Brauchtum

Kirwa in Speichersdorf

Kirwamadla stoßen mit geschmückten Krügen an.
Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

„Sickatrice“ und „F.U.C.K“, „Essig & Öl“ und die Weinwallfahrer, und dazu fesche Kirwamadla und Kirwaburschen — sie ließen es bei der Speichersdorfer Kirwa mit einem fetzigen Musikprogramm und peppigem Gstanzlsingen einmal mehr ganz schön krachen. Für Vorsitzenden Patrick Sendelweck war es dabei der letzte Kirwa-Aufmarsch.

Bis gestern herrschte Ausnahmezustand in Alt-Speichersdorf mit buntem Kirwa-Treiben in der Kreutzer-Halle, rund um den Dorfplatz und das „Milchbänkl“. Dem Organisationsteam um Vorsitzenden Patrick Sendelweck ist dabei ein dickes Lob zu zollen: In einem logistischen Kraftakt und mit viel Liebe fürs Deko-Detail verwandelten sie die große Maschinenhalle von Grund auf in eine Party-Halle. Vor einer Woche war die Kirwa mit süffisanten Versen und Reimen ausgegraben worden. Dann waren sechs Tage lang Küche, Kirche sowie rockige und zünftige Klänge und deftige Sprüche angesagt.

Nach dem Warm-up durch die geballte Riff-Gewalt des Metal-Quintetts Sickatrice aus Speichersdorf sorgte in einer brechend vollen Halle der Headliner des Freitagabends, die Classic-Metall-Cover-Band F.U.C.K, für eine Rock-Party vom Feinsten. Mit einem kraftvollen Mix aus Heavy Metal, Rock-Klassikern und modernen Brechern brachte das Quartett die Halle zum Kochen. Mit Songs wie „King of Fools“, „Holy Diver“ oder „Wasted Years“ und Klassikern wie „TNT“, „Breaking the Law“ und „Enter Sandman“ sowie satten Riffs zu „Fuel“ kamen alle Rock- und Metal-Fans auf ihre Kosten. Dazwischen gab es immer wieder deutschsprachige Titel wie „Vollmond“ mit „Ich will brennen“ oder das treibende „Sonne“ von Rammstein. Für das beste Warm-up mit Songs von Linkin Park, Scorpions, Billy Talent und Bloodhound Gang sorgte zum Auftakt der Rocknacht die oberfränkische Rock-&-Metall-Formation „Breaking Silence“ um Frontfrau Shelly.

Am Samstagabend mischte beim boarisch-böhmischen Party- und Schlagerabend wie schon im Vorjahr das Quartett „Essig und Öl“ aus der Fränkischen Schweiz die Halle auf. Die junge fränkische Coverband hatte die richtige Mischung an Lieblingssongs aller Generationen von Peter Maffay bis DJ Ötzi, von Jürgen Drews bis Marius Müller-Westernhagen im Gepäck. Mit Chartstürmern, Schlagern, Volksmusik und Pop sorgten sie für gute Laune und Kirwastimmung.

Am Sonntag fand die Kirwa mit einem Gottesdienst, mit farbenfrohem Auftanzen und Aufspielen sowie derbem Gstanzlsingen unter den Polka-Klängen der Weinwallfahrer ihren Höhepunkt. Traditionell und trotz kurzer Nächte und angekratzter Stimmbänder gehört der Kirchgang zum Kirwa-Pflichtprogramm. Nahezu alle Kirwamadla und Kirwaburschen waren pünktlich aufmarschiert und hatten im Gemeindehaus in der ersten Reihe Platz genommen.

Am frühen Nachmittag folgte dann der große Auftritt der 23 Kirwamadla und Kirwaburschen. Eine große Schar an Zaungästen bescherte dem Aufmarsch der Kirwagesellschaft am Dorfplatz eine eindrucksvolle Kulisse. Mit dem Leiterwagen, dem nötigen Gerstensaft und begleitet von den Weinwallfahrern aus Filchendorf zogen sie zunächst über die Ringstraße und Aubachstraße. Zurück am Dorfplatz trumpften die Kirwaburschen dann so richtig auf. Beim Aufsingen in über 40 Gstanzl sparten die 12 Jungs in diesem Jahr nicht an teils deftig-derben Sprüchen und beißender Ironie. Neben süffisanten Anmerkungen über das Dorfgeschehen und den Bürgermeister bekamen die Kirwa-Nachbarn aus Wirbenz ihr Fett weg. Wenngleich sie sich auch selbst die Schippe nahmen, sparten sie nicht mit Lob über ihre feschen Madla und Burschen. Mit einem letzten Gstanzl am Ende verabschiedete sich Vorsitzender Patrick Sendelweck aus der Riege der aktiven Kirwaburschen. Jahrelang war er im Vorstand in führender Position, zuletzt seit 2024 an der Spitze des Kirwa-Vereins; er dankte in Reimform für eine tolle Zeit mit allen Höhen und Tiefen.

Am Montag machten sich die Mädels und Jungs schließlich zum Rumspielen auf dem neu gebauten Bruckwagen auf, begleitet von den zünftigen Klängen von Sebastian Koch auf der Steirischen. Beim Besuch im Rathaus und Altenheim, in den Pfarrhäusern sowie in den Kindergärten ließen sie nicht locker und schrien lautstark hinaus, was die Tage über angesagt war: „Wer hot Kirwa, mir hom Kirwa! Wer hot Durst, mir hom Durst…“ Am Dienstag hieß es dann schließlich wieder Abschiednehmen von der Kirwa. In einer feierlichen Zeremonie wurde sie zu Grabe getragen.

Text und Bildmaterial: Wolfgang Hübner


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!