Natur & Umwelt

Bayerns neue Umwelt-Preisträger

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Unter dem Motto “Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume” hat der Bayerische Naturschutzfonds den Biodiversitätspreis 2026 verliehen. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, Stiftungsratsvorsitzender des Naturschutzfonds, hat die Auszeichnung in Bamberg an insgesamt acht Preisträger überreicht. Glauber betonte:

“Artenvielfalt ist die Grundlage allen Lebens. Sie sichert unsere Ernährung, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und stabile Ökosysteme. Zum Schutz der Biodiversität setzen wir dort an, wo wir mit einfachen und wirksamen Maßnahmen viel erreichen können: vor unserer Haustür. Hecken sind für den Biotopverbund und den Erhalt der Artenvielfalt von unschätzbarem Wert. Viele naturnahe Hecken und Säume bilden ein starkes Netzwerk, das Lebensräume verbindet und den Biotopverbund in unserer Kulturlandschaft stärkt. Mit dem Biodiversitätspreis würdigen wir vorbildliches Engagement und machen gute Ideen sichtbar.”

Naturnahe Hecken und Säume bereichern die Kulturlandschaft. Sie sind Lebensraum und Rückzugsorte, Brutplätze für Neuntöter und Zaunkönig, Schutz und Deckung für Rebhuhn und Feldhase. Außerdem sind Hecken Nahrungsquellen für zahlreiche Insekten, ökologische Trittsteine und zentrale Elemente für den Biotopverbund in der Landschaft. Mit dem Preis soll das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt und der Lebensräume gestärkt und das Engagement für dieses Anliegen anerkannt werden. Der Bayerische Biodiversitätspreis wird dieses Jahr zum neunten Mal vergeben.

Preisträger 2026:

Biodiversitäts-Hauptpreis in Höhe von 10.000 Euro für herausragendes Einzelengagement Familie Haake “Gepflanzt, als anderswo gerodet wurde” (Oberfranken)

In der Gemarkung Grössau im Kreis Kronach ist es seit den 1980er Jahren gelungen, nicht nur viele kleinteilige Strukturen wie Hecken und Feldraine zu erhalten, sondern einen umfangreichen Biotopverbund aus Hecken und anderen Lebensräumen auszubauen. Dieser Erfolg ist maßgeblich der Arbeit von Lothar Haake und seiner Familie zu verdanken, die durch eigene Pflanzungen, Kooperationen mit der Gemeinde und Naturschutzverbänden, die Gewinnung weiterer Grundbesitzer sowie intensives Engagement bei der Flurzusammenlegung die Maßnahmen vorangetrieben haben. Dabei wurden etwa 2,5 Kilometer bestehende Hecken und Wegsäume erhalten, ausgebaut, verbunden und verbreitert, rund 4,9 Kilometer Hecken und Waldränder neu gepflanzt, über 200 Obst- und Einzelbäume auf Streuobstwiesen und an Wegen gesetzt, etwa 1,5 Kilometer bachbegleitende Strukturen wie Weiden, Erlen und Heckenpflanzen angelegt sowie rund 40 Tümpel und zwei Teiche mit vielfältigem Begleitbewuchs versehen. Zusätzlich wurden zahlreiche Lesesteinhaufen an Hecken und Wegen aufgeschichtet.

Zweiter Preis in Höhe von jeweils 4.500 Euro für kommunales Engagement  –  Landkreis Mühldorf am Inn: “Verbindende Landschaftselemente: Hecken als ökologische und soziale Brücken” (Oberbayern),

Seit fast vier Jahrzehnten setzt sich der Landkreis Mühldorf a. Inn für die Neuanlage von Hecken und Säumen ein, um wertvolle Heckenstrukturen zu fördern. Bis Ende 2025 wurden 165 Hecken mit einer Gesamtlänge von knapp 20 Kilometern angelegt. In den letzten Jahren konnten jährlich rund ein Kilometer Hecke gepflanzt werden. Jede einzelne dieser Hecken trägt zum Aufbau des Biotopverbundes bei. Der Fachbereich Naturschutz des Landkreises Mühldorf berät die interessierten Eigentümer vor Ort und die Umsetzung erfolgt dann in enger Zusammenarbeit mit der Jagus-Umweltgruppe des AWO-Projektehauses Waldkraiburg. Das vorgestellte Heckenprojekt zeichnet sich durch einen freiwilligen, kooperativen Ansatz und einer langjährigen Erfolgsgeschichte aus und verbindet Naturschutz, soziale Integration und Umweltbildung und erreicht dadurch eine breite Akzeptanz bei Flächeneigentümern und beteiligten Akteuren.

Stadt Bamberg: “Ökologische Straßenrandpflege” (Oberfranken)

Die Stadt Bamberg ist geprägt von dem Biotoptyp Magerrasen auf Sand. Bereits im Jahr 1999 begann das Umweltamt der Stadt Bamberg gemeinsam mit dem Garten- und Friedhofsamt sowie dem Staatlichen Bauamt ein Projekt zur Förderung blütenreicher Straßenränder. Die Straßenränder werden nur noch ein bis zwei Mal im Jahr gemäht und das Mähgut wird entfernt. Der Maschinenpark des Bauhofs wurde an diese naturschonende Pflege angepasst. Die Artenzahl konnte so von 320 Arten auf 485 in 2025 erhöht werden. Seitdem lässt die Stadt alljährlich alle vorkommenden Pflanzenarten insbesondere auf 6 Kilometern Länge am Berliner Ring und mehreren zuführenden Straßen untersuchen. Seit Beginn hat sich die Anzahl der Rote-Liste-Arten in diesen Biotopen verdoppelt. Die Gesamtfläche beträgt nunmehr etwa 10 Hektar. Das Projekt gilt durch Broschüren und gute Öffentlichkeitsarbeit als bundesweites Modellprojekt mit hohem Ansehen.

Dritter Preis in Höhe von jeweils 2.000 Euro mit dem Schwerpunkt Umweltbildung: BUND Naturschutz in Bayern e.V. Kreisgruppe Kelheim: Umweltbildungsprojekt NANU! “Hecken und Feldgehölze – viel mehr als nur Gestrüpp” (Niederbayern)

Das Umweltbildungsprojekt NANU! ist ein Kooperationsvorhaben der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Kelheim und des Landschaftspflegeverbands Kelheim VöF und bietet seit über 20 Jahren außerschulische Bildung für die Bildungseinrichtungen im Landkreis Kelheim an. In diesem Zeitraum konnten mehr als 46.800 Kinder und Jugendliche bleibende Naturerfahrungen machen. Das Kernangebot mit Lebensraumführungen zu Wiese, Wasser, Wald, Hecke und Boden richtet sich vor allem an Kindergartengruppen und Schulklassen. Ein besonderer Fokus liegt auf Hecken und Feldgehölzen, die früher als Einfriedungen dienten, heute aber als lebenswichtige Verbundstrukturen für Artenvielfalt, Boden und Klimafunktionen sowie agrarökologische Prozesse gelten. Seit vielen Jahren werden im Herbst speziell für Zweitklässler Heckenführungen angeboten, die 2025 unter dem Schwerpunktthema “Hecken und Feldgehölze – viel mehr als nur Gestrüpp!” erweitert wurden, um die Artenvielfalt, die Vernetzungsfunktion und die positiven Effekte für Tiere, Menschen und Landwirtschaft auch höheren Jahrgängen näherzubringen.

Würmranger im Jane Goodall Institut Deutschland: “Hecke macht Schule” (Oberbayern)

Die Würmranger engagieren sich seit über 14 Jahren ehrenamtlich für Naturerfahrung und Naturschutz. Als Teil des weltweiten Roots&Shoots-Netzwerks von Dr. Jane Goodall folgen sie der Überzeugung, dass jeder Einzelne einen Unterschied machen kann. Entlang des Würmgrünzuges wurde ein kontinuierliches Bildungsnetzwerk aufgebaut, das Naturschutz, Wissensvermittlung und Handeln verknüpft. Durch die Einrichtung konkreter Lernorte – die Renaturierung der Würm in Obermenzing, den “Zukunftswald” in Allach und den neuen “Bunkergarten” auf dem Schulgelände der Mittelschule Allach – sowie die Ausbildung von Multiplikatoren und die direkte Einbindung von Schulen in Pflanz- und Pflegeaktionen wird der Wert der Biodiversität im Bewusstsein von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verankert. Das Projekt konzentriert sich auf den Würmgrünzug in München West. Das Bildungsangebot “Hecke macht Schule” beruht auf fünf Säulen: der Schaffung und Pflege von Begegnungsorten, die als “grüne Klassenzimmer” Biodiversität greifbar machen, der Qualifizierung von Lehrkräften und Erziehern- und Erzieherinnen zur eigenständigen Integration des Lebensraums Hecke in Unterricht und Kita-Arbeit, der Bereitstellung didaktisch aufbereiteter Materialien, erlebnisorientierten Exkursionen sowie dem Pflanzen, bei dem Kinder aktiv einbezogen werden.

Ortsverschönerungs- und Gartenbauverein Isen e.V.: “Der OVV-Heckenlehrpfad am Rentnerweg in Isen” (Oberbayern)

Der Heckenlehrpfad des OVV Isen ist ein Umsetzungsprojekt zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum entlang des Rentnerwegs, das eine historisch gewachsene, strukturreiche Hecke auf der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Thann-Matzbach–Haag erhält, fachlich begleitet und gezielt weiterentwickelt. Ziel ist es, das wertvolle Bestandsbiotop langfristig zu sichern, seine ökologische Qualität zu erhöhen und die Bedeutung von Hecken als Lebensraum, Vernetzungsstruktur und Bildungsort sichtbar zu machen. Statt künstlicher Neuanlagen wurden zusätzliche heimische Gehölzarten gepflanzt, Kleinstrukturen wie Totholzhaufen, Steinstrukturen und Altholz integriert sowie Brutkästen für Höhlen- und Halbhöhlenbrüter angebracht. Eine Benjeshecke ist geplant. Entlang des Pfades informieren 54 Informationstafeln über heimische Sträucher und Bäume, ergänzt durch sechs lebensgroße Tafeln zu heimischen Tierarten. Der Pfad wird regelmäßig von Spaziergängern, Familien, Schulklassen und Senioren genutzt und ist als außerschulischer Lernort fest verankert. Besonders hervorzuheben ist die von Jugendlichen errichtete Käferburg aus Totholz, die Insekten, Igel und Kleinsäuger beherbergt. Für die nachhaltige Wirkung des Projekts sorgt das große ehrenamtliche Engagement vieler Beteiligter. Patenschaften, die Unterstützung ortsansässiger Unternehmen und die fachliche Begleitung durch den LBV sichern seinen langfristigen Erfolg.

Sonderpreis der Banken des Bayerischen Naturschutzfonds Merck Finck und Hauck Aufhäuser Lampe für Schulen in Höhe von jeweils 500 Euro

Grund- und Mittelschule Eging am See: “Unsere Wiese der Artenvielfalt – Lern- und Entwicklungsraum für biologische Vielfalt in Eging am See” (Niederbayern)

Die Grund- und Mittelschule Eging am See sah einen hohen Bedarf, Kinder und Jugendliche für Biodiversität und nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren. Im Schuljahr 2022/23 entwickelten Schülerinnen und Schüler die Idee einer “Wiese der Artenvielfalt” und setzten sie gemeinsam mit Schule, Gemeinde und der Umweltstation “Haus am Strom” um. Auf dem Projektgelände wurden eine artenreiche Blumenwiese, eine Hochstaudenflur, ein naturnah befestigter Amphibientümpel, eine trockene Böschung, eine Schmetterlings- und Bienenspirale, eine “Naschhecke” mit Beeren- und Kräutersträuchern sowie Nistkästen angelegt. Geplant ist, QR-Code-Informationstafeln anzubringen. Mit dem Projekt “Klimarobuste Hecke der Vielfalt” werden das bestehende Konzept ergänzt, die Lebensräume vernetzt und die Strukturvielfalt des Areals weiter erhöht. Vereine, Unternehmen und viele Bürgerinnen und Bürger haben sich beteiligt und gemeinsam einen lebendigen Lernort geschaffen, der Umweltbildung, Naturschutz und Gemeinschaft auf vorbildliche Weise verbindet. Die Grund- und Mittelschule Eging wurde als “Umweltschule” ausgezeichnet, ist Modellschule im Netzwerk “BNE macht Schule” und erhielt 2025 den Zukunftspreis des Schulamtes Passau.

Grundschule Adelschlag: “Schule in der Natur – Natur in der Schule” (Oberbayern).

Die Grundschule Adelschlag liegt am Ortsrand und ist durch ihre offene Lage eng mit der umgebenden Natur verknüpft. Im Rahmen des europäischen Umweltschulprofils wurden in den letzten Jahren mehrere Hecken- und Saumprojekte umgesetzt. Dabei lernten die Schülerinnen und Schüler praktische Handwerksfertigkeiten und erfuhren den Nutzen der Anlagen als Windschutz, Ballspiel-Abgrenzung und Lebensraum für Tiere. 2023 entstand auf Initiative der Schülerschaft die erste Benjeshecke, die gemeinsam mit dem Obst- und Gartenbauverein und dem Gemeindebauhof geplant, gebaut und bepflanzt wurde. In den Jahren 2022 bis 2025 wurden zwei weitere Hecken angelegt. Für das kommende Frühjahr ist geplant, eine wenig wertvolle Buchsbaumpflanzung entlang der Turnhalle zu entfernen und durch Beerensträucher zu ersetzen, um einen zugänglichen Naschgarten zu schaffen. Die Hecken dienen zudem als Unterrichtsort im Heimat- und Sachunterricht und stärken durch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern das Bewusstsein für naturnahe Strukturen über die Schule hinaus.

Weitere Informationen unter www.naturschutzfonds.bayern.de

Bericht: Bayerisches Umweltministerium – Foto: Hötzelsperger


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!