Land- & Forstwirtschaft

Neues beim ELF-Bezirksverband Oberbayern

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Unter dem Leitthema „Energiegewinnung, Düngeverordnung, Drohnentechnik – wie geht es weiter mit unserer Landwirtschaft?“ fand die Bezirksversammlung des Bezirksverbands der Arbeitsgemeinschaft für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AG ELF) Oberbayern im Schweiger Brauhaus in Markt Schwaben (Lkr. Ebersberg) statt. Neben turnusgemäßen Neuwahlen standen insbesondere aktuelle agrarpolitische Herausforderungen und technologische Entwicklungen im Fokus.

Bezirksvorsitzender Michael Hamburger begrüßte zahlreiche Delegierte sowie Ehrengäste aus Politik und Landwirtschaft. Sein besonderer Dank galt Bürgermeisterin und Bezirksrätin Walentina Dahms für die Unterstützung bei der Organisation der Veranstaltung. Unter den Gästen befanden sich unter anderem Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz sowie die Landtagsabgeordneten Sascha Schnürer und Sebastian Friesinger.

In seinem Bericht ging Andreas Lenz auf die aktuell angespannte weltpolitische Lage ein und verwies auf deren direkte Auswirkungen des Iran-Krieges auf Energiepreise, Betriebsmittelkosten und damit auch auf die Landwirtschaft. Steigende Preise für Gas, Treibstoffe und insbesondere Dünger führten zu wachsender Unsicherheit. Maßnahmen wie die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung und Anpassungen bei der Pendlerpauschale seien wichtige Schritte zur Entlastung.

Auch energiepolitisch sei ein Umdenken notwendig: Der Ausbau erneuerbarer Energien müsse weiter vorangetrieben werden, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Hierzu gehört auch der Fortbestand von BIO-Gas Betrieben.

Ein zentraler Diskussionspunkt war die Düngeverordnung sowie der Umgang mit sogenannten „Roten Gebieten“. Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Oktober 2025, das die Ausweisung der Roten und Gelben Gebiete in Bayern für unwirksam erklärte, gilt aktuell wieder das reguläre Düngerecht ohne zusätzliche Auflagen. Dieses Urteil wird von vielen Landwirten als wichtiger Schritt hin zu mehr Verhältnismäßigkeit und Praxisnähe begrüßt.

Im fachlichen Teil referierte Thomas Pfeiffer von der IG Höchstadt-Bamberg ausführlich zu den aktuellen Entwicklungen rund um die Düngeverordnung sowie zu den „Roten Gebieten“. Er stellte insbesondere die Auswirkungen des Urteils dar und zeigte Perspektiven für eine zukünftige, stärker messwertbasierte Ausgestaltung auf. Statt pauschaler Gebietsausweisungen plädieren Praktiker zunehmend für ein System, das auf realen Messdaten direkt von den Flächen basiert. Moderne Sensorik und digitale Anwendungen könnten dabei helfen, Nährstoffeinträge präzise zu erfassen und bedarfsgerecht zu steuern. Dies würde nicht nur dem Umwelt- und Trinkwasserschutz dienen, sondern auch die Wirtschaftlichkeit der Betriebe verbessern, da übermäßiger Düngemitteleinsatz vermieden wird.

Eng mit diesem Thema verknüpft ist der zunehmende Einsatz moderner Technologien wie Drohnen in der Landwirtschaft. Marco Granata von der BEGRAR Group GmbH stellte hierzu innovative Drohnenlösungen für Kommunen und landwirtschaftliche Betriebe vor. Drohnen ermöglichen eine hochauflösende Analyse von Pflanzenbeständen, erkennen frühzeitig Stressfaktoren wie Trockenheit, Schädlingsbefall oder Nährstoffmängel und liefern damit eine wertvolle Entscheidungsgrundlage für gezielte Maßnahmen.

Gerade im Kontext einer möglichen Neuausrichtung der Düngeverordnung könnten Drohnendaten künftig eine zentrale Rolle spielen. Sie erlauben eine kleinräumige, präzise Bewertung von Flächen und tragen dazu bei, Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen punktgenau auszubringen. Dies spart nicht nur Betriebsmittel und Kosten, sondern reduziert auch Umweltbelastungen erheblich. Darüber hinaus bieten Drohnen Potenziale für die Dokumentation gegenüber Behörden, was insbesondere bei steigenden Anforderungen an Nachweis- und Berichtspflichten an Bedeutung gewinnt.

Neben diesen Themen wurden auch weitere agrarpolitische Herausforderungen diskutiert, darunter die Videoüberwachung in Tierställen, EU-Regulierungen wie die Entwaldungs- und Wiederherstellungsverordnung sowie das Mercosur-Handelsabkommen. In diesem Zusammenhang wurde die Sorge geäußert, dass zusätzliche Importe aus Südamerika zu einem Preisverfall und damit zu Wettbewerbsnachteilen für heimische Betriebe führen könnten. Fakt sei, dass das Mercosur-Abkommen klare und verbindliche Schutzmechanismen enthalte. So gebe es festgelegte Importkontingente, bei deren Überschreitung automatisch ein Importstopp greife. Zudem unterlägen alle eingeführten Produkte strengen Kontrollen: Sollten Rückstände oder Verstöße gegen europäische Standards festgestellt werden, werde die Ware umgehend zurückgewiesen. Von einer unkontrollierten Marktöffnung könne daher keine Rede sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Versammlung war die Beratung von Anträgen aus den Reihen der Mitglieder. Insgesamt drei Anträge wurden einstimmig beschlossen und zur Weitergabe an die Landesversammlung verabschiedet. Inhaltlich ging es dabei um die Einführung eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes für landwirtschaftliche Pensionspferdebetriebe, um eine Anpassung des Beitragseinzugs innerhalb der Organisation sowie um den Umgang mit Wölfen. Konkret wurde gefordert, problematische Tiere, die ihre natürliche Scheu vor dem Menschen verloren haben und dadurch eine Gefahr darstellen, konsequent entnehmen zu können. Damit unterstreicht der Verband die Notwendigkeit, den Schutz von Menschen und Nutztier gleichermaßen zu gewährleisten und praxistaugliche Lösungen im Wolfsmanagement zu etablieren.

Im Rahmen der Neuwahlen wurde Michael Hamburger (Erding) als Bezirksvorsitzender in seinem Amt bestätigt. Als stellvertretende Bezirksvorsitzende wurde Claudia Leitner (München-Land) wiedergewählt. Matthias Heiml (Landkreis Mühldorf) wurde zum weiteren stellvertretenden Bezirksvorsitzenden gewählt.

Die Kasse übernimmt künftig Martin Bruckmeier (Landkreis Mühldorf). Sonja Aigner (Freising) wurde in ihrem Amt als Schriftführerin bestätigt.Als Beisitzer wurden gewählt: Franz Baisl (Altötting), Franz Blinninger (Rosenheim), Thomas Huber (Erding), Georg Kirchmeier (Mühldorf), Elisabeth Mayerhofer (Freising), Katharina Wiltsch (Ebersberg) sowie Thomas Seemeier (Ingolstadt). Die Kassenprüfung übernehmen weiterhin BBV-Präsident a.D. Max Weichenrieder und Walter Ulrich, beide aus dem Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm.

Ein herzlicher Dank gilt den ausgeschiedenen Mitgliedern der Bezirksvorstandschaft für ihr langjähriges Engagement: Stefan Froschmeir (Ingolstadt), Roland Kirr (Rosenheim), Maria Janßen (Weilheim) und Rupert Staudhammer (Mühldorf).

Abschließend wurde die Bedeutung einer starken, regional verankerten Landwirtschaft hervorgehoben. Sie sei nicht nur Grundlage für Versorgungssicherheit und Umweltpflege, sondern auch ein zentraler Wirtschaftsfaktor für den ländlichen Raum. Umso wichtiger sei es, politische Rahmenbedingungen praxisnah zu gestalten und Innovationen gezielt zu fördern.

Bericht und Bilder: Sonja Aigner, Schriftführerin / F. Irl  –  von links: Beisitzer Franz Blinninger (Rosenheim), Schatzmeister Martin Bruckmeier (Mühldorf), Beisitzer Thomas Huber (Erding), Vorsitzender Michael Hamburger (Erding), Schriftführerin Sonja Aigner (Freising), Beisitzerin Katharina Wiltsch (Ebersberg), Beisitzer Georg Kirchmeier (Mühldorf), stv. Vorsitzender Matthias Heiml (Mühldorf), Beisitzer Franz Baisl (Altötting)



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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