Marquartstein – „Männer altern anders“: Der Titel lockte zahlreiche Besucher in den Treffpunkt M. Dass sich besonders viele Männer angesprochen fühlten, war kaum überraschend. Doch auch Frauen wollten wissen, was Männer im Alter bewegt und worin sich ihre Erfahrungen von denen der Frauen unterscheiden.
Mit einer gehörigen Portion Humor näherte sich Sozialpädagoge Peter Lindlacher dem Thema. Er erzählte aus seiner Jugend und von seinen damaligen Vorbildern: Winnetou und Old Shatterhand gehörten ebenso dazu wie Lothar Emmerich von Borussia Dortmund. Damit traf er offensichtlich den Nerv vieler Zuhörer, die sich in diesen Erinnerungen wiederfanden. Anhand der fünf Säulen der Identität nach Eckart Hammer erläuterte Lindlacher, welche besonderen Herausforderungen das Älterwerden für Männer mit sich bringen kann. Eine davon ist die berufliche Rolle: Mit dem Eintritt in den Ruhestand fällt für viele ein wesentlicher Teil ihrer bisherigen Identität weg. Das kann eine Krise auslösen. Umso wichtiger sei es, rechtzeitig die nächste Säule zu stärken: das soziale Netzwerk. Denn wer seine Kontakte nicht pflegt und neue Beziehungen aufbaut, läuft Gefahr, in die Isolation zu geraten. Frauen falle es häufig leichter, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften auch über längere Zeit aufrechtzuerhalten.
Eine weitere Herausforderung ist das Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit. Hier riet Lindlacher dazu, Veränderungen anzunehmen und Bewegung nicht ausschließlich an Leistung zu messen. Auch Entspannung und Genuss dürften ihren Platz haben. Er selbst habe früher sehr gerne Badminton gespielt, heute sei Boule eher sein Sport. In der anschließenden angeregten Diskussion wurden weitere Unterschiede zwischen Männern und Frauen deutlich. Frauen hätten es oft leichter, sich zu öffnen und über ihre Gefühle zu sprechen. Doch auch Männer könnten lernen, mehr auf sich und ihre Bedürfnisse zu achten. Dazu gehöre, den Körper zu pflegen und fit zu halten, die Seele zu öffnen, persönliche Beziehungen zu pflegen und wieder stärker auf das eigene Empfinden zu hören. Vielleicht sei es auch an der Zeit, lang gehegte Träume zu verwirklichen.
Während früher häufig das Vergnügen im Vordergrund gestanden habe, könne im Alter zunehmend das Wertvolle und Sinnstiftende an Bedeutung gewinnen. Darin waren sich Frauen und Männer einig. Ebenso in der Erkenntnis, sich selbst nicht immer allzu wichtig zu nehmen und dem Leben mit mehr Humor zu begegnen. Dass diese Empfehlung gleich in die Tat umgesetzt wurde, zeigten die Besucher zum Abschluss: Reihum wurden Witze erzählt und gemeinsam gelacht.
Text und Bildmaterial: Sybilla Wunderlich – Peter Lindlacher diskutiert mit den Besuchern zum Thema „Männer altern anders“.




