Ausstellungseröffnung und musikalische Lesung als Plädoyer für lebendige Nachbarschaft. Bis zum 29. November Wanderausstellung im Waldgeschichtlichen Museum in St. Oswald.
Der vergangene Donnerstagabend im Waldgeschichtlichen Museum in St. Oswald stand ganz im Zeichen der bewegten Geschichte des bayerisch-böhmischen Grenzraums. Zum einen wurde die Wanderausstellung „KEIN DURCHKOMMEN! Geschichte des Eisernen Vorhangs“ eröffnet. Fotograf und Autor Herbert Pöhnl und Pianist Sven Ochsenbauer umrahmten die Veranstaltung zudem mit einer musikalischen Bilderreise namens „Grenzen verschwinden – bayerisch-böhmische Begegnungen“.
„Die Errichtung des Eisernen Vorhangs ab 1952 war ein einschneidendes Ereignis“, eröffnete Christian Binder, der Leiter des Waldgeschichtlichen Museums, den Abend. „Er war mehr als Wachtürme und Stacheldraht. Der Eiserne Vorhang war eine harte Trennlinie zwischen Bayern und Tschechien, mitten durch Familien und den zuvor regen Austausch von Wissen und Kultur.“ Gerade die junge Generation könne sich heutzutage kaum noch vorstellen, dass die Grenze einst undurchdringlich war, schloss sich der stellvertretende Landrat des Landkreises Freyung-Grafenau, Florian Klante, an. „Umso wichtiger ist die zweisprachige Wanderausstellung, die bereits seit mehreren Jahren durch die Region tourt und in Kooperation zwischen dem Synagogen-Verein Denkmal Hartmanice, dem Museum Šumavy Sušice und dem Landkreis Freyung-Grafenau entstand.“ Die Bilder und Geschichten von vor Ort schafften für die Besucher einen realen Bezug zur gemeinsamen Vergangenheit. „Die Grundlage für die Bewahrung eines freien Europas ist eine lebendige und vertrauensvolle Nachbarschaft, die wir unbedingt pflegen und bewahren müssen“, so Klante.

Freuten sich über einen gelungenen Themenabend im Waldgeschichtlichen Museum: (von links) Stellvertretender Landrat Florian Klante, Museumsleiter Christian Binder, Susanne Janova vom Museum Šumava Sušice, Fotograf Herbert Pöhnl, Pianist Sven Ochsenbauer und der Vorsitzende des Museumsvereins St. Oswald-Riedlhütte Alfons Urban.
Ein unterhaltsames Plädoyer für offene Grenzen und den Abbau von Vorurteilen setzte im Anschluss Fotograf und Autor Herbert Pöhnl zusammen mit Pianist Sven Ochsenbauer. Sie nahmen die rund 50 Besucher des Themenabends mit auf eine musikalische Bilderreise durch den Böhmerwald. „Über zwölf Jahre sind ich und meine Begleiter tausende Kilometer durch Böhmen gereist und haben dabei manch lustige, aber auch bewegende Geschichte gesammelt und auf Fotos festgehalten.“ Darunter etwa auch eines der Blochvilla in Hartmanice. „Den Sohn, der die Nazis nur überlebte, weil er nach London geschickt wurde, habe ich vor der historischen Villa fotografieren können. Eines der beeindruckendsten Bilder.“ Aber auch völlig Alltägliches und manch skurril Anmutendes hielt Pöhnl mit der Kamera fest, von freundlichen Bäckereimitarbeitern über eigensinnige Militärshop-Besitzer bis hin zu kreativen Glaskünstlern. Zwei Bücher hat er über seine Böhmerwaldbegegnungen inzwischen geschrieben. Trotz Sprachproblemen hätte die Verständigung all die Jahre meist gut funktioniert. „Zwei Kisten Bier, die wir immer im Kofferraum hatten, halfen dabei manchmal auch.“ Musikalisch untermalt wurden die unterhaltsamen Ausführungen von Pianist Sven Ochsenbauer, der Eigeninterpretationen von bekannten Zwiefachen oder klassischen Stücken, wie „Die Moldau“ von Smetana oder „Freude schöner Götterfunken“ von Beethoven, zum Besten gab. Beide luden die Besucher ein, selbst den Böhmerwald, ihre Bewohner und ihre bewegenden Grenzgeschichten zu entdecken. Am Ende des Themenabends bedankte sich Museumsleiter Christian Binder bei allen Beteiligten und besonders beim Museumsverein St. Oswald-Riedlhütte, der diesen finanziell unterstützt hatte.
Die Wanderausstellung „KEIN DURCHKOMMEN! Geschichte des Eisernen Vorhangs“ ist bis zum 29. November zu sehen.
Das Waldgeschichtliche Museum hat von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Montag ist Ruhetag, außer an Feiertagen.



