Land- & Forstwirtschaft

BBV unterstützt Brandbrief der Obstbauern

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger
Etwa alle zwei Tage verschwindet ein Erwerbsobstbaubetrieb in Deutschland, warnen die deutschen Obstbauern in einem Brandbrief, dem sich auch der Bayerische Bauernverband (BBV) anschließt. Mitunterzeichner Karl-Ludwig Rostock, Präsident des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes und stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Sonderkulturen im Bayerischen Bauernverband, sagt: „Es ist nahezu absurd, was unsere Obstbaubetriebe in Bayern erleben: Hochwertige Kirschen, Zwetschgen und Beeren aus regionalem Anbau sind kaum noch kostendeckend zu vermarkten, während gleichzeitig Importware von weit her die Regale füllt. Das ist kein vorübergehendes Marktphänomen, das ist ein struktureller Aderlass unserer Sonderkulturbetriebe”

Rostock verweist darauf, dass in Deutschland gerade arbeitsintensive Sonderkulturen wie Obst (z. B. Erdbeeren) besonders stark unter steigenden Löhnen und fehlenden politischen Sonderregelungen leiden: „Unsere Betriebe investieren seit Jahren in Umwelt- und Klimaschutz, in Biodiversität und moderne Anbauverfahren. Sie tun das aus Überzeugung. Aber Idealismus allein sichert keine Existenzen. Wenn wir wollen, dass unsere Kinder noch bayerische Kirschen vom Hof nebenan kaufen können, muss sich das jetzt auch politisch und im Einkaufsverhalten niederschlagen.”

Der Brandbrief der Bundesfachgruppe Obstbau appelliert an Handel und Verbraucher: Das Bekenntnis zu Regionalität muss sich an der Ladenkasse und in den Einkaufsentscheidungen des Handels widerspiegeln. 

Gleichzeitig fordern die Unterzeichner die Politik auf, praxistaugliche Sonderregelungen für Sonderkulturbetriebe zu schaffen, um den Niedergang des Obstbaus aufzuhalten. Aktuell liegt der Selbstversorgungsgrad für Obst in Deutschland nur bei 18 Prozent und in Bayern sogar unter 10 Prozent. Bereits im Koalitionsvertrag hatte sich das aktuelle Regierungsbündnis zum Ziel gesetzt, den Selbstversorgungsgrad mit Obst und Gemüse zu erhöhen. „Noch ist der heimische Obstbau zu retten”, sagt Rostock. “Aber dieses Zeitfenster schließt sich von Woche zu Woche. Daher braucht es von Seiten der Bundesregierung jetzt Taten statt schöner Sonntagsreden. Wie die vielen Krisen der letzten Jahre zeigen, muss die Politik die Versorgungssicherheit mit heimischen Nahrungsmitteln viel ernster nehmen!“

Bericht und Foto: BBV


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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