Tourismus

Priener Senioren auf hoher (Chiem)-See

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Chiemsee G’schicht’n – Eine besondere Fahrt mit den Priener Senioren  – Die Priener Seniorinnen und Senioren durften am Dienstag bei herrlichstem Wetter einige wunderschöne Stunden auf dem Chiemsee verbringen. Neben der traumhaften Kulisse erwartete sie ein hochinteressanter und kurzweiliger Vortrag, der die Fahrt zu einem ganz besonderen Erlebnis machte. Jürgen Pohl, zertifizierter Chiemsee-Naturführer und Artenschutzexperte, nahm die Teilnehmenden mehr als zweieinhalb Stunden lang mit auf eine spannende Reise durch die Geschichte des Chiemsees.

Vor rund 12.000 Jahren entstand der Chiemsee durch die Ausschürfung eines Gletschers. Ursprünglich umfasste er eine Fläche von rund 240 Quadratkilometern und war damit etwa dreimal so groß wie seine heutige Wasserfläche. Durch die stetige Ablagerung von Sedimenten hat sich der See im Laufe der Jahrtausende immer weiter verkleinert. Der See ist wahrscheinlich nach der Siedlung Chieming benannt, der Siedlungsname lässt sich auf den keltischen Personennamen Chemus zurückführen Auch die Geschichte der Chiemsee-Schifffahrt kam nicht zu kurz. Sie begann im Jahr 1845 mit Joseph Feßler, der das erste Dampfschiff auf dem Chiemsee einsetzte.

Besonders ausführlich widmete sich Jürgen Pohl den beiden großen Inseln. Die Herreninsel umfasst rund 238 Hektar. Bereits im Jahr 620 soll Herzog Tassilo III. dort ein Männerkloster gegründet haben, das 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde. 1819 wurde die Anlage in eine Brauerei umgewandelt. König Ludwig II. erwarb die Insel 1873 und begann 1878 mit dem Bau seines prachtvollen Schlosses Herrenchiemsee. Ein weiterer faszinierender Aspekt war die Entstehung des Deltas der Tiroler Achen. Als größter Zufluss des Chiemsees transportiert die Tiroler Achen seit Jahrtausenden Sedimente aus den Alpen in den See. Diese lagern sich an der Mündung ab und lassen immer wieder neue Landflächen entstehen. Das einzigartige Naturschutzgebiet ist zugleich ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Vogelarten und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich die Landschaft rund um den Chiemsee ständig verändert.

Ein bedeutendes Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte ist ebenfalls eng mit der Herreninsel verbunden: Jürgen Pohl erinnerte an den Verfassungskonvent, der 1948 im Alten Schloss Herrenchiemsee tagte und wichtige Grundlagen für das spätere Grundgesetz erarbeitete. Dieses trat am 23. Mai 1949 in Kraft. Die Fraueninsel mit ihren rund 15,5 Hektar blickt ebenfalls auf eine lange Geschichte zurück. Seit dem Jahr 772 besteht dort das Benediktinerinnenkloster Frauenwörth. Darüber hinaus berichtete Pohl von der Entwicklung der Fischerei am Chiemsee, von der früheren und heutigen Verteilung der Fischereirechte sowie von der besonderen Anziehungskraft der Fraueninsel auf Maler und Schriftsteller.

Besonders eindrucksvoll war auch sein Blick auf die verschiedenen Staats- und Gesellschaftsformen, die sich rund um den Chiemsee symbolisch wiederfinden: Die Fraueninsel steht für die Kirche, der Verfassungskonvent auf der Herreninsel für die Demokratie, Schloss Herrenchiemsee für die Monarchie und das Rasthaus in Bernau für die Diktatur. So wurde die Fahrt über den Chiemsee zu einer ebenso unterhaltsamen wie bereichernden Reise durch Natur, Kultur und Geschichte. Die Teilnehmenden waren von den kenntnisreichen und lebendigen Ausführungen von Jürgen Pohl begeistert und bedankten sich herzlich bei ihm für diesen außergewöhnlichen Nachmittag auf dem Chiemsee.

Bericht und Bilder: Helga Stampfl, Seniorenbeauftragte beim Markt Prien a. Chiemsee (Luftaufnahme vom Achendelta von Mathias Stampfl)


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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