Kultur

Regionalkultur in Salzburg

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Wie kann Regionalkultur zukunftsfähig bleiben? Und welche Impulse kann die Philosophie Leopold Kohrs dabei geben? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Akademische Wirtshaus der Leopold Kohr-Akademie im Haus der Volkskulturen in Salzburg.

Im Mittelpunkt stand Kohrs Gedanke vom „menschlichen Maß“. Dabei ging es weniger um das häufig mit Kohr verbundene „small is beautiful“, sondern um überschaubare Strukturen, Eigenverantwortung und die Möglichkeit des Einzelnen, sein Umfeld aktiv mitzugestalten. Gerade in der Volkskultur werde dieser Gedanke besonders sichtbar: Chöre, Musikkapellen, Volkstanzgruppen und Vereine lebten davon, dass Menschen Verantwortung übernähmen und gebraucht würden. Volkskultur sei daher vor allem Beteiligungskultur. Zugleich wurde deutlich, dass Zukunft nicht allein in der Bewahrung des Bestehenden liegen könne. Regionalkultur müsse offen für neue Formen und neue Beteiligung sein. Als Beispiel wurde das offene Singen „Sing mit“ genannt, das ohne Vorkenntnisse und kostenlos neue Zugänge zur gemeinsamen Kultur ermögliche. Innovation brauche Nähe, Vertrauen und die Freiheit, Neues auszuprobieren.

Auch die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement wurden diskutiert. Notwendig seien schlanke Strukturen, Unterstützung statt Bürokratie, praxisnahe Qualifizierung und eine gute Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Gemeinden, Kulturinstitutionen und Tourismus. Die Digitalisierung könne organisatorische Aufgaben erleichtern, ersetze aber nicht die persönliche Begegnung und den sozialen Zusammenhalt. Fabian Burstein, Kulturmanager, Schriftsteller und Publizist, brachte seine Erfahrungen aus dem zeitgenössischen Kulturbetrieb ein. Mag. Julia Wörndl-Brandweiner beleuchtete die praktische Seite der Volks- und Regionalkultur und deren Rahmenbedingungen. Den wissenschaftlichen und philosophischen Blick auf Leopold Kohr eröffnete Dr. Ewald Hiebl, Historiker an der Paris Lodron Universität Salzburg und Leiter des Leopold-Kohr-Archivs.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde die Bedeutung der Regionalkultur als gesellschaftlicher Anker hervorgehoben. Sie stifte Zugehörigkeit, verbinde Generationen, vermittle Werte und schaffe Räume für Begegnung. Gerade angesichts gesellschaftlicher Veränderungen komme es darauf an, Menschen nicht nur als Publikum anzusprechen, sondern sie zur aktiven Mitgestaltung einzuladen. Musikalisch begleitet wurde der Abend von dem Duo Christalyn. Zum Abschluss wurden Hofrätin Dr. Lucia Luidold und Geschäftsführerin Berta Wagner für die langjährige Zusammenarbeit im Haus der Volkskulturen gedankt.

Das Akademische Wirtshaus zeigte damit: Leopold Kohrs Philosophie kann auch für die Regionalkultur der Gegenwart wichtige Denkanstöße liefern. Nicht als fertiges Rezept, sondern als Haltung, die Eigenverantwortung, überschaubare Strukturen, Kooperation und Vertrauen in die Gestaltungskraft der Regionen in den Mittelpunkt stellt.

Bericht und Bilder: Leopold Kohr®-Akademie


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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