Brauchtum

Volksmusik in Reichertsheim

Schwungvolle Saitenklänge kommen vom Trio Aufgschlag'n

Mit dem „Gruß nach Aham“ eröffnete die Innleitn-Musi den Kirchweihmontag-Volksmusikabend im Gutsgasthof in Thambach. Welches Aham dabei gemeint ist, ob es sich um Aham bei Wasserburg im Süden, um Aham bei Mühldorf im Osten oder um Aham bei Landshut im Norden handelt, blieb offen und unerheblich, denn auch die Besucher im ausverkauften Saal kamen aus allen Himmelsrichtungen und nahmen die musikalische Begrüßung gerne an.

Erstmals begrüßte der vor wenigen Tagen neu gewählte Vorstand Gust Grundner junior des veranstaltenden Trachtenvereins Reichertsheim die Gäste, darunter Gauvorstand Michael Hauser, Gauschriftführer Sepp Sperr und Gauvolkstanzwartin Hildegard Kallmaier sowie eine ganze Reihe befreundeter Trachtenvereine im ausverkauften Saal des Gutsgasthofes. Was zum Lusen und zum Lacha, Was zum Denken und zum Einehörn, Was zum Danken und zum Staada wern, was von Herzen und aus voller Freud, was für uns und für Euch liabe Leut, gfreits Euch drauf und seids iatz gspannt auf Musi und Liadln aus unserm Land, so leitete Sprecher Anderl Maier auf den Kirtamonta-Hoagarten über. Er gab die Aussage eines Stammtischbruders zum Besten, der fragte: „Was waar dabei gwen, wenn’s an Kirchaturm um zwoa Zentimeter niedriger und an Maßkruag um 2 Zentimenter höher gmacht hätten“.

Den gesanglichen Auftakt machten die Edinger Sänger mit dem Lied „I bi meiner Lebtag nia traurig gwen“, was sich wohl jeder wünschen würde, so Anderl Maier. Die „Edinger Sänger“ stammen aus der Region Altötting, die Gruppe besteht seit 46 Jahren. Von einem Viergsang wurden sie Anfang des Jahres nach dem Ausscheiden eines seit Anbeginn dabei gewesenen Mitglieds zu einem Dreigsang, der aus Rita und Franz Zimmermann sowie Franziska Hiebl besteht. Begleitet wird die Gruppe von Dr. Reinhard Baumgartner, seines Zeichens Kreisheimatpfleger für Volksmusik im Landkreis Mühldorf, auf der Zither. Mit einem reichen Liedschatz wartete die Gruppe auf, darunter auch der Zwiefache „Wer mir und meiner Schwarzen was tuat“ und das Herbstlied „Braune Wiesen, nasse Steigerl“, das gegen Ende des Abends den Herbst, der auch in der liebevoll gestalteten Dekoration des Saals zum Ausdruck kam, in den Gedanken Einzug halten ließ.

Fetzig begann die „Moosrand-Musi“ mit der „Naglstoa Polka“. Ziach, Kontrabass und Gitarre der vom „Erdinger Moosrand“ und dem Raum Gars stammenden Musikanten geben ihren frisch dargebotenen Stücken, darunter „Unser Himmel weiß und blau“ und die „Moosrand-Polka“, einen unverwechselbaren „Schmiss“. Ebenso unverwechselbar spielte das „Trio Aufgschlag’n“ auf. Der Name leitet sich von den zwei Hackbrettern des Trios ab, die von einer Harfe ergänzt werden. In markanter Spielweise wurden mit dem „Hallerberg-Boarischen“, einem Oberpfälzer Galopp, dem „Tschämpiens-Boarischen“ und der „molligen Polka“ überlieferte und neuere Stücke dargebracht, ergänzt durch den aus Südtirol stammenden „Fani-Walzer“.

Dazwischen erfreute Anderl Maier das aufmerksame Publikum mit seinen Gschichtl‘n und erzählte so manche heitere Begebenheit.

Den Herzkirsch-Dreigsang stellte der Sprecher Anderl Maier mit Heidi Kebinger, Burgi Meier und als Aushilfe Irmi Irgmeier aus Obing vor, die von Gust Grundner junior auf der Ziach begleitet werden. Sie singen am liebsten traditionelle bayerische Lieder mit Pfiff. Das von Heidi Kebinger selbst geschaffene Lied „So a Bursch“ war für Anderl Maier der Aufhänger für die Geschichte von einem Möchtegern-Hochzeiter, der sich an einen Schmuser gewandt hatte. Schön sollte seine Zukünftige sein und Geld sollte sie auch haben. Der Schmuser präsentierte nach einer Weile das Ergebnis seiner Suche. Eine Bildsaubere hätte er im Fränkischen gefunden, aber mit dem Geld sei es nicht weit her. Eine Andere mit Geld wie Heu gäbe es in der Schweiz, sie sei aber nicht die Schönste. Worauf der Brautwerber meinte: „Dann bringst mir halt eine aus der Fränkischen Schweiz“.

Ebenfalls aus der Feder von Heidi Kebinger kommt das Lied vom blühenden Herzkirschbaum. Aus dem Repertoire der Huttenstätter Sänger, denen die Großeltern von Heidi Schwarzenböck angehörten, stammt das Lied „As Jahr wird zeitig“. „Aus is mitn Summer“ und das Lied vom „Briafal“ rundeten den Gesang des Herzkirsch-Dreigsang ab. Der Innleitnmusi geben Doris Schwarzenböck mit der Harfe, Franz Schwarzenböck senior und junior mit Bariton und Bassflügelhorn, Sepp Huber mit dem Flügelhorn Stefan Huber mit dem Bombardon und Tobias Lerner mit der Steirischen Ziach ihren unvergleichlichen Klang. Seit nunmehr 37 Jahren gibt es die Innleitnmusi. Sowohl von Franz Schwarzenböck junior geschaffene Stücke (Auf zum Baderbräu) als auch von anderen Komponisten und Autoren Geschaffene wie „Beim Wein“ von F. Mühlhuber, „Zwei Ringe“ von M. Pöttschacher, „I mog Di gern“ von P. Hechenblaikner oder „Unterwegs“ von F.X. Schwarzer fügen sie nahtlos und ohne Bruch in ihre einzigartige Spielweise ein.

Nachdenklich schloss der Sprecher und griff dabei einen Textteil des letzten Liedes der Edinger Sänger auf, der vom Zusammenräumen der Hütte, vom Abschied nehmen und dass man nicht weiß, ob man im Frühjahr die grünen Blätter nochmals sieht, handelt. Er bedankte sich bei allen, die zusammengeholfen haben, den wunderschönen Abend zu gestalten, insbesondere auch bei Heidi Grundner, welche die Gruppen eingeladen und das Programm zusammengestellt hatte. Tosender Applaus forderte eine Zugabe heraus. Die Musikanten intonierten daraufhin das Lied „Lasset uns das Leben genießen“, das von allen Anwesenden begeistert mitgesungen wurde.

Bericht und Bilder: August Grundner senior / Trachtenverein Reichertsheim


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!