Leitartikel

Kirchenpatroziniumstag in Hittenkirchen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Schön, dass es noch Eckchen auf dera Welt gibt, wo sowas no gepflegt wird & ma zamhalt“ – mit diesen Worten drückte einer der wenigen (und eher zufälligen) Zaungäste seine Verwunderung darüber aus, dass am helllichten Montagvormittag im Bernauer Gemeindeteil Hittenkirchen eine große Zahl von Gläubigen in festlicher Prozession von der Ortskirche zur Gedächtniskapelle zog. Grund dafür war, dass in der Pfarrgemeinde „St. Bartholomäus“ und in der Orts- und Vereinegemeinschaft an der fast schon ewigen Tradition des Feierns vom Kirchenpatrozinium auch dann festgehalten wird, wenn der Festtag auf einen Wochen- oder Werktag fällt.

.Lautstark verkündeten bereits vorher Kanonenklänge, dass an diesem Tag etwas Besonderes im Ort ist. Den Auftakt bildete ein Gottesdienst in der Kirche von Traunsteins Stadtpfarrer und früherem Priener Kaplan Konrad Roider in Konzelebration mit Pfarrvikar Sinha Roy vom Pfarrverband Westliches Chiemseeufer. Anschließend machten sich alle Ortsvereine (Veteranen, Schützen, Feuerwehr und Trachtler) mit ihren Fahnenabordnungen sowie mit den kirchlichen Fahnen, mit der Mutter-Gottes als Tragefigur, mit dem „Himmel“ für das Allerheiligste sowie mit der Fritz-Musi und mit dem Kirchenchor auf den Weg zu den Prozessionsstationen unter dem freiem Himmel. Ein besonders eindrucksvoller Platz ist das 1923 für die Opfer der Kriege erbaute Gedächniskapelle mit faszinierendem Blick auf Ort, Kirche und Chiemsee. Ebenso wie am Festhalten des christlichen Glaubens mit Gottesdienst und Feldprozession wird im Ort und bei den Ortsvereinen an der anschließenden Einkehr beim Dorf-Wirtshaus festgehalten. Am „Kirta-Tag“ ruht bei vielen Leuten und auch bei manchen Firmen die Arbeit, er dient dem geselligen Beisammensein und das passt wiederum zum Charakter des Namenstages vom Heiligen Bartholomäus, dem Schutz-Heiligen der Ortskirche.

Foto: Hötzelsperger – Eindrücke vom Kirchenpatrozinium in Hittenkirchen, u.a. mit der Station an der Gedächtniskapelle

————————————————————————————————————————————————————————————————-

St. Bartholomäus Hittenkirchen – geschichtsträchtige Kuratiekirche über dem Chiemsee

Die katholische Kuratiekirche St. Bartholomäus liegt im Herzen des Bernauer Ortsteils Hittenkirchen und bietet einen der schönsten Ausblicke über den Chiemsee. Ihre Wurzeln reichen weit zurück: Bereits der Ortsname verweist auf eine frühe kirchliche Präsenz, und 1345 wird die Kirche erstmals urkundlich erwähnt.

Der älteste Bauteil ist das steinerne Langhaus aus der Zeit um 1200. Mit dem spätgotischen Chor, der Mitte des 15. Jahrhunderts angebaut und 1454 durch Bischof Ulrich II. geweiht wurde, erhielt St. Bartholomäus ihre heutige Grundgestalt. Über die Jahrhunderte folgten zahlreiche bauliche Veränderungen: neue Altäre, eine Kanzel, der charakteristische Westturm mit Zwiebelhaube (1702) sowie die barocke Innenausstattung mit Stuck und Fresken aus dem Jahr 1760.

Im 19. Jahrhundert kamen Kreuzweg, neues Gestühl und eine Orgel aus dem Kloster Reisach hinzu. Spätere Renovierungen veränderten das Erscheinungsbild erneut – besonders die umfassende denkmalpflegerische Sanierung von 1953, bei der historische Elemente wie der Oberteil des Hochaltars von 1653 wieder integriert wurden. Die Deckengemälde im Chor stammen vom Priener Kunstmaler Bartholomäus Wappmannsberger.

Der umgebende Friedhof besitzt eine mittelalterliche Mauer, deren Eckquader mit der Jahreszahl 1667 auf eine damalige Erneuerung verweist. Besonders bekannt ist das Grab der Schauspielerin Elisabeth Flickenschildt, die viele Jahre in Hittenkirchen lebte und auf eigenen Wunsch hier bestattet wurde – ihr Grabstein in Flammenform ist ein markantes Denkmal.

Die Kirche St. Bartholomäus ist öffentlich zugänglich und lädt mit ihrer reichen Geschichte und ihrer einmaligen Lage zum Besuch ein.

Kriegergedächtniskapelle Hittenkirchen – seit 1923 ein stiller Ort des Gedenkens über dem Chiemsee

Hoch über Hittenkirchen, auf einer freien Anhöhe im Ortsteil Oberfeld, steht seit mehr als einem Jahrhundert ein markantes Zeichen des Erinnerns: die Kriegergedächtniskapelle. Errichtet im Jahr 1923 und am 16. September 1923 feierlich eingeweiht, gehört der neubarocke Bau zu den prägenden Kulturgütern der Gemeinde Bernau. Als Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurde die Kapelle bewusst an einem Ort errichtet, der Weite zulässt – mit einem eindrucksvollen Blick über die Landschaft und hinunter zum Chiemsee.

Die Kapelle zeigt die typische Formensprache des frühen 20. Jahrhunderts: ein neubarocker Steildachbau, gekrönt von einem Dachreiter mit Haubendach, der sich klar gegen den Himmel abzeichnet. Ihre Lage oberhalb des Dorfes verleiht dem Gebäude eine besondere Präsenz – als stiller Begleiter der Region, als Ort des Innehaltens und als Zeichen dafür, dass Erinnerung und Heimat eng miteinander verbunden sind.

Heute ist die Kriegergedächtniskapelle als bayerisches Baudenkmal eingetragen und steht damit unter besonderem Schutz. Sie bleibt ein Ort, an dem Geschichte sichtbar wird und an dem die Gemeinde Bernau seit Generationen ihrer Verantwortung für das kulturelle Erbe nachkommt.

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!