Kultur

Duo Earendel gastierte im Augustensaal

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Das Duo Earendel mit Beatrice Lanaro (Flöte) und Valentina Vatteroni (Harfe) gestaltete im Augustensaal ein nachmittägliches Kammerkonzert mit Werken aus dem romantischen, impressionistischen und modernen Repertoire.

Der Name „Earendel“ stammt aus einem altenglischen Gedicht und bedeutet „Morgenröte“ beziehungsweise „aufsteigendes Licht“. Für ein Ensemble aus Flöte und Harfe, deren Klänge oft als hell, schwebend und klar empfunden werden, ist er damit ein poetisches Bild für die strahlende Kraft der Musik.Unter dem Motto „Zwischen Stimme und Tanz“ spannten die beiden Musikerinnen einen weiten Bogen zwischen gesanglich anmutenden Melodien, impressionistischen Klangfarben, virtuoser Spielfreude und tänzerischer Rhythmik. „Manche Werke erinnern an den Gesang der menschlichen Stimme, andere sind von Tänzen inspiriert“, erläuterten sie in ihrer abwechselnden Moderation.

In der „Romance“ von Camille Saint-Saëns, in einer Fassung für Flöte und Harfe, wechselten virtuose Flötenkoloraturen mit ruhigeren Passagen ab, in denen auch die Harfe ihre klanglichen Möglichkeiten eindrucksvoll zur Geltung brachte. Claude Debussys „Beau Soir“ entwirft das Bild eines Sommerabends mit der untergehenden Sonne und verbindet es mit der Vergänglichkeit des Lebens. Diesen ausdrucksstarken Inhalt übertrugen die beiden Musikerinnen mit großer Sensibilität in ihre Interpretation und leiteten damit wirkungsvoll zu Maurice Ravels „Pavane pour une infante défunte“ über. Ravel wollte, so hieß es in der Moderation, trotz des melancholischen Titels keine Musik über den Tod schreiben, sondern die Vorstellung einer fernen Welt entstehen lassen – ruhig und voller feiner Farben.

Diese feinen Farben machten Flöte und Harfe auf unterschiedliche Weise hörbar. Die beiden Instrumente wechselten sich in der Melodieführung ab und zeigten dabei ihre jeweiligen virtuosen Möglichkeiten: von den Glissandi der Harfe bis zur hochdifferenzierten Anblastechnik der Flöte. Mit Jules Mouquets „Divertissement grec“ öffnete sich anschließend eine ganz andere Klangwelt. Die Musikerinnen ließen die in der Komposition angelegte Atmosphäre des Mittelmeers und die Schönheit der griechischen Kultur musikalisch lebendig werden. Die drei Sätze stehen in den Kirchentonarten Lydisch, Dorisch und Phrygisch. Tänzerische Rhythmen, perlende Läufe auf Flöte und Harfe sowie kontrastierende Legato- und Portato-Passagen sorgten dabei für abwechslungsreiche Klangbilder.

Jacques Iberts „Entr’acte“, ein temperamentvolles Stück voller Bewegung und Leichtigkeit, ließ Assoziationen an Spanien entstehen und führte zugleich weiter zum tänzerischen Teil des Programms. Mit Astor Piazzollas „Histoire du Tango“ rückte schließlich der Tango und seine Entwicklung im Laufe des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt. In „Bordel 1900“, „Café 1930“ und „Nightclub 1960“ begegneten sich Gesang und Tanz auf besondere Weise. Die drei Sätze lebten von starken Kontrasten: Auf lebendige, rhythmisch prägnante Passagen folgten ruhigere, nachdenkliche Momente. Dabei wurde die Harfe bisweilen zum klangvollen Resonanzkörper für die rhythmische Energie der Musik.

So schloss sich der Bogen des Konzerts: Aus dem „aufsteigenden Licht“ des Namens Earendel wurde ein musikalischer Nachmittag zwischen schwebender Klangpoesie, gesanglicher Ausdruckskraft und temperamentvoller Tanzfreude.

Text und Fotos: Brigitte Janoschka


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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