In memoriam Georg Danzer
Der Tauriska Kammerlanderstall war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die zweite Ausgabe der Konzert- und Lesereihe „Einihorchn & Zualosn“ über die Bühne ging. Die von Charly Rabanser initiierte Reihe, die im Jänner unter dem Motto „Gegen die häusliche Ofenbank-Vereinsamung“ eröffnet wurde, prägt das Jahr 2026 als ein Jahr des Erinnerns und der kulturellen Verbundenheit.
Der Abend stand ganz im Zeichen von Georg Danzer, dessen Todestag sich am Folgetag zum 20. Mal jährte. Gemeinsam mit der Band Changes holte Rabanser einen fast vergessenen Edelstein aus Danzers Schaffen zurück ins Rampenlicht: das 1974 erschienene Konzeptalbum „Der Tätowierer und die Mondprinzessin“. Im Kammerlanderstall erhielt dieses Werk eine neue, eindringliche Lebendigkeit. Poetische, symbolreiche Texte verschmolzen mit feinfühliger Musik und erzählerischer Intensität zu einem atmosphärischen Gesamtkunstwerk. Die stilistische Vielfalt des Albums – von verträumten, luftigen Melodien bis zu schwermütigen Klangfarben – entfaltete sich eindrucksvoll im Raum. Spätestens bei den Klassikern „Jö schau“ und „Ruaf mi net an“ war das Publikum vollkommen gefangen. Am Ende dankte es mit Standing Ovations; Musik und Texte wurden als herausragend gefeiert.
Die Band Changes zeigte an diesem Abend ihre ganze musikalische Stärke. Seit ihrer Gründung im Jahr 2024 tourt das Pinzgauer Trio erfolgreich durch die Region und interpretiert englische Pop- und Rockklassiker mit feinem Gespür in Dialektfassungen, die sie in eigenen Arrangements neu gestalten. Die langjährige musikalische Freundschaft von Albert Bernhard und Chris Ebenkofler, beide aus Neukirchen am Großvenediger, prägte den Klang ebenso wie die frische Energie des jungen Pianisten Alex Gabriel aus Mittersill, der 2024 zur Band stieß. Gemeinsam formten sie einen warmen, dichten Klangkörper, der Danzers Werk mit großer Sensibilität trug.
Mit der Reihe „Einihorchn & Zualosn“ möchten die Tauriskaner Susanna Vötter-Dankl, Sarah Vötter und Christian Vötter zwei beinahe vergessene Tugenden wieder ins Bewusstsein rücken: das aufmerksame Hinhören und das bewusste Zuhören. Charly Rabanser nahm das Publikum dabei mit auf eine poetische Reise in einem imaginären Salonwagen des „Tauriska-Express“ – schmalspurig wie die Pinzgaubahn, aber voller Intensität. Diese Fahrt durch Lebens- und Jahreszeiten wurde von einem musikalischen „Zugsbegleitpersonal“ begleitet, das an den metaphorischen Bahnhöfen immer neue Stimmungen entfaltete und die Mitreisenden berührte.
Der Abend machte eindrucksvoll sichtbar, wie lebendig Sprache, Musik und Erinnerungskultur im Tauriska Kammerlanderstall gepflegt werden und wie kraftvoll sie Menschen miteinander verbinden.
Bericht und Fotos: tauriska









