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BBV und Arge Landjugend zum Flächenverbrauch

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger
Fast 10 Hektar jeden Tag – so viel Siedlungs- und Verkehrsfläche ist in Bayern im Jahr 2024 durchschnittlich neu in Anspruch genommen worden. Das entspricht rund 14 Fußballfeldern täglich. Gleichzeitig sind nur noch 46 Prozent der bayerischen Landesfläche Landwirtschaftsfläche. Für die Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände im Bayerischen Bauernverband ist klar: Das kann so nicht weitergehen.

Die Arge Landjugend fordert deshalb einen konsequenten Kurswechsel beim Umgang mit Grund und Boden. „Junge Landwirtsfamilien müssen die Möglichkeit haben, landwirtschaftliche Flächen zu erwerben und damit die Grundlage für ihren Hof zu sichern. Der Staat muss diesen Zugang gezielt unterstützen. Denn Fläche ist für die junge Generation in der Landwirtschaft nicht irgendein Produktionsfaktor. Sie ist die Grundlage für den Hof, für die Lebensmittelproduktion und für die Zukunft bäuerlicher Familien“, sagt Thomas Fleischmann, Vorsitzender der Arge Landjugend im Bayerischen Bauernverband.

„Landwirtschaft darf nicht gegen den Meistbietenden verlieren“

Besonders beim Erwerb landwirtschaftlicher Flächen sieht die Arge Landjugend dringenden Handlungsbedarf. Landwirtschaftlicher Boden darf nicht zum beliebigen Anlageobjekt werden. Die Bayerische Verfassung formuliert bereits heute einen klaren Rahmen: Landwirtschaftlicher Grund und Boden dient der Gesamtheit der Bevölkerung, bäuerliches Eigentum wird gewährleistet und Bauernland soll seiner Zweckbestimmung nicht entfremdet werden. Der Erwerb soll an die Eignung zur sachgemäßen Bewirtschaftung geknüpft werden und darf nicht lediglich der Kapitalanlage dienen.

„Wenn ein junger Landwirt beim Flächenkauf gegen einen finanzstarken Investor antreten muss, der den Boden nur als Spekulationsobjekt sieht, läuft etwas grundlegend falsch. Wer auf dem Boden steht, den er bewirtschaftet, nachhaltig Lebensmittel erzeugt und Verantwortung für die Fläche und die Region übernimmt, muss beim Flächenerwerb Vorrang haben“, sagt Fleischmann. Die Arge Landjugend fordert deshalb, den landwirtschaftlichen Flächenerwerb konsequent an der landwirtschaftlichen Nutzung auszurichten. Landwirte müssen beim Erwerb Vorrang vor außerlandwirtschaftlichen Interessenten haben. Gleichzeitig müssen Spekulation und reine Kapitalanlage mit landwirtschaftlichem Boden noch wirksamer verhindert werden.

Gerade für die junge Generation wird der Zugang zu Fläche zunehmend zur Existenzfrage. Wer einen Hof übernimmt oder neu aufbaut, braucht nicht nur Ideen, Engagement und unternehmerisches Können, sondern vor allem Flächenbesitz. „Wir reden ständig darüber, dass wir junge Menschen für die Landwirtschaft begeistern wollen. Dann müssen wir ihnen auch die Möglichkeit geben, Landwirtschaft zu betreiben. Ein Hof ohne ausreichenden eigenen fruchtbaren Boden hat keine Zukunft“, so Fleischmann.

Deshalb fordert die Arge Landjugend, Junglandwirtinnen und Junglandwirte bis zum 40. Lebensjahr beim Flächenerwerb gezielt zu unterstützen. Flächen des Siedlungsunternehmens sollen ihnen zu vergünstigten Konditionen angeboten werden können. Die daraus entstehende Differenz soll durch staatliche Förderung abgesichert werden. Auch beim staatlichen Vorkaufsrecht braucht es nach Ansicht der Arge Landjugend mehr Handlungsspielraum. Das entsprechende Siedlungsunternehmen soll Flächen bei Ausübung des Vorkaufsrechts treuhänderisch für den Freistaat verwalten können, bis ein geeigneter landwirtschaftlicher Zweitkäufer gefunden ist. Flächensparen beginnt aber nicht erst auf dem landwirtschaftlichen Grundstücksmarkt. Die Arge Landjugend fordert einen klaren Vorrang für die Nachverdichtung im Innenbereich. Auch Zweinutzungskonzepte sollen beim Flächenerwerb und bei der Flächenplanung bevorzugt werden. Wo verschiedene Nutzungen sinnvoll miteinander verbunden werden können, muss dies Vorrang haben.

Acht Forderungen für Bayerns Boden

Die Arge Landjugend fordert deshalb:

  1. Landwirtschaftlichen Boden schützen: Der Erwerb landwirtschaftlicher Flächen muss konsequent im Sinne der Landwirtschaft reguliert werden.
  2. Landwirte bevorzugen: Landwirtschaftliche Betriebe müssen beim Flächenerwerb grundsätzlich Vorrang vor außerlandwirtschaftlichen Interessenten haben.
  3. Vorkaufsrecht wirksam machen: Das Siedlungsunternehmen soll Flächen nach Ausübung des Vorkaufsrechts treuhänderisch für den Freistaat verwalten können, bis ein geeigneter landwirtschaftlicher Käufer gefunden ist.
  4. Junge Landwirtschaft fördern: Junglandwirtinnen und Junglandwirte bis 40 Jahre sollen landwirtschaftliche Flächen zu vergünstigten Konditionen erwerben können. Die Differenz soll staatlich ausgeglichen werden.
  5. Bewirtschaftung sicherstellen: Der Erwerb landwirtschaftlicher Flächen muss an eine sachgerechte und nachhaltige Bewirtschaftung sowie an eine landwirtschaftliche Aus- oder Fortbildung gebunden sein.
  6. Spekulation stoppen: Landwirtschaftlicher Boden darf nicht zum reinen Kapitalanlageobjekt werden.
  7. Innenentwicklung vor Außenentwicklung: Nachverdichtung und Nutzung vorhandener Flächen müssen absoluten Vorrang vor neuer nichtlandwirtschaftlicher Flächeninanspruchnahme im Außenbereich haben.
  8. Flächen mehrfach nutzen: Zweinutzungskonzepte sollen bevorzugt werden, wenn dadurch Flächensparsamkeit erreicht werden kann.

Die Arge Landjugend will die Diskussion um den Erhalt von Landwirtschaftsflächen deshalb nicht als Gegensatz zwischen Landwirtschaft und Entwicklung führen. Es geht vielmehr um die Frage, wie Bayern mit seinem immer knapper werdenden Gut umgeht. „Wir wollen Entwicklung in Bayern. Aber Entwicklung darf nicht bedeuten, dass wir unsere Produktionsgrundlage Stück für Stück verbauen. Jeder Hektar hat einen Wert – für unsere Ernährung, für die Natur und für die nächste Generation.“

Die Position steht zum Download hier bereit: www.bayerischerbauernverband.de/positionen

Bericht und Foto: BBV


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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