Ilse Aigner soll nach dem Willen der Union die erste Bundespräsidentin Deutschlands werden. Noch steht die offizielle Nominierung aus, doch schon jetzt erfährt die bayerische Landtagspräsidentin Zustimmung weit über die eigene Partei hinaus. Für die Region Rosenheim richtet sich der Blick damit auf eine Politikerin, deren Weg im Handwerk und in der Kommunalpolitik begann. Auch die Samerberger Nachrichten verbinden mit ihr persönliche Begegnungen und ein besonderes Grußwort.
Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios haben sich CDU und CSU darauf verständigt, Ilse Aigner als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt vorzuschlagen. Die offizielle Bekanntgabe wird für Montag, 9. November, erwartet. CSU-Chef Markus Söder wirbt bereits seit Monaten für seine Parteikollegin. Über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entscheidet die Bundesversammlung am 30. Januar 2027.

Ilse Aigner beim Gaufest in Bad Endorf am 17. Juli 2022

Die Reaktionen auf die bevorstehende Kandidatur lassen bereits erkennen, welche Erwartungen sich mit Aigner verbinden: Sie soll Menschen erreichen, unterschiedliche politische Lager miteinander ins Gespräch bringen und für die demokratischen Grundlagen des Landes einstehen. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Hoffnungen auch von Politikern formuliert werden, die im parlamentarischen Alltag anderen Parteien angehören.

Ein Lebensweg mit Wurzeln im Landkreis Rosenheim

Aigner stammt aus Feldkirchen-Westerham und besuchte die Wilhelm-Leibl-Realschule in Bad Aibling. Nach ihrer Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin arbeitete sie im elterlichen Elektro-Handwerksbetrieb. Anschließend qualifizierte sie sich zur staatlich geprüften Elektrotechnikerin und war bei Eurocopter an der Entwicklung von Systemelektrik für Hubschrauber beteiligt.
Erste kommunalpolitische Mandate übernahm sie im Gemeinderat von Feldkirchen-Westerham und im Rosenheimer Kreistag. 1994 zog sie erstmals in den Bayerischen Landtag ein, 1998 wechselte sie in den Deutschen Bundestag. Von 2008 bis 2013 war sie Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Nach ihrer Rückkehr nach Bayern übernahm sie verschiedene Ministerämter und war stellvertretende Ministerpräsidentin. Seit 2018 ist sie Präsidentin des Bayerischen Landtags.
Damit bringt sie Erfahrungen aus dem Berufsleben ebenso mit wie aus Kommunalpolitik, Regierung und Parlament. Dieser Lebensweg gibt der Bürgernähe, die ihre Unterstützer hervorheben, einen konkreten Hintergrund.

Ilse Aigner beim Bezirksmusikfest in Nußdorf am 21. Mai 2023

Zustimmung auch vom politischen Gegenüber

Besonders deutlich äußert sich die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag. Ihr Vorsitzender Holger Grießhammer erklärt in einer Mitteilung: „Ilse Aigner passt perfekt für dieses Amt.“ Als Landtagspräsidentin habe sie bewiesen, dass sie in schwierigen Debatten den richtigen Ton finde, über Parteigrenzen hinweg vermitteln könne und Führungsstärke besitze.
Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher begrüßt die sich abzeichnende Kandidatur als „hervorragende Wahl“. Er hebt Aigners politische Erfahrung, menschliche Integrität und Bürgernähe hervor und verbindet mit ihr Respekt, Dialog und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Auch SPD-Chef Lars Klingbeil hat Unterstützung signalisiert. Sollte die Union Aigner offiziell vorschlagen, werde seine Partei dies begrüßen und unterstützen. Klingbeil betont ihre integrative Kraft und ihren Umgang mit Menschen auf Augenhöhe.
Für die Frauen-Union Bayern sieht deren Landesvorsitzende Ulrike Scharf in der bevorstehenden Nominierung ein „historisches Signal für Deutschland“. Gegenüber BR24 würdigt sie Aigners Einsatz für die Demokratie und ihr Beharren auf Respekt und Anstand im parlamentarischen Umgang.
Wertschätzung kommt ebenso von Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann. Sie hebt Aigners nahbares und zugewandtes Auftreten hervor und hält die Zeit für eine Frau im höchsten Staatsamt für gekommen. Zugleich kritisiert sie den bisherigen Auswahlprozess der Union und von Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich. Ihre Äußerungen verbinden damit Anerkennung für Aigner mit Kritik am Zustandekommen der Personalentscheidung.

Ilse Aigner beim Verfassungstag auf der Herreninsel am 10. Aug. 2023

Vertrauen als Grundlage des höchsten Staatsamtes

In diesen Reaktionen zeichnet sich eine gemeinsame Erwartung ab: Ein Staatsoberhaupt soll auch Menschen erreichen, deren politische Überzeugungen auseinanderliegen.
Das Bundespräsidentenamt verbindet verfassungsrechtliche Aufgaben mit einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung. Es repräsentiert die Bundesrepublik nach innen und außen. Darüber hinaus gehört es zu seiner wesentlichen Bedeutung, Vertrauen zu vermitteln und das Gemeinsame im demokratischen Zusammenleben sichtbar zu machen. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt dies als Integrationsfunktion des Amtes.
Dazu gehört die Bereitschaft, unterschiedliche Lebenswirklichkeiten wahrzunehmen und auch jenen zuzuhören, die sich von der Politik wenig verstanden fühlen. Ebenso braucht es die Klarheit, für demokratische Regeln und die Würde des Einzelnen einzutreten.
Als Landtagspräsidentin leitet Aigner die Sitzungen und vertritt das Parlament als Ganzes. Ihre Unterstützer sehen gerade darin eine wichtige Erfahrung für das Bundespräsidentenamt: politische Auseinandersetzungen zu ermöglichen und zugleich auf die Regeln zu achten, die für alle gelten.
Sollte Aigner gewählt werden, würde erstmals eine Frau das höchste Staatsamt der Bundesrepublik übernehmen. Neben der historischen Bedeutung dieses Schrittes steht die Verantwortung, die mit ihm verbunden wäre. Eine Bundespräsidentin aus Oberbayern hätte das ganze Land zu vertreten – mit seinen unterschiedlichen Regionen, Erfahrungen und gesellschaftlichen Perspektiven. Der breite Zuspruch wäre dafür eine wertvolle Grundlage und zugleich ein hoher Anspruch.

Mit dem Schiff zur Herreninsel für den Verfassungstag am 10. Aug. 2023

Ein persönliches Grußwort zum Jubiläum

Für die Samerberger Nachrichten hat die bevorstehende Kandidatur auch einen persönlichen Bezug. Mitherausgeber und Fotograf Rainer Nitzsche hat Ilse Aigner bei verschiedenen Gelegenheiten mit der Kamera begleitet.
Zum zehnjährigen Bestehen der Samerberger Nachrichten richtete die Landtagspräsidentin zudem ein persönliches Grußwort an die Redaktion, das am 21. November 2023 veröffentlicht wurde. Darin würdigte sie die Bedeutung regionaler Berichterstattung und die Rolle der Plattform für Vereine und ehrenamtliche Organisationen. Den Initiatoren Rainer Nitzsche und Toni Hötzelsperger dankte sie ausdrücklich für ihr Engagement.

Ilse Aigner begrüßt die Nußdorfer Bürgermeisterin Susanne Grandauer beim Bezirksmusikfest am 21. Mai 2023

Besonders hob Aigner die verbindende Wirkung hervor: Die Samerberger Nachrichten „informieren, vernetzen Menschen, bauen Brücken und stärken so die Gemeinschaft“. Der Gedanke des Brückenbauens erhält angesichts ihrer möglichen neuen Aufgabe eine besondere Aktualität.
Die Samerberger Nachrichten freuen sich über das breite Vertrauen, das Ilse Aigner entgegengebracht wird. Für die bevorstehende Nominierung und ihren weiteren Weg wünschen wir ihr von Herzen alles Gute, Kraft und Gesundheit. Sollte sie zur ersten Bundespräsidentin gewählt werden, wünschen wir ihr eine glückliche Hand für die große Aufgabe, Menschen zusammenzuführen und das Vertrauen in unsere Demokratie zu stärken.

Beitrag: Rainer Nitzsche
Fotos: Rainer Nitzsche & Anton Hötzelsperger

 

 

 

 

 

 


Redaktion

Rainer Nitzsche

Als Webseiten-Entwickler bin ich für die Gestaltung und den technischen Betrieb dieser Plattform verantwortlich und versuche, die Seite ständig aktuell und zeitgemäß zu halten.

Als Reportage-Fotograf möchte ich mit wenigen Bildern wiedergeben, was als geschriebener Text vielleicht Bände füllen würde. Es geht um Ereignisberichte in Bildern. Es gilt, schrittweise und in den richtigen Momenten Entwicklung und Ablauf von Ereignissen festzuhalten, die schließlich in einem Höhepunkt gipfeln. Das bedeutet, meine Fotografien sind sehr oft weniger formell und zeigen den Charakter der Menschen eher in einer pose-freien, authentischen Weise, die nicht inszeniert ist.
Mehr Fotos finden Sie auch auf meiner Webseite unter www.rainernitzsche.de

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!