Kultur

Jugendsymphonieorchester Oberfranken

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Wenn sich in der Woche vor Ostern rund 100 junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken im Schullandheim Pottenstein zur intensiven Probenphase versammeln, dann ist klar: Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken (JSO) bereitet sich auf seinen jährlichen musikalischen Höhepunkt vor. Am Sonntag, 5. April, macht das „Orchester auf Zeit“ Station in Speichersdorf: Beginn des Konzerts ist um 18 Uhr in der Sportarena, Einlass ab 17:30 Uhr.

Die Sportarena Speichersdorf (Schulstraße 8, 95469 Speichersdorf) gehört an diesem Abend ganz der sinfonischen Musik. Das traditionsreiche Projektorchester, eine Talentschmiede für den musikalischen Nachwuchs der Region, bringt ein hochkarätiges Programm auf die Bühne – erarbeitet innerhalb einer kompakten Arbeitsphase vom 28. März bis 4. April. Am 4. April in Naila und am 6. April im Joseph-Keilberth-Saal Bamberg präsentieren die jungen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten ihr neu einstudiertes Repertoire.

Seit mehr als 40 Jahren lädt der Bezirk Oberfranken gemeinsam mit seiner Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau in den Kartagen zu dieser intensiven Arbeitswoche ein. Unter professionellen Bedingungen entsteht ein anspruchsvolles Konzertprogramm, begleitet von erfahrenen Orchesterscouts und Dozenten. Besonders die Streicher profitieren von zusätzlichen Vorproben am 7. und 8. März in der Musikschule Bamberg, wo sie individuell betreut werden.

Am Pult steht erneut Till Fabian Weser, seit 2012 Dirigent des JSO. Der 1965 in Bloomington (USA) geborene Dirigent ist langjähriges Mitglied der Bamberger Symphoniker und hat Orchester wie die Junge Deutsche Philharmonie, die Düsseldorfer Symphoniker, die Nürnberger Symphoniker, die Hofer Symphoniker oder die Jenaer Philharmonie dirigiert. Auch als Gründer und langjähriger künstlerischer Leiter der Sommer Oper Bamberg hat er Akzente gesetzt. Mit großem Engagement widmet er sich der Nachwuchsförderung in Oberfranken.

Das Programm des Abends spannt einen weiten Bogen durch die Musikgeschichte. Mit dem „Vorspiel und Liebestod“ aus „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner eröffnet das Orchester einen der ergreifendsten Klangräume der Romantik. Die Sopranpartie übernimmt Aleksandra Gawrych, die der berühmten Liebestod-Szene ihre Stimme verleiht. Es folgt das „Konzert für Oboe und Orchester C-Dur KV 314“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Den Solopart gestaltet Antonia Greifenstein. Mozarts heiter-virtuoses Werk verlangt dem Soloinstrument Eleganz, technische Brillanz und feine Klangkultur ab – ideale Voraussetzungen für die jungen Talente des JSO, die hier ihr Können im Dialog mit dem Orchester entfalten. Den klangprächtigen Abschluss bildet „Scheherazade – Sinfonische Suite für Orchester op. 35“ von Nikolai Rimsky-Korsakov. Das Werk lebt von farbenreicher Instrumentation und erzählerischer Fantasie. Die Solovioline übernimmt Konzertmeisterin Elisabeth Schöneck, deren Konzerttätigkeit sie bereits in renommierte Säle wie die Semperoper Dresden oder die Koningin Elisabethzaal Antwerpen geführt hat. In „Scheherazade“ wird sie zur musikalischen Erzählerin, die mit lyrischer Intensität durch die orientalisch inspirierten Klanglandschaften führt. Konzertmeisterin Elisabeth Schöneck freut sich schon darauf, wieder Teil des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken zu sein. “Wenn junge, talentierte Musikerinnen und Musiker zusammenkommen, entsteht eine besondere Spannung – eine Energie, die trägt, verbindet und in den Konzerten Momente hervorbringt, die immer wieder neu berühren und staunen lassen”, so die Violinistin. Mit großer Vorfreude blickt sie auf Nikolai Rimsky-Korsakovs Scheherazade und besonders auf das einzigartige Konzertmeistersolo. “Ein Solo, welches sich nicht allein durch reine, exponierte Virtuosität definiert, sondern vielmehr durch seinen Farbenreichtum und den Mut zur Verletzlichkeit. Es erzählt, es verzaubert, es tritt in einen Dialog – und macht erfahrbar, wie viel Stärke in Sanftmut und wahrhaftiger Zugewandtheit liegt.“

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken setzt sich jedes Jahr neu zusammen. Der Schwierigkeitsgrad der Werke ist bewusst so gewählt, dass die jungen Musikerinnen und Musiker gefordert, aber nicht überfordert werden. Kritiker beschrieben das Zusammenspiel in der Vergangenheit als „ungezwungen und harmonisch“ – eine Qualität, die aus konzentrierter Probenarbeit und gemeinsamer Leidenschaft entsteht. Für viele Teilnehmende sind die Konzerte bleibende Erinnerungen und wichtige Schritte in ihrer musikalischen Entwicklung.

Bezirkstagspräsident Henry Schramm unterstreicht die Bedeutung des Projekts: Das Jugendsymphonieorchester sei ein wichtiges Bekenntnis des Bezirks zur Nachwuchskultur in Oberfranken. Der Bezirk ist nicht nur für Soziales, Gesundheitsversorgung, Landwirtschaft und Fischerei zuständig, sondern engagiert sich ausdrücklich auch in der Kultur- und Heimatpflege – mit Haus Marteau und dem JSO als Leuchtturmprojekten.

Karten für das Konzert am Sonntag, 5. April, sind im Vorverkauf für 10 Euro (ermäßigt 7 Euro) erhältlich, an der Abendkasse für 12 Euro (ermäßigt 9 Euro). Der Vorverkauf läuft über die Gemeinde Speichersdorf, Rathausplatz 1, 95469 Speichersdorf, Telefon 09275 988-0, sowie online unter https://jso-oberfranken.de/konzerte/ und über Eventim Light. Ermäßigungsberechtigt sind Schülerinnen und Schüler, BFDler, Auszubildende, Studierende, Empfänger von Sozialleistungen, Schwerbehinderte, Inhaber einer Ehrenamtskarte sowie Rentnerinnen und Rentner. Kinder bis einschließlich zwölf Jahre haben in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt.

Mit diesem Konzert setzt das Jugendsymphonieorchester Oberfranken seine über vier Jahrzehnte währende Erfolgsgeschichte fort – und lädt Musikfreunde aus der gesamten Region ein, die Leidenschaft und das Können einer neuen Generation von Orchestermusikern live zu erleben.

Bericht und Fotos: Wolfgang Hübner



Redaktion

Toni Hötzelsperger

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