Schnelle Hilfe, wenn jede Sekunde zählt: Wie die Feuerwehr Speichersdorf mit dem neuen „First Responder“ ein Rettungsnetz aus Ehrenamt und Dorfgemeinschaft knüpft.
Bei einem medizinischen Notfall entscheidet oft die Zeit direkt nach dem Vorfall über den Erfolg der Rettung. Wenn der reguläre Rettungswagen eine längere Anfahrt aus den umliegenden Zentren hat, verstreichen wertvolle Minuten. Genau hier setzt das neue Konzept von Patrick Pfau und der ansässigen Floriansjünger an: Ein organisatorisch in die Feuerwehr integrierter Dienst, der im Ernstfall künftig zeitgleich und parallel zum regulären Rettungsdienst alarmiert wird. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte übernehmen die medizinische Erstversorgung und leiten lebensrettende Sofortmaßnahmen ein, bis Notarzt und Rettungswagen am Einsatzort eintreffen.
Für ältere Bürgerinnen und Bürger ist der Begriff oft ungewohnt, doch die Erklärung ist einfach: Der „First Responder“ ist im Prinzip nichts anderes als ein klassischer „Helfer vor Ort“ (HvO). Da dieses System hier jedoch direkt an die Feuerwehr angegliedert ist, lautet die offizielle Bezeichnung aus rechtlichen Gründen „First Responder“. Das tragfähige Konzept stieß in der Kommunalpolitik sofort auf offene Ohren. Der Gemeinderat Speichersdorf gab ein einstimmiges Votum ab und genehmigte die Einführung des Dienstes offiziell. Bürgermeister Christian Porsch betonte dabei die Wichtigkeit für die gesamte Gemeinde: Der Dienst sei eine schnelle Hilfe im Ernstfall, die jeden Bürger in Speichersdorf und Umgebung direkt treffen kann.
Der Zeitplan dahinter ist sportlich, denn von der ersten Planung im April 2026 bis zum geplanten Start am 1. Oktober 2026 vergingen gerade einmal knapp sieben Monate. In dieser kurzen Zeit mussten ein geeignetes Einsatzfahrzeug beschafft, ausgebaut und beklebt, die Einsatzkleidung organisiert sowie die medizinische Ausbildung absolviert werden. Projektleiter Patrick Pfau betont stolz, dass auf diese Leistung im Team wirklich jeder stolz sein kann. Er verweist darauf, dass hinter dem Projekt viele kluge Köpfe stehen, die tatkräftig mitgewirkt haben: die Feuerwehr Speichersdorf in Form des Ersten Kommandanten Volker Hammon, die gesamte Vorstandschaft, insbesondere der erste Vorstand und stellvertretende First-Responder-Leiter Peter Bock, und natürlich das gesamte engagierte Team.
Jeder Einzelne hat einen immensen Teil dazu beigetragen, dass alles bereitsteht, um am 1. Oktober den ersten offiziellen Funkspruch als „Florian Speichersdorf 79/1“ abzusetzen. Die konkrete Idee für das Projekt entsprang direkt der beruflichen Praxis des Projektleiters. Patrick Pfau bemerkte die Notwendigkeit nicht primär in der Feuerwehr selbst, sondern durch seinen Beruf im Rettungsdienst in Kemnath. Bei Einsätzen im Bereich Speichersdorf erlebte er regelmäßig, dass die Anfahrtswege lang sind und es viel zu lange dauert, bis die Rettungsdienste vor Ort eintreffen. Diese Erkenntnis verfestigte sich sowohl durch seine Arbeit im Rettungsdienst als auch durch sein Engagement in der Feuerwehr deutlich. Das neue Konzept sieht nun feste Bereitschaften nachts sowie an Feiertagen vor. Ein solch zeitintensiver Dienst lässt sich laut Pfau allerdings nur mit starkem Rückhalt vereinbaren.
Ohne dass die Familie, der Freund oder die Freundin zu 100 Prozent dahinterstehen, könne man eine solche Aufgabe schlichtweg nicht ausführen. Dies gilt ausdrücklich nicht nur für ihn selbst, sondern für jeden einzelnen Aktiven des 15-köpfigen Teams, weshalb er allen Familien und Partnern im Hintergrund seinen tiefen Dank ausspricht. Dass die Menschen in Speichersdorf zusammenhalten und sich in der Not gegenseitig helfen, war dem Initiator bewusst, doch die enorme Welle der Hilfsbereitschaft hat alle Beteiligten überwältigt.
Da das Projekt zu 100 Prozent spendenfinanziert ist und neben dem benötigten Startkapital von rund 40.000 Euro auch laufende Unterhaltskosten anfallen, zählt für die Wehr jeder einzelne Betrag, unabhängig von der Größe der Spende. Ein riesiger Dank gilt daher allen Unterstützern aus der Bevölkerung, den Firmen und den Vereinen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dieser Rückhalt beim Blick auf das Spendenkonto: Haustechnik Günthner steuerte 4.000 Euro bei, während Auto Popp, das Baugeschäft Veigl, der TSV Kirchenlaibach, der Obst- und Gartenbauverein Haidenaab/Göppmannsbühl sowie Bestattung Neumann das Projekt mit jeweils 1.000 Euro unterstützten. Die Hausarztpraxis Speichersdorf von Dr. Schäfer spendete eine dringend benötigte medizinische Absaugpumpe im Wert von über 1.000 Euro. Zudem übernahm die Zahnarztpraxis Elefant einen Defibrillator im Wert von über 2.000 Euro.
Weitere wichtige Beträge kamen von der Landjugend Haidenaab/Göppmannsbühl mit 750 Euro sowie von Rewe Kellner, Blitzschutz Pfau und dem Stammtisch Kellerluch mit jeweils 500 Euro. Hinzu kamen zahlreiche, sehr großzügige Spenden von Privatpersonen.
Auf die psychologische Herausforderung angesprochen, in einer vertrauten Gemeinde wie Speichersdorf eventuell zu Nachbarn, Bekannten oder Freunden gerufen zu werden, findet Patrick Pfau klare Worte. So etwas müsse man im Ernstfall, so schwierig es auch klingen mag, komplett ausblenden. Bei der Feuerwehr sowie durch seine tägliche Arbeit im Rettungsdienst passiere dies ohnehin des Öfteren. Man müsse schlicht seine Arbeit professionell erledigen und versuchen, das emotionale Drumherum im Moment des Einsatzes zu ignorieren. Dass dies manchmal eine mentale Herausforderung ist, steht außer Frage.
Das schönste Gefühl an der ganzen Sache sei es jedoch, wenn man den- oder diejenige nach ein paar Wochen gesund auf der Straße oder beim Einkaufen wiedersieht, weiß, dass alles gut gegangen ist, und ein paar Worte miteinander wechselt. Für die Zukunft in fünf Jahren hofft das gesamte Team, dass das Projekt in der Großgemeinde gut angenommen wird, die Mannschaft deutlich erweitert werden kann und so viele Dienste im Jahr wie möglich besetzt werden können, um den Bürgern zu helfen, wo es nur geht.
Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann dies über das Spendenkonto der Freiwilligen Feuerwehr Speichersdorf bei der IBAN DE45 7535 mit dem Verwendungszweck „First Responder“ tun.
Text: Wolfgang Hübner – Bild: Landjugend Haidenaab-Göppmannsbühl



