Die derzeit erhaltene älteste Fotografie des Gasthauses Veigl, mit 475 Jahren eines der ältesten Wirtshäuser der Region, stammt aus den Jahren vor 1919 und befindet sich im Privatarchiv der Familie Veigl. Stolz präsentiert sich die ganze Wirtsfamilie mit ihrer Kinderschar. Rechnung: 1895 bezahlten die damaligen Wirtsleute bei der Brauerei für den Liter Lagerbier 15 und für das Exportbier 17 Pfennige.
Haidenaab-Göppmannsbühl
Es gibt Dörfer, die man nicht groß beschreiben muss. Haidenaab gehört dazu. Der kleine Ort an der Haidenaab hat seinen eigenen Charme: der Dorfplatz mit Brunnen und Nepomuk, die alten Häuser und darüber die weithin sichtbare Filialkirche St. Ursula. Sie steht wie ein Wahrzeichen über dem Dorf und erinnert daran, dass hier Geschichte und Gegenwart zusammengehören. Besonders deutlich wird das jedes Jahr im Oktober. Dann ist in Haidenaab Allerweltskirchweih – und das Dorf wird für einige Tage zum Treffpunkt für Einheimische, ehemalige Haidenaaber, Freunde, Nachbarn und Liebhaber guter bürgerlicher Küche.
Von Donnerstag, 15., bis Montag, 19. Oktober, steht Haidenaab-Göppmannsbühl wieder ganz im Zeichen der traditionellen Allerweltskirchweih. Der Termin ist auch im Veranstaltungskalender der Gemeinde Speichersdorf fest verankert.
Die Haidenaaber Kirwa hat ihren besonderen Reiz gerade dadurch, dass sie klein, bodenständig und ursprünglich geblieben ist. Hier trifft man sich vor allem im Wirtshaus, wird gemeinsam gegessen, geredet, gelacht und auf die gute alte Zeit angestoßen. Dafür stehen in Haidenaab seit Generationen vor allem zwei Namen: Scherm und Veigl. Die beiden Traditionsgaststätten sind die gesellschaftlichen Mittelpunkte des Dorfes. Wenn Allerweltskirchweih ist, fahren die Küchen zur Hochform auf. Es ist die Zeit der deftigen fränkisch-oberpfälzischen Wirtshausküche – genau das, was viele Gäste mit einer echten Dorfkirwa verbinden.
Im Gasthaus Scherm wird die Kirchweihtradition von einem eingespielten Familienteam getragen. Hausgemachte Spezialitäten, Schnitzel und Cordon Bleu gehören ebenso zum Repertoire wie Krenfleisch und klassische Kirchweihbraten. Auch der Karpfen hat im Oktober seinen festen Platz: In den vergangenen Jahren gab es Karpfenfilet, Karpfen blau und gebackenen Karpfen. Dazu kamen verschiedene Braten.
Auch das Gasthaus Veigl zeigte sich in den vergangenen Jahren von seiner kulinarischen Seite. Verschiedene Braten, Geflügel- und Wildgerichte, Schnitzel und Cordon Bleu sowie Karpfenfilet und gebackener Karpfen gehörten zum Angebot.
Für 2026 darf man deshalb gespannt sein, welche Kirchweihklassiker die beiden Wirtshäuser diesmal auf den Tisch bringen. Denn genau darin liegt der Reiz einer Allerweltskirchweih in einem kleinen Dorf: Jeder weiß ungefähr, was ihn erwartet – und trotzdem freut man sich jedes Jahr aufs Neue darauf. Vielleicht beginnt die Kirwa sogar schon viel früher. Wenn die ersten Vorbereitungen in den Küchen laufen. Wenn Stammgäste nachfragen, wann es diesmal wieder Karpfen gibt. Wenn beim Bäcker oder auf der Straße plötzlich über die Kirchweih gesprochen wird. Und spätestens bei der Frage: „Gehst du heuer a wieder zur Kirwa?“ lautet die Antwort meistens: „Freilich.“
Denn die Allerweltskirchweih gehört zu Haidenaab wie der Nepomuk zum Dorfplatz und St. Ursula zum Ortsbild. Auch musikalisch hat die Haidenaaber Kirwa ihre eigene Tradition. In den vergangenen Jahren sorgten immer wieder die Haidenaab-Göppmannsbühler Dorfmusikanten mit Boarischen und Böhmischen für die passende Wirtshausstimmung. Ob sie auch 2026 wieder in den Gaststuben auftauchen, darf mit Spannung erwartet werden. Wenn dann plötzlich eine Steirische Harmonika erklingt, ein Tisch zum Takt mitklopft und die ersten Gäste mitsingen, braucht es ohnehin kein großes Festprogramm mehr. Dann ist Kirwa. Die Haidenaaber Allerweltskirchweih lebt von solchen Momenten: vom Wiedersehen mit Menschen, die man vielleicht ein Jahr nicht getroffen hat, von Familien, die sich zum Kirchweihessen versammeln, von Vereinen und Stammtischen und von Gästen aus der Umgebung, die längst wissen, dass man in Haidenaab gut und reichlich essen kann. Dass diese Tradition funktioniert, zeigte sich erst im Februar 2026 beim Kappenabend der Krieger- und Soldatenkameradschaft im Gasthaus Scherm. Das Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt; Jung und Alt feierten gemeinsam, tanzten und schunkelten. Genau diese gelebte Dorfgemeinschaft ist es, die auch die Allerweltskirchweih prägt.
Während vielerorts Dorfwirtshäuser verschwinden, sind Scherm und Veigl weiterhin Orte, an denen man sich trifft. Orte, an denen aus einem kurzen „Grüß Gott“ schnell ein längeres Gespräch wird und an denen Geschichten über Generationen hinweg weitererzählt werden. Wenn also von 15. bis 19. Oktober in Haidenaab und Göppmannsbühl Allerweltskirchweih gefeiert wird, geht es um weit mehr als Karpfen, Braten und Schnitzel. Es geht um Heimat, Wiedersehen und Geselligkeit. Um den vertrauten Weg zum Wirtshaus, den Duft aus der Küche, ein frisch gezapftes Bier und den Satz: „Nimmst noch a Stück?“ Denn manche Dinge dürfen sich ruhig jedes Jahr wiederholen. Die Haidenaaber Kirwa gehört dazu.
Wer auf der B 22 zwischen Kemnath und Speichersdorf unterwegs ist, biegt auf Höhe Lettenhof nach Norden Richtung Haidenaab ab. Wenige Minuten später liegt das Dorf mit seiner St.-Ursula-Kirche vor einem.
Text und Bildmaterial: Wolfgang Hübner








