio ist in seiner Tonalität an ungarische Volkslieder angelehnt und ist ein inniges Klagelied in der Tradition der Elegie. Die wiederholte Tonfolge F–A–E bezieht sich auf den Wahlspruch des befreundeten Geigers Joseph Joachim „Frei, aber einsam“: Sie kann als Rückblick des stets ungebundenen Komponisten auf sein eigenes Leben gedeutet werden, wie Roxane Lindlacher in dem sorgfältig ausgearbeiteten Programmheft schreibt. Am Schluss des Quintetts folgt eine Wandlung zum ungarischen Csárdás, die das Publikum schließlich zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Natürlich gab es im Anschluss gefühlt minutenlangen Applaus, Bravorufe und stehende Ovationen für die jungen, grandiosen Musiker. Bei seinen Dankesworten für die gelungenen Traunsteiner Sommerkonzerte 2026 verriet Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer, dass er sich mit Maximilian Hornung geeinigt habe und die Sommerkonzerte weitere sechs Jahre gesichert seien. Jubelnder Applaus folgte. Eine Abschlussbilanz über die diesjährigen Sommerkonzerte folgt.

Bericht und Fotos: Christiane Giesen


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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