Wie können Kommunen gute Lebensbedingungen für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung schaffen und dabei staatliche Fördermöglichkeiten nutzen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Informationsnachmittag „Den demografischen Wandel vor Ort gestalten – Strategien, Fördermöglichkeiten und gute Praxisbeispiele für Kommunen“, der kürzlich im Landratsamt Landshut stattfand. Eingeladen hatten die Koordinationsstellen Wohnen im Alter sowie Pflege und Wohnen gemeinsam mit dem Landratsamt.
Landrat Alfred Holzner begrüßte die kommunalen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Senioren- und Behindertenarbeit, der Wohlfahrtsverbände und der freien Träger. Er betonte, dass der demografische Wandel keine abstrakte Zukunftsentwicklung sei, sondern bereits heute in den Städten, Gemeinden und Nachbarschaften spürbar wer-de. „Es geht nicht nur um Pflege im engeren Sinne“, machte der Landrat deutlich. Entscheidend sei vielmehr die gesamte Lebensqualität vor Ort: Dazu gehörten erreichbare medizinische und soziale Angebote, barrierefreier Wohnraum, gute Nachbarschaften, Begegnungsmöglichkeiten, Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe. Ziel müsse es sein, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld leben können und auch Menschen mit Behinderung verlässliche, barrierefreie Angebote vorfinden.
Die kommunale Ebene spiele bei der Bewältigung dieser Herausforderungen eine zentrale Rolle, so Holzner. Hier würden Bedarfe sichtbar, örtliche Besonderheiten erkannt und häufig die besten Ideen entwickelt. Gleichzeitig könnten Kommunen diese Aufgaben nicht allein bewältigen. Nachhaltige Lösungen entstünden vor allem durch die Zusammenarbeit von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, freien Trägern, Interessenvertretungen, bürgerschaftlich Engagierten und weiteren Partnern.
Der Informationsnachmittag sollte deshalb nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Orientierung geben, zur Entwicklung neuer Ansätze ermutigen und den fachlichen Austausch fördern. Ein Schwerpunkt lag auf den bayerischen Förderprogrammen „Selbstbestimmt Leben im Alter“ (Se-LA), „Gute Pflege in Bayern“ (GutePflegeFöR) und „Pflege im sozialen Nahraum“ (PflegeSoNah). Sie bieten Kommunen und Trägern Möglichkeiten, bedarfsgerechte Strukturen aufzubauen und kon-krete Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort umzusetzen. Anja Preuß von der Koordinationsstelle Wohnen im Alter und Anna-Lena Königbauer von der Koordinationsstelle Pflege und Wohnen informierten über die jeweiligen Fördermöglichkeiten und unterstützten die Einordnung der Programme für die kommunale Praxis. Dabei wurde deutlich: Fördermittel können wichtige Impulse geben. Entscheidend ist jedoch, dass daraus langfristig tragfähige Angebote entstehen, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen entsprechen.
Wie solche Ansätze in der Praxis umgesetzt werden können, veranschaulichten zwei Projektbeispiele aus der Region und aus Bayern. Franziska Willner stellte das Quartiersmanagement in Buch am Erlbach vor, das im Rahmen der Förderrichtlinie „Selbstbestimmt Leben im Alter“ (SeLA) des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert wird. Das Beispiel zeigte, wie kommunale Quartiersarbeit dazu beitragen kann, die Lebensqualität älterer Menschen im vertrauten Wohnumfeld zu stärken.
Einblicke in die Arbeit der Gemeindeschwester im Landkreis Cham gaben Eva Liedtke und Barbara Reidl. Das Projekt wird im Rahmen der Förderrichtlinie „Gute Pflege in Bayern“ (GutePflegeFöR) des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention gefördert. Es verdeutlichte, wie neue Unterstützungsangebote dazu beitragen können, auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort einzugehen und die pflegerische Versorgung im sozialen Umfeld zu stärken. Die vorgestellten Projekte machten sichtbar, wie wichtig engagierte Akteurinnen und Akteure, bedarfsgerechte Konzepte und eine verlässliche Zusammenarbeit für die Entwicklung tragfähiger kommunaler Angebote sind.
Neben den fachlichen Informationen bot die Veranstaltung Gelegenheit, Fragen zu stellen, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Gerade der Blick über die Grenzen der eigenen Gemeinde oder des eigenen Landkreises könne helfen, bewährte Lösungen auf die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten zu übertragen und neue Ideen zu entwickeln, unterstrich die Seniorenbeauftragte des Landkreises Landshut Elisabeth Strasser. Der Informationsnachmittag zeigte: Der demografische Wandel stellt Kommunen vor vielfältige Aufgaben, eröffnet zugleich aber auch Gestaltungsmöglichkeiten. Mit einer vorausschauenden Planung, engagierten Partnern und der gezielten Nutzung von Förderprogrammen können Städte und Gemeinden wichtige Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Bedürfnissen gut, selbstbestimmt und möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld leben können.
Kommunen im Landkreis Landshut, die eigene Projekte zur Unterstützung älterer Menschen und von Menschen mit Behinderung planen oder umsetzen möchten, können sich auch an die Seniorenbeauftragte Elisabeth Strasser und die Behindertenbeauftragte Linda Pilz des Landkreises Landshut wenden. Sie stehen den Kommunen beratend zur Seite. Auch die Koordinationsstellen Wohnen im Alter und Pflege und Wohnen unterstützen mit fachlicher Beratung und Informationen zu geeigneten Fördermöglichkeiten. So erhalten Kommunen wichtige Hilfestellungen, um eigene Ideen weiterzuentwickeln und bedarfsgerechte Angebote vor Ort auf den Weg zu bringen.
Bericht und Foto: Landratsamt Landshut





