Zum Völkermordgedenktag an den Armeniern am 24. April – Renovabis-Chef: Gedenken an den Völkermord verpflichtet zum Handeln heute
Freising – Der Völkermord an den Armeniern von 1915 ist für das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte, sondern eine bleibende Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft. „Er ist eine eindringliche Mahnung gegen das Vergessen und ein Auftrag zum Handeln – gerade angesichts heutiger Gewalt und Vertreibung“, betont der Hauptgeschäftsführer von Renovabis, Pfarrer Dr. Thomas Schwartz, mit Blick auf den Gedenktag am 24. April.
Diese Haltung bekräftigt Schwartz wenige Tage nach seinem Besuch an der Ewigen Flamme der Gedenkstätte Zizernakaberd in Jerewan, wo er der Opfer des Genozids gedachte. Die Anerkennung historischer Verbrechen sei eine unverzichtbare Grundlage für eine stabile und gerechte Friedensordnung – in der Region wie weltweit, so der Renovabis-Chef. „Die furchtbare und menschenverachtende Vergangenheit zu verschweigen oder gar zu verleugnen, würde neuen Gräueltaten in der Gegenwart den Boden bereiten.“ In diesem Zusammenhang erinnert Schwartz an die Worte von Papst Franziskus, der bei seinem Besuch der Genozidgedenkstätte am 25. Juni 2016 erklärte: „Sich daran zu erinnern ist notwendig, besser noch: eine Pflicht. Denn wo es kein Gedenken gibt, hält das Böse die Wunde weiter offen.“
Integration der Vertriebenen aus Bergkarabach
Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage von mehr als 100.000 Menschen aus Bergkarabach, die im Herbst 2023 ihre Heimat verlassen mussten und nun in Armenien Schutz suchen, fordert Schwartz eine klare Ächtung ethnischer Vertreibungen. Zugleich wirbt er für eine politische und gesellschaftliche Integration der Betroffenen sowie für die Fortsetzung eines ernsthaften und glaubwürdigen Aussöhnungsprozesses zwischen Armenien und Aserbaidschan. Armenien stehe vor enormen gesellschaftlichen Herausforderungen. Renovabis reagiert darauf mit einer verstärkten Förderung von Projekten, die auf eine nachhaltige Integration der aus Bergkarabach Vertriebenen abzielen. „Es geht längst nicht mehr nur um das nackte Überleben“, so Schwartz. „Es geht um Würde, um Perspektiven und um ein neues Zuhause. Diese Menschen haben unter Gewaltandrohung alles verloren – wir dürfen sie beim mühsamen Aufbau einer neuen Existenz nicht alleine lassen.“
Pfingstaktion 2026: „zusammen_wachsen. damit Europa menschlich bleibt“
Die Unterstützung der Vertriebenen ist auch ein Schwerpunkt der Renovabis-Pfingstaktion 2026, die im Mai unter dem Leitwort „zusammen_wachsen. damit Europa menschlich bleibt“ stattfindet. Ziel ist es, die Schicksale der Menschen aus Bergkarabach stärker in das Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit zu rücken. „Dieses Motto ist für mich ein konkretes Arbeitsprogramm“, betont Schwartz. „Integration bedeutet, dass Geflüchtete und Einheimische gemeinsam an einer Zukunft bauen. Wenn wir das Schicksal der Vertriebenen in Armenien taten- und kommentarlos hinnehmen würden, verlöre Europa sein menschliches Antlitz. Wer das Gedenken an 1915 ernst nimmt, muss heute für die Vertriebenen von Bergkarabach einstehen.“ Im Rahmen der Pfingstaktion wird Renovabis bundesweit in Gemeinden und Schulen über die aktuelle Lage in Armenien informieren und um Unterstützung für die Integrationsprojekte werben.
Bericht und Foto: Renovabis
Renovabis unterstützt seit mehr als 30 Jahren Partnerorganisationen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Seit ihrer Gründung 1993 hat die Solidaritätsaktion rund 27.450 Projekte in 29 Ländern mit mehr als 920 Millionen Euro gefördert. Spendenkonto bei der LIGA-Bank eG, IBAN: DE24 7509 0300 0002 2117 77



