Kultur

Wagner-Verband bei Tannhäuser in Dießen

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Reichenhaller Wagnerfreunde erleben eindrucksvollen „Tannhäuser“ am Ammersee  – Ergreifender Pilgerchor, Symbolkraft der Inszenierung und Unterhaltendes

Eine Gruppe des Richard-Wagner-Ortsverbandes Bad Reichenhall machte sich kürzlich in Fahrgemeinschaften auf den Weg nach Dießen am Ammersee, um dort eine Open-Air-Aufführung von Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ zu erleben. Das außergewöhnliche Projekt des Richard-Wagner-Verbands Ammersee lockte die Wagnerfreunde aus der Kurstadt an, die sich den besonderen Opernabend trotz unsicherer Wetterprognosen nicht entgehen lassen wollten.

Da die Veranstaltung bei jedem Wetter stattfinden sollte, traten die Musikbegeisterten die Fahrt im strömenden Regen mit gemischten Gefühlen an. Zwischendurch ließ etwas Sonnenschein die Hoffnung wachsen, doch pünktlich zum Beginn der Aufführung setzte der Regen erneut ein. Eine halbe Stunde später konnten jedoch Bläser vom Balkon eines Gebäudes auf dem Gelände des Carl-Orff-Museums die ergreifenden Klänge des Pilgerchores anstimmen, die in die Ouvertüre überleiteten. Diese spiegelt musikalisch die beiden Welten wider, zwischen denen der Titelheld Tannhäuser (Stefan Vinke) hin- und hergerissen ist. Die Leitmotive verdeutlichen den unauflöslichen Konflikt zwischen der spirituellen Sehnsucht nach Erlösung und der sinnlichen Verlockung des Venusbergs. Erlösung findet Tannhäuser schließlich erst durch den Opfertod seiner geliebten Elisabeth.

Rechts in einem überdachten Verbindungstrakt zwischen zwei Gebäuden spielte das Projektorchester unter der musikalischen Leitung von Rainer Armbrust mit Musikerinnen und Musikern aus renommierten Orchestern. Davor dienten eine Wiese mit Teich und eine Holzbrücke als stimmungsvolle Bühne (Bühnenbild: Maike Simon). Beim Sängerwettstreit sowie in den Szenen mit dem Projektchor und dem Chor Yuriko aus Landsberg holte Regisseur Georg Rootering das Geschehen geschickt in die Gegenwart und sorgte mit humorvollen Einfällen für Unterhaltung. Als die Minnesänger auftraten, fiel eine Zuhörerin in Ohnmacht, eine andere warf ein Tuch auf die Bühne – eine augenzwinkernde Anspielung auf heutige Popkonzerte. Zuvor hatten die Gäste im schillernden Outfit bei einem Glas Sekt den Landgrafen von Thüringen begrüßt und sich mit Küsschen rechts und links willkommen geheißen – Szenen mit fast kabarettistischem Charakter.

Besonders eindrucksvoll geriet der Sterbeprozess Elisabeths. Zunächst ruhte sie auf einem großen Leinentuch auf der Wiese. Als sie sich erhob und sich von der Zuschauertribüne entfernte, hielt sie das Tuch mit ausgebreiteten Armen hinter sich, so dass ihre Silhouette sichtbar wurde. Dadurch entstand das Bild des gekreuzigten Christus – ein starkes Symbol dafür, dass Elisabeth ihr Leben für Tannhäuser hingab.

Mit vielen nachhaltigen Eindrücken traten die Reichenhaller Wagnerfreunde schließlich die Heimreise an, während einige die Gelegenheit nutzten, die Nacht am Ammersee zu verbringen. Auf der Rückfahrt wurde noch lange über die ungewöhnliche Inszenierung, die überzeugenden musikalischen Leistungen und das besondere Ambiente am Carl-Orff-Museum gesprochen. Der Ausflug zeigte einmal mehr, wie lebendig die Beziehungen zwischen den einzelnen Wagner-Verbänden sind, und dass sich die Mitglieder des Ortsverbandes immer wieder gerne gemeinsam auf den Weg machen, um außergewöhnliche Aufführungen zu erleben – wie auch in der Kurstadt selbst, zum Beispiel jüngst mit dem Salonorchester „Reich an Hall“ und seinem Wagner-Programm, sowie am 4. August um 15:30 Uhr mit der diesjährigen Stipendiatin Beatrice Lanaro, Flöte und Valentina Vatteroni, Harfe und am 17. September um 19:30 Uhr mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern unter der Leitung von Daniel Spaw und speziell für dieses Orchester arrangierten Opernfantasien zu Richard Wagners Ring des Nibelungen.

Bericht und Foto: Brigitte Janoschka

 

 

 


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Toni Hötzelsperger

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