Kultur

Sieck-Ausstellung im Priener Heimatmuseum

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Eröffnung zweier Sonderausstellungen im Priener Heimatmuseum

Mit einer gut besuchten Vernissage wurden im Priener Heimatmuseum zwei besondere Ausstellungen eröffnet: Zum einen die Sonderausstellung „Der Andere“ mit unbekannten und frühen Werken des Malers und Grafikers Rudolf Sieck (1877–1957), zum anderen die Studioausstellung zu Ehren seiner Tochter Ingrid Sieck (1907–1966), die mit ihren Illustrationen und Entwürfen eine eigenständige künstlerische Handschrift entwickelte.

Die Ausstellung „Der Andere“ präsentiert erstmals eine Auswahl früher Arbeiten Rudolf Siecks aus den Jahren 1900 bis 1920, die aus dem Nachlass stammen und bislang nie öffentlich gezeigt wurden. Sie eröffnen einen neuen Blick auf die Anfänge und die Blütezeit seines Schaffens. Ergänzend dazu würdigt die Studioausstellung Ingrid Sieck, deren Werk lange im Schatten ihres Vaters stand, nun aber in seiner Vielfalt sichtbar wird.

Rudolf Sieck – Ein bedeutender Künstler der Chiemseeregion

Der gebürtige Rosenheimer Rudolf Sieck zählt zu den herausragenden Künstlern der Chiemseer Kunstlandschaft. Nach seinem Studium an der Münchner Kunstgewerbeschule entstanden ab 1899 erste Jugendstil‑Graphiken in Rosenheim, im Inntal, am Samerberg sowie später in Pinswang bei Prien und am Bodensee. Als Illustrator für die Zeitschriften „Jugend“ und „Simplicissimus“ erlangte er früh überregionale Bekanntheit. Ab 1906 arbeitete er als Entwerfer und Porzellanmaler für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg, wo er vielfältige Dekore schuf; berühmt wurden insbesondere seine Landschaftsdarstellungen auf dem sogenannten Perlservice.

Anlässlich seines 150. Geburtstags im Jahr 2027 und des 70. Todestags im Jahr 2027 zeigt das Museum Prien bereits heuer eine Auswahl früher, bislang unbekannter Arbeiten, die die Entwicklung seines künstlerischen Ausdrucks eindrucksvoll dokumentieren.

Ingrid Sieck – Eine eigenständige Stimme in Illustration und Entwurf

Ingrid Sieck wurde am 19. Juli 1907 in Unteruhldingen am Bodensee geboren. Über ihre Ausbildung ist nur wenig bekannt; belegt ist ihre Einschreibung für das Fach Malerei an der Münchner Kunstakademie im Wintersemester 1926/27. Frühe künstlerische Versuche finden sich in dem Buch Capri von 1931, das mit Bildern ihres Vaters erschien. Auch Entwürfe für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg gehen vermutlich auf seine Vermittlung zurück.

Gemeinsam mit dem später politisch umstrittenen Autor Max Dingler entstand 1943 das Kinderbuch Purzelwind, das mehrere Auflagen erlebte. Weitere geplante Kinderbücher blieben unveröffentlicht; Studien dazu sind im Nachlass erhalten. Ingrid Sieck verstarb 1966 in Prien.

Die Studioausstellung zeigt eine Auswahl ihrer Illustrationen und Entwürfe, darunter Arbeiten zum Kinderbuch Purzelwind, die ihre feine Linienführung, ihren poetischen Blick und ihre besondere Begabung für erzählerische Bildwelten sichtbar machen.

Die Ausstellung dauert bis 25. Oktober und hat täglich außer montags von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet (am Marktfest 15. oder 16. August bleibt das Museum geschlossen).

Bericht und erste Bilder: Hötzelsperger


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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