Kultur

Salzburg: Sternstunden der Liedkunst

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Wahre Sternstunden der Liedkunst  oder   Sopranistin Lisette Oropesa brilliert mit spanischen und kubanischen Liedern  – Hervorragender Liederabend bei den Salzburger Festspielen   -von Daniella Rieger-Böhm

Im Gegensatz zu deutschen, englischen oder französischen Liedern, hört man in hiesigen Konzerthäusern eher selten spanische oder sogar kubanische Vokalmusik. Um so entzückter war das Festspiel-Publikum im Haus für Mozart, als Star-Sopranistin Lisette Oropesa mit dem Pianisten Rubén Fernández Aguirre eine ganz eigene Klangwelt herzauberten. Es wurde ein Abend voller Leidenschaft und Poesie, musikalisch innig dargebracht von zwei exquisiten Künstlern, die von Beifallsstürmen umwoben wurden.

Die lyrische Koloratursopranistin Lisette Oropesa kehrt mit dem Programm dieses Liederabends zurück zu ihren eigenen Wurzeln. Sie ist Enkelin spanischer und kubanischer Einwanderer. Geboren wurde sie in New Orleans und studierte im Bundesstaat Louisiana, bevor sie ihre internationale Karriere begann. Nun ist sie ständiger Gast an der Metropolitan Opera in New York, der Wiener Staatsoper und der Bayerischen Staatsoper, um nur einige zu nennen. Bei den Salzburger Festspielen faszinierte die amerikanische Sopranistin letztes Jahr in der Titelrolle von Verdis „Maria Stuarda“.

Diesen Sommer sang sie spanische und kubanische Kostbarkeiten, zusammen mit dem einfühlsam begleitenden Pianisten Rubén Fernández Aguirre, geboren in Bilbao, der von dem Ausnahme-Begleiter Wolfram Rieger beraten wird. Auf dem Programm standen „Zarzuelas“ (spanische Operetten) und Lieder von Enrique Granados, Manuel de Falla, Isaac Albéniz und Joaquín Rodrigo sowie der kubanischen Komponisten Joaquín Nin, Ernesto Lecuona, Eduardo Sánchez de Fuentes, Jorge Anckermann und Gonzalo Roig.

Dabei besticht Lisette Oropesa nicht nur mit einer ausgefeilten Gesangstechnik, sondern auch mit ihrem natürlichen Spiel. Ihr gelingt der Spagat zwischen federleichter Fröhlichkeit und dramatischer Melancholie. Jede Geste sitzt – jedes Lächeln, jeder Blick – immer im Dienste der Poesie. Sie durchlebt die Texte physisch ganz tief, mit südlichem Temperament. Als Muttersprachlerin beherrscht sie das kastilische Spanisch ebenso perfekt wie den kubanischen Akzent, wobei sie mit exzellenter Aussprache überzeugt.

Die Zuhörer sind gebannt von dieser großen Künstlerin, die mit dem Pianisten eine Einheit bildet – wahre Sternstunden der Liedkunst!

Rubén Fernández Aguirre nimmt sich als Begleiter sehr zurück, ist jedoch stets präsent. Seine eigene Klasse zeigt er in Solo-Stücken: Den populären „Tango“ aus der Suite „España“ von Isaac Albéniz und das hier weniger bekannte „Granada“ von Ernesto Lecuona spielt er perlend, mit fein abgestimmter Dynamik. Die Zuhörer sind von ihm begeistert, bis hin zu Bravo-Rufen.

Hierzulande ungewöhnliche Melodien entlockt Lisette Oropesa dem Walzerlied „Como nací en la calle de la Paloma“ (aus Francisco Asenjo Barbieris „El Barberillo de Lavapiés“, von 1874), und mit Humor erläutert sie in der Arie „Las carceleras“ (aus der 1889 uraufgeführten Zarzuela „Las hijas del Zebedeo“ von Ruperto Chapí), wie man „Gefangene seiner Gefühle“ sein kann.

Wahre Sternstunden der Liedkunst!

In den „Siete canciones populares españolas“ von Manuel de Falla und den drei „Canciones amatorias“ von Enrique Granados arbeiten Sängerin und Pianist mit meisterhafter Finesse die jeweiligen Situationen und Charaktere heraus. Spätromantische klassische Musik wird mit Volksmusik anspruchsvoll verwoben. Besonders beeindruckten die Ausnahmekünstler mit der Interpretation der „Madrigales amatorios“ von Joaquín Rodrigo (bekannt durch sein Gitarrenkonzert „Aranjuez“), die sie mit Melismen der Renaissance verziert. In der zweiten Hälfte des Abends stellten Oropesa und Fernández Aguirre kubanische Kompositionen vor. Man merkt sofort, dass die Rhythmen von Tänzen wie Habanera, Seguidilla und Tango geprägt sind.

Ihr schauspielerisches Talent stellte Oropesa in den Arien aus Lecuonas Einakter „María la O“ und Roigs Zarzuela „Cecilia Valdés“ unter Beweis. Die Koloratursopranistin streute dabei mühelos klingende Spitzentöne dazwischen, die an Mozarts Königin der Nacht erinnerten. Mit Mozart beschloss sie auch diesen denkwürdigen Abend, nachdem sie bereits eine Zugabe gesungen hatte. Als Hommage an den genialen Komponisten und an Salzburg sang sie zum ersten Mal öffentlich und sehr berührend die Arie der Gräfin („Porgi, amor“) aus „Figaros Hochzeit“.

Das Publikum war hingerissen und die Bravo-Rufe für beide Künstler wollten nicht enden.

Bericht: Daniella Rieger-Böhm –  Fotos: Marco Borelli (Salzburger Festspiele)  –  Ein bestens aufeinander abgestimmtes Duo: Sopranistin Lisette Oropesa und Pianist Rubén Fernández Aguirre begeisterten das Publikum mit Liedern aus Spanien und Kuba.

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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