„Heute hat der Flügel gesungen” Der 19-jährige Pianist Elias Keller begeistert mit Beethoven, Mozart und Liszt Ainring. „Heute hat der Flügel gesungen“, sagte eine Zuhörerin nach dem Konzert sichtlich ergriffen. Treffender hätte man den Abend im Wohnstift Mozart kaum beschreiben können. Denn wenn Elias Keller am Steinway Platz nimmt, wird aus einem Instrument ein Klangkörper von erstaunlicher Ausdrucksvielfalt. Der erst 19-jährige Pianist bewies in einem anspruchsvollen Programm nicht nur technische Souveränität, sondern vor allem musikalische Reife.
Ob Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart oder Franz Liszt – Keller begegnete jedem von ihnen mit sicherem Stilgefühl. Derzeit studiert er am staatlichen Konservatorium in Venedig und am Ludwig-van-Beethoven-Institut in Wien. Er wird von seinem Firmpaten Dr. Michael Schaffer, dem Ehepaar Max und Evelyn Aicher sowie dem Rotary Club unterstützt. Pianistenlegende Rudolf Buchbinder bescheinigt ihm ein außergewöhnliches musikalisches Talent und sieht in ihm einen vielversprechenden „Rising Star“ der neuen österreichischen Pianistengeneration. Der Anlass des Abends sei das „Bach-Gedächtnis-Konzert“, sagte Geschäftsführer Stefan Freitag in seiner Begrüßung. Nicht an Johann Sebastian wollte man jedoch denken, sondern an „unsere liebe Frau Jutta Bach, die am 19. September 2008 dem Stift diesen Steinway-Flügel gestiftet hat. Für hochklassige Musik brauche man hochklassige Instrumente“, habe sie damals gesagt.
Der Abend war deshalb auch als Dank an alle Spender und Stifter gedacht, die das kulturelle Leben des Hauses ermöglichen. Kulturreferentin Manuela Höfer wies augenzwinkernd darauf hin, dass auch der Mozartsaal zu den internationalen Bühnen gehöre, auf denen der junge Pianist bereits aufgetreten ist. Beethovens „Waldstein-Sonate” op. 53 in C-Dur eröffnete den Abend kraftvoll und spannungsreich. Die weit gespannten Bögen, die orchestrale Klangfülle und die virtuosen Passagen meisterte der junge Pianist mit beeindruckender Selbstverständlichkeit.
Bei Franz Liszts „Ungarischer Rhapsodie Nr. 14“ trat die ganze Brillanz seines Spiels hervor. Melodie und Begleitung wanderten zwischen den Registern, während Keller mit großer Unabhängigkeit der Hände die unterschiedlichen Klangschichten formte. In den „Réminiscences de Don Juan“ von Liszt schließlich wurde aus Virtuosität beinahe pianistische Akrobatik. Aus Mozarts „Don Giovanni“ hatte Liszt eine Folge virtuoser Variationen entwickelt. Die Arien daraus ließ Keller auf dem Flügel gleichsam neu entstehen. Ganz anders der Charakter von Mozarts 12 Variationen über „Ah, vous dirai-je, Maman“. Hier zeigte Keller, dass sein Können nicht in äußerem Glanz aufgeht. Mit feinem Anschlag und großer Transparenz ließ er die Variationen leicht und beinahe spielerisch erscheinen. Gerade in diesen leisen Momenten wurde deutlich, wie genau der junge Pianist gestaltet.
Das Publikum im Mozartsaal war begeistert und dankte mit stehenden Ovationen für den Hochgenuss. Die Zugabe geriet schließlich zum augenzwinkernden Kontrapunkt des Abends: Keller spielte Mozarts „Türkischen Marsch“ in einer von ihm selbst komponierten Jazz-Version. Was zuvor an klassischer Virtuosität zu hören war, erhielt damit noch eine ganz persönliche Note und ließ den Flügel nicht nur singen, sondern beinahe auch tanzen.
Text und Fotos: Brigitte Janoschka








